moms.de

Au-Pair-Programm in Deutschland: Übersicht der finanziellen Verpflichtungen für Gastfamilien

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 03.05.2026 Lesezeit 12 Min.
Au-Pair-Programm in Deutschland: Übersicht der finanziellen Verpflichtungen für Gastfamilien

Auf einen Blick

  • Die monatlichen Kosten für ein Au Pair liegen zwischen 500 und 1.000 Euro – je nach Unterkunft und Fahrzeugnutzung
  • Das Taschengeld ist gesetzlich auf 280 Euro pro Monat festgelegt und muss per Überweisung gezahlt werden
  • Bis zu zwei Drittel der Kosten (max. 4.000 Euro pro Jahr und Kind) können steuerlich als Kinderbetreuung abgesetzt werden

Ein Au Pair kann euren Familienalltag enorm erleichtern – von der Kinderbetreuung bis zur Unterstützung im Haushalt. Doch bevor ihr euch für diesen Schritt entscheidet, solltet ihr die finanziellen Verpflichtungen genau kennen. Wir zeigen euch transparent, welche Kosten auf euch zukommen und wie ihr dabei sogar Steuern sparen könnt.

🌸 Was ist ein Au Pair und welche Aufgaben übernimmt es?

Bei einem Au Pair handelt es sich um eine junge Person, die für einen festgelegten Zeitraum in einem anderen Land und dort bei einer Gastfamilie lebt. Die Ziele eines solchen Programms sind beiderseitig verschieden. Während Au Pairs auf diesem Wege ihre Sprachkenntnisse verbessern und neue Kulturen erleben können, profitiert ihr in erster Linie durch eine helfende Hand bei der Kinderbetreuung sowie leichten Haushaltsaufgaben.

Die Aufgaben mit Blick auf die Kinderbetreuung sind dabei vielfältig:

  • Spielen und Vorlesen
  • Begleitung zu sportlichen Aktivitäten
  • Aufpassen während eurer Abwesenheit
  • Hilfe bei den Hausaufgaben
  • Zubereiten von Mahlzeiten für die Kinder
  • Aufräumen der Kinderzimmer
  • Wäsche waschen
  • Einkäufe erledigen

Gut zu wissen: Ein Au Pair wird als Familienmitglied behandelt und nimmt am gemeinsamen Familienleben teil – einschließlich der Mahlzeiten.

💰 Unterkunft und Verpflegung – eure Grundpflichten

Die wichtigsten Verpflichtungen liegen im Bereich von Unterkunft sowie der Verpflegung. Diese müsst ihr grundsätzlich kostenlos stellen. Dabei gilt es zu beachten, dass das Au Pair Anspruch auf ein eigenes Zimmer hat, das mindestens neun Quadratmeter groß ist. Auch muss es weitere Kriterien erfüllen und beispielsweise einen Fernseher sowie ein Fenster beinhalten.

Alternativ zu einem Zimmer in eurer eigenen Immobilie könnt ihr dem Au Pair auch ein Zimmer in einer anderweitigen Unterkunft in der Nähe zur Verfügung stellen. Auch hierfür liegen die Kosten in jedem Fall bei euch.

Kostenübersicht:

  • Verpflegung: 100 bis 300 Euro pro Monat (meist unter 200 Euro)
  • Unterkunft: 0 bis 400 Euro monatlich (je nach Art der Unterbringung)

💵 Taschengeld – gesetzlich geregelt und unveränderbar

Die Bezahlung von Au Pairs ist seitens der Arbeitsagentur fest geregelt. So müsst ihr dem Au Pair monatlich 280 Euro Taschengeld zahlen – nicht mehr und nicht weniger. Diese Regelung ist seit dem 01.10.2020 in Kraft. Zuvor lag das monatliche Taschengeld noch bei 260 Euro.

Wie das Taschengeld genutzt wird, liegt allein im Ermessen des Au Pairs. Allerdings steht es euch selbstverständlich frei, die Kosten für gemeinsame Aktivitäten zu übernehmen. Zudem zählen Geschenke ebenfalls nicht zur Bezahlung oder zum Taschengeld.

Achtung: Das Taschengeld muss auch während Urlaub oder Krankheit gezahlt werden. Zahlt ihr mehr als 280 Euro pro Monat, handelt es sich um eine meldepflichtige Beschäftigung. Au Pairs von außerhalb der EU dürfen mit einem Au-pair-Visum eine solche Tätigkeit gar nicht erst annehmen.

Überweist das Taschengeld unbedingt – niemals bar auszahlen! Nur so könnt ihr bei der Steuererklärung nachweisen, dass ihr die Zahlungen geleistet habt.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

📚 Sprachkurs – wer zahlt was?

Das Thema des Sprachkurses wird je nach Au-pair-Vertrag unterschiedlich gehandhabt. Grundlegend ist zunächst davon auszugehen, dass ein Au Pair das Ziel verfolgt, eine neue Kultur und auch deren Sprache zu erlernen. Entsprechend ist es in vielen Fällen so, dass ein Sprachkurs die Grundlage für die Kommunikation ist.

Sofern der Sprachkurs in den Programmvorschriften enthalten ist, müsst ihr für die entsprechenden Kosten aufkommen. Ist dies hingegen nicht der Fall, so liegen die Kosten beim Au Pair. Selbstverständlich könnt ihr in etwaigen Fällen auch gerne finanzielle Hilfe leisten.

Kosten für Sprachkurse:

  • Intensivkurse (20-25 Unterrichtseinheiten/Woche): 250 bis 600 Euro
  • Auffrischungs- oder Basiskurse: 50 bis 100 Euro
  • Maximale Kosten bei Jahresaufenthalt: 840 Euro (oder 70 Euro monatlich)

Darüber hinaus steht ihr in der Pflicht, den Zugang zum Sprachkurs zu ermöglichen. In der Praxis bedeutet dies, dass ihr dafür zuständig seid, dass euer Gast zu seinem Sprachkurs kommt. Ob ihr dem Au Pair hierfür ein Fahrzeug zur Verfügung stellt oder die Kosten übernehmt, ist euch überlassen. Solltet ihr kein Fahrzeug zur Verfügung stellen können, können sich die monatlichen Kosten auf bis zu 150 Euro belaufen.

Tipp: Das 49-Euro-Ticket oder spezielle Gemeinde-Angebote für den Nahverkehr können die Reisekosten zum Sprachkurs deutlich senken. Als Alternative könnt ihr natürlich auch selbst mit eurem Au Pair an den Sprachkenntnissen feilen – allerdings nur, wenn ihr hinsichtlich Orthografie und Grammatik absolut sattelfest seid.

🏥 Krankenversicherung und weiterer Versicherungsschutz

Per Bundesagentur für Arbeit seid ihr in Deutschland dazu verpflichtet, die Kosten für eine Krankenversicherung zu übernehmen und die Versicherung auch für euren Gast abzuschließen. Diese deckt neben Krankheit auch eine mögliche Schwangerschaft, die Geburt sowie Unfälle ab.

Zu wissen gilt es hierbei, dass Au Pairs zudem einen umfassenden Versicherungsschutz benötigen, den ebenfalls ihr zu tragen habt. Hier zählt unter anderem die private Au-pair-Vollversicherung. Es empfiehlt sich, