Au-pair Kosten: Der ehrliche Überblick für Gastfamilien
Als ich mit meinem zweiten Kind schwanger war und mein Großer gerade in die Kita kam, stand mein Mann und ich vor der großen Frage: Wie organisieren wir die Kinderbetreuung, wenn ich wieder arbeiten möchte? Eine Freundin schwärmte von ihrem Au-pair, und ich begann zu recherchieren. Schnell wurde klar: Die Kosten für ein Au-pair sind viel komplexer als nur das monatliche Taschengeld. Heute, nach zwei Jahren Erfahrung mit unserem Au-pair Marie aus Frankreich, kann ich dir aus erster Hand sagen, welche Ausgaben wirklich auf dich zukommen – und wo sich versteckte Kosten verbergen, mit denen ich anfangs nicht gerechnet hatte.
Ein Au-pair kann eine wunderbare Bereicherung für deine Familie sein: flexible Kinderbetreuung, kultureller Austausch und oft eine echte Freundschaft. Aber damit du realistisch planen kannst, schauen wir uns jetzt gemeinsam alle Kostenpunkte an – transparent, ehrlich und ohne Beschönigung.
Das monatliche Taschengeld: Die Basis der Au-pair Kosten
Das Taschengeld ist der offensichtlichste Kostenpunkt und gleichzeitig gesetzlich geregelt. In Deutschland liegt das vorgeschriebene Mindesttaschengeld für ein Au-pair bei 280 Euro pro Monat (Stand 2024). Diese Summe ist nicht verhandelbar nach unten – sie ist im Rahmen der Au-pair-Regelungen festgelegt und dient dem Au-pair als persönliches Geld für Freizeitaktivitäten, Kleidung und persönliche Ausgaben.
Wichtig zu wissen: Dieses Taschengeld ist kein Lohn im klassischen Sinne. Ein Au-pair ist kein Arbeitnehmer, sondern nimmt am Familienleben teil und hilft bei der Kinderbetreuung und leichten Hausarbeiten im Gegenzug für Kost, Logis, Sprachkurs und eben das Taschengeld. Trotzdem ist es eine feste monatliche Ausgabe, mit der du rechnen musst.
Sonderzahlungen und Extras beim Taschengeld
Viele Gastfamilien zahlen freiwillig etwas mehr als die vorgeschriebenen 280 Euro – besonders in Großstädten wie München, Hamburg oder Frankfurt, wo die Lebenshaltungskosten höher sind. Aus meiner Erfahrung und dem Austausch in unserer Au-pair-Gastfamilien-Gruppe zahlen die meisten zwischen 300 und 350 Euro monatlich. Das ist keine Pflicht, wird aber oft als faire Geste geschätzt, besonders wenn dein Au-pair sehr zuverlässig ist oder überdurchschnittlich viel hilft.
Zusätzlich solltest du einplanen:
- Weihnachtsgeld oder ein kleines Geschenk zum Geburtstag deines Au-pairs
- Eventuell ein Bonus bei besonders guter Zusammenarbeit
- Gelegentliche Extras wie Kinobesuche mit der Familie oder Ausflüge, die du übernimmst
Unterkunft und Verpflegung: Die versteckten Kosten
Als Gastfamilie musst du deinem Au-pair ein eigenes Zimmer zur Verfügung stellen – und zwar ein richtiges Zimmer mit Fenster, nicht etwa einen umfunktionierten Abstellraum. Diese Kosten tauchen nicht direkt auf deinem Kontoauszug auf, sind aber real: Wenn du das Zimmer anderweitig nutzen oder vermieten könntest, entgehen dir potenzielle Einnahmen oder Nutzungsmöglichkeiten.
Bei uns war das Gästezimmer vorher tatsächlich ein Gästezimmer, das wir etwa fünfmal im Jahr genutzt haben. Jetzt ist es Maries Reich, und wenn Familie zu Besuch kommt, müssen wir kreativ werden. In einer Großstadt wie München, wo ich lebe, entspricht ein 12-15 Quadratmeter großes Zimmer einem Mietwert von etwa 400-600 Euro monatlich – das sollte man sich bewusst machen.
Verpflegungskosten realistisch kalkulieren
Dein Au-pair isst mit euch mit – Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie Snacks zwischendurch. Je nachdem, wie ihr einkauft und kocht, schlägt das mit etwa 200-300 Euro zusätzlich pro Monat zu Buche. Ich habe unsere Einkaufsrechnungen die ersten drei Monate genau verglichen: Bei uns sind es realistisch etwa 250 Euro mehr im Monat.
Bedenke dabei:
- Manche Au-pairs haben spezielle Ernährungsgewohnheiten (vegetarisch, vegan, halal)
- Junge Menschen essen oft mehr als du denkst – besonders Snacks
- Getränke, Kaffee, Tee kommen on top
- Eventuell möchte dein Au-pair typische Gerichte aus der Heimat kochen – spezielle Zutaten können teurer sein
Versicherungen: Der unverzichtbare Kostenfaktor
Hier wird es ernst, denn ohne die richtige Versicherung darfst du kein Au-pair legal beschäftigen. Die Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung ist Pflicht und einer der größten Kostenpunkte neben dem Taschengeld.
Krankenversicherung für Au-pairs
Dein Au-pair benötigt eine Krankenversicherung, die speziell für Au-pairs konzipiert ist. Diese kostet je nach Anbieter und Leistungsumfang zwischen 30 und 60 Euro pro Monat. Als Gastfamilie bist du verpflichtet, diese Kosten zu übernehmen – das ist Teil der gesetzlichen Regelung.
Ich empfehle, hier nicht am falschen Ende zu sparen. Eine gute Au-pair-Krankenversicherung deckt ab:
- Arztbesuche und Behandlungen
- Krankenhausaufenthalte
- Medikamente
- Zahnbehandlungen (zumindest Schmerzbehandlungen)
- Rücktransport ins Heimatland bei schwerer Erkrankung
Bei uns gab es einmal einen Notfall, als Marie sich beim Spielen mit den Kindern den Knöchel verstaucht hatte. Die Versicherung hat problemlos alles übernommen – da war ich froh über die gute Police.
Unfall- und Haftpflichtversicherung
Zusätzlich zur Krankenversicherung brauchst du eine Unfallversicherung für dein Au-pair. Diese kostet etwa 10-20 Euro monatlich und ist wichtig, falls beim Fahrradfahren, auf dem Weg zum Sprachkurs oder bei der Kinderbetreuung etwas passiert.
Die Haftpflichtversicherung ist ebenfalls sinnvoll: Was, wenn dein Au-pair versehentlich das Laptop deines Partners vom Tisch stößt oder beim Kochen einen Schaden verursacht? Manche Privathaftpflichtversicherungen decken Au-pairs automatisch mit ab – prüfe das unbedingt bei deiner Versicherung. Falls nicht, kostet eine separate Police etwa 5-10 Euro monatlich.
Sprachkurs: Bildung als Teil des Au-pair-Programms
Ein Au-pair kommt nicht nur zum Babysitten nach Deutschland, sondern auch, um die Sprache zu lernen und sich weiterzubilden. Deshalb ist ein Deutschkurs verpflichtender Bestandteil des Au-pair-Aufenthalts. Als Gastfamilie musst du deinem Au-pair die Teilnahme an einem Sprachkurs ermöglichen und dich in der Regel auch finanziell beteiligen.
Kosten für Deutschkurse
Ein Deutschkurs an einer Volkshochschule kostet etwa 150-300 Euro pro Semester, an privaten Sprachschulen oft deutlich mehr (400-800 Euro). Die gesetzliche Regelung sieht vor, dass die Gastfamilie mindestens 50 Euro monatlich zum Sprachkurs beisteuert – viele Familien übernehmen aber die kompletten Kursgebühren.
Wir haben uns entschieden, Maries VHS-Kurs komplett zu bezahlen (ca. 200 Euro für drei Monate), weil wir gemerkt haben, wie wichtig ihr das Deutschlernen ist und wie sehr es auch unserer Kommunikation hilft. Rechne also mit etwa 50-100 Euro monatlich für den Sprachkurs.
Zusätzliche Kosten können sein:
- Lehrbücher und Materialien (20-50 Euro pro Kurs)
- Prüfungsgebühren, falls dein Au-pair ein Zertifikat machen möchte (100-200 Euro)
- Fahrtkosten zum Kursort, wenn nicht in der Nähe
Vermittlungsagentur: Einmalige Kosten zu Beginn
Viele Familien nutzen eine Au-pair-Agentur, um ein passendes Au-pair zu finden. Das macht vieles einfacher – die Agentur kümmert sich um Vorauswahl, Verträge, Visa-Angelegenheiten und steht bei Problemen zur Seite. Aber natürlich hat dieser Service seinen Preis.
Agenturgebühren im Überblick
Die Vermittlungsgebühren variieren stark je nach Agentur und Leistungsumfang. Du kannst mit folgenden Kosten rechnen:
- Einmalige Vermittlungsgebühr: 100-500 Euro
- Manche Agenturen berechnen zusätzlich eine Jahresgebühr: 200-400 Euro
- Premium-Service mit intensiver Betreuung: bis zu 1000 Euro
Wir haben damals 350 Euro Vermittlungsgebühr gezahlt und waren damit sehr zufrieden. Die Agentur hat uns drei passende Profile vorgeschlagen, Videocalls organisiert und alle Vertragsdetails geklärt. Für uns als Au-pair-Neulinge war das die Investition wert.
Alternativ kannst du auch über Online-Plattformen selbst suchen – dort zahlst du oft nur eine Mitgliedsgebühr von etwa 30-90 Euro für wenige Monate Zugang. Das erfordert aber mehr Eigeninitiative und du musst dich selbst um alle formalen Dinge kümmern.
Reisekosten und Visum: Einmalige Ausgaben nicht vergessen
Je nachdem, woher dein Au-pair kommt, fallen unterschiedliche Kosten für die Anreise und eventuell für Visa an. Diese Kosten werden oft übersehen, gehören aber definitiv zur Gesamtkalkulation.
Anreisekosten
Traditionell trägt das Au-pair die Kosten für die Anreise nach Deutschland selbst. Viele Gastfamilien beteiligen sich aber als nette Geste oder übernehmen die Kosten komplett – besonders, wenn das Au-pair aus einem Land mit niedrigeren Lebenshaltungskosten kommt. Ein Flugticket aus Osteuropa kostet etwa 100-200 Euro, aus Südamerika oder Asien können es 600-1200 Euro sein.
Wichtig: Plane auch die Rückreise ein. Manche Familien vereinbaren, dass sie die Rückreisekosten übernehmen, wenn das Au-pair die vereinbarte Zeit vollständig bleibt. Das kann ein Anreiz sein und zeigt Wertschätzung.
Visums- und Behördenkosten
Au-pairs aus EU-Ländern brauchen kein Visum – hier entstehen nur eventuell Kosten für die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt (meist kostenlos bis etwa 15 Euro). Bei Au-pairs aus Nicht-EU-Ländern wird es aufwendiger:
- Visumgebühren: 60-75 Euro (trägt normalerweise das Au-pair)
- Aufenthaltserlaubnis in Deutschland: etwa 100 Euro
- Eventuell Beglaubigungen und Übersetzungen von Dokumenten: 50-150 Euro
- Führungszeugnis: etwa 13 Euro
Diese Kosten können zwischen Gastfamilie und Au-pair aufgeteilt werden – das solltet ihr vorher klar vereinbaren.
Laufende Nebenkosten im Alltag
Neben den großen Posten gibt es viele kleinere Ausgaben, die sich über das Jahr summieren. Aus meiner Erfahrung sind das die Dinge, die man am Anfang nicht auf dem Schirm hat, die aber real ins Budget schlagen.
Mobilität und Fahrtkosten
Dein Au-pair muss zum Sprachkurs kommen, möchte Freunde treffen und die Stadt erkunden. Viele Gastfamilien stellen ein Fahrrad zur Verfügung (Anschaffung oder gebraucht: 100-300 Euro) oder übernehmen die Kosten für ein Monatsticket im öffentlichen Nahverkehr.
Ein Monatsticket kostet je nach Stadt:
- Kleinstadt oder ländliche Region: 40-60 Euro
- Mittelgroße Stadt: 60-80 Euro
- Großstadt wie München, Hamburg, Berlin: 80-120 Euro
Wir haben uns für ein Monatsticket entschieden (bei uns 91 Euro), weil Marie damit flexibel ist und wir kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn sie die Kinder auch mal zu weiter entfernten Aktivitäten bringt.
Kommunikation und Internet
Dein Au-pair braucht eine deutsche SIM-Karte, um erreichbar zu sein – besonders wichtig, wenn es mit deinen Kindern unterwegs ist. Eine Prepaid-Karte mit ausreichend Datenvolumen kostet etwa 10-20 Euro monatlich. Manche Familien übernehmen das, andere lassen das Au-pair selbst zahlen.
WLAN zu Hause sollte selbstverständlich sein – die Kosten hast du ohnehin, aber rechne eventuell mit etwas höherem Datenverbrauch durch Videocalls in die Heimat.
Freizeitaktivitäten und Integration
Damit sich dein Au-pair wohlfühlt und gut integriert, fallen immer wieder kleine Ausgaben an:
- Gemeinsame Ausflüge mit der Familie (Zoo, Museum, Schwimmbad)
- Gelegentliche Einladungen zum Essen gehen
- Begrüßungsgeschenke oder kleine Aufmerksamkeiten
- Eventuell Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder Sportverein (freiwillig)
Diese Kosten sind schwer zu beziffern, aber ich würde etwa 30-50 Euro monatlich dafür einplanen, wenn du dein Au-pair wirklich als Teil der Familie behandeln möchtest.
Die Gesamtrechnung: Was kostet ein Au-pair wirklich pro Monat?
Jetzt wird es konkret. Lass uns alle Kosten zusammenrechnen und schauen, was ein Au-pair monatlich wirklich kostet. Ich unterscheide hier zwischen Pflichtkosten und optionalen Ausgaben.
Minimale monatliche Kosten
Wenn du wirklich nur das Nötigste ausgibst, kommst du auf folgende Summe:
- Taschengeld: 280 Euro (Pflicht)
- Verpflegung: 200 Euro (realistischer Durchschnitt)
- Krankenversicherung: 40 Euro (Pflicht)
- Unfallversicherung: 15 Euro (Pflicht)
- Sprachkurs-Zuschuss: 50 Euro (Mindestbeitrag)
- Fahrtkosten/Ticket: 60 Euro (je nach Stadt)
Summe Minimum: ca. 645 Euro pro Monat
Dazu kommen einmalige Kosten zu Beginn:
- Agenturgebühr: 200-500 Euro (einmalig)
- Eventuell Anreisekosten-Beteiligung: 100-300 Euro (einmalig)
- Zimmerausstattung/Erstausstattung: 100-300 Euro (einmalig)
Realistische monatliche Gesamtkosten
In der Praxis geben die meisten Gastfamilien etwas mehr aus, weil sie ihr Au-pair fair behandeln und als echtes Familienmitglied integrieren möchten:
- Taschengeld: 320 Euro (leicht erhöht)
- Verpflegung: 250 Euro
- Kranken- und Unfallversicherung: 60 Euro
- Sprachkurs komplett: 80 Euro (umgerechnet auf Monat)
- Monatsticket: 90 Euro
- Handy/SIM-Karte: 15 Euro
- Freizeitaktivitäten/Extras: 40 Euro
Realistische Summe: ca. 855 Euro pro Monat
Plus die versteckten Kosten für das Zimmer (Opportunitätskosten von ca. 400-600 Euro in Großstädten, die aber nicht direkt ausgegeben werden) und die einmaligen Startkosten von etwa 500-800 Euro.
Vergleich mit anderen Betreuungsformen
Um die Au-pair Kosten einzuordnen: Ein Kita-Platz kostet je nach Stadt und Einkommen zwischen 100 und 600 Euro monatlich (für ein Kind), eine Tagesmutter etwa 500-800 Euro, und eine Vollzeit-Nanny mindestens 2000-3000 Euro netto plus Sozialabgaben.
Ein Au-pair ist also durchaus eine bezahlbare Alternative – besonders, wenn du mehrere Kinder hast, flexible Betreuungszeiten brauchst oder Wert auf den kulturellen Austausch legst. Aber es ist eben auch nicht 'fast kostenlos', wie manchmal suggeriert wird.
Steuerliche Aspekte und mögliche Förderungen
Eine Frage, die viele Familien beschäftigt: Kann ich die Au-pair Kosten steuerlich absetzen? Die Antwort ist: teilweise ja, aber es ist kompliziert.
Kinderbetreuungskosten absetzen
Du kannst die Kosten für die Kinderbetreuung durch dein Au-pair als haushaltsnahe Dienstleistung oder als Kinderbetreuungskosten steuerlich geltend machen – allerdings nur anteilig und nur den Teil, der wirklich auf die Kinderbetreuung entfällt.
Absetzbar sind bis zu zwei Drittel der Kosten, maximal 4000 Euro pro Jahr und Kind unter 14 Jahren. Du musst aber genau aufschlüsseln, welcher Anteil des Taschengelds und der anderen Kosten auf Kinderbetreuung entfällt (und nicht auf leichte Hausarbeit oder kulturellen Austausch).
Wichtig: Du brauchst dafür:
- Einen schriftlichen Au-pair-Vertrag mit klarer Aufgabenbeschreibung
- Nachweise über die Zahlungen (Überweisungen, keine Barzahlungen)
- Eine Bescheinigung über die tatsächlich geleisteten Betreuungsstunden
Ich empfehle dir, das mit einem Steuerberater zu besprechen, weil die Regelungen komplex sind und sich ändern können. Bei uns hat sich durch die steuerliche Absetzbarkeit eine Ersparnis von etwa 1200 Euro im Jahr ergeben – das ist schon ein netter Betrag.
Keine Sozialversicherungspflicht
Ein großer Vorteil: Für Au-pairs musst du keine Sozialversicherungsbeiträge abführen, da sie nicht als Arbeitnehmer gelten. Das unterscheidet sie von einer Nanny oder Haushaltshilfe und spart dir erhebliche Kosten.
Häufige Fragen
Was kostet ein Au-pair im Jahr insgesamt?
Bei realistischer Kalkulation kommst du auf etwa 10.000-12.000 Euro pro Jahr an direkten Kosten (Taschengeld, Versicherung, Verpflegung, Sprachkurs, Fahrtkosten). Dazu kommen einmalige Startkosten von 500-800 Euro und die indirekten Kosten für das Zimmer. Im ersten Jahr solltest du also mit etwa 11.000-13.000 Euro Gesamtkosten rechnen.
Ist ein Au-pair günstiger als eine Kita?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Für ein einzelnes Kind ist eine Kita oft günstiger (je nach Einkommen und Stadt). Hast du aber zwei oder mehr Kinder und brauchst flexible Betreuungszeiten auch am Nachmittag oder Abend, kann ein Au-pair deutlich wirtschaftlicher sein. Außerdem bietet ein Au-pair mehr Flexibilität und individuelle Betreuung zu Hause.
Muss ich das Taschengeld versteuern?
Nein, als Gastfamilie musst du auf das Au-pair-Taschengeld keine Steuern oder Sozialabgaben zahlen. Das Au-pair selbst muss das Taschengeld in Deutschland ebenfalls nicht versteuern, da es unter der Freigrenze liegt und als Teil des kulturellen Austauschs gilt, nicht als Arbeitslohn.
Was passiert, wenn das Au-pair krank wird?
Bei Krankheit läuft das Taschengeld normal weiter – schließlich ist das Au-pair Teil deiner Familie. Die Krankenversicherung übernimmt die medizinischen Kosten. Bei längerer Krankheit (über sechs Wochen) solltest du dich mit deiner Agentur beraten, welche Optionen es gibt. Wichtig ist, dass du eine gute Krankenversicherung abgeschlossen hast, die alle notwendigen Behandlungen abdeckt.
Kann ich die Au-pair Kosten reduzieren?
Bei den Pflichtkosten (Taschengeld, Versicherung, Sprachkurs-Zuschuss) gibt es kaum Spielraum. Sparen kannst du bei der Agentur (selbst suchen), beim Sprachkurs (günstige VHS statt teure Privatschule), bei den Fahrtkosten (Fahrrad statt Monatsticket, wenn möglich) und bei den Extras. Aber überlege gut: Ein zufriedenes, gut integriertes Au-pair ist unbezahlbar und die paar Euro mehr oft sehr gut investiert.
Gibt es versteckte Kosten, mit denen ich nicht rechne?
Ja, definitiv. Die häufigsten übersehenen Kosten sind: höherer Strom- und Wasserverbrauch (ca. 20-30 Euro/Monat), mehr Wäsche und Reinigungsmittel, Verschleiß an Möbeln und Haushaltgeräten, gelegentliche Arztbesuche mit Zuzahlungen, die die Versicherung nicht deckt, und die vielen kleinen Extras im Alltag. Auch Telefonate in die Heimat können ins Geld gehen, wenn nicht alles über Internet läuft. Plane lieber 10-15% Puffer ein.
Fazit
Ein Au-pair zu haben ist eine wunderbare Erfahrung, die unsere Familie bereichert hat – aber sie hat ihren Preis. Realistisch solltest du mit monatlichen Kosten von 850-950 Euro rechnen, plus einmaligen Startkosten und den indirekten Kosten für das Zimmer. Das ist deutlich mehr als nur die oft genannten 280 Euro Taschengeld, aber immer noch eine vergleichsweise günstige und vor allem flexible Betreuungslösung, besonders für Familien mit mehreren Kindern. Wichtig ist, dass du von Anfang an transparent kalkulierst und auch die versteckten Kosten einplanst. Dann gibt es keine bösen Überraschungen, und du kannst die Zeit mit deinem Au-pair wirklich genießen. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Jeder Euro ist es wert, wenn die Chemie stimmt und dein Au-pair zu einem echten Familienmitglied wird, das deine Kinder liebt und deinen Alltag bereichert.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
Mehr über Nadine →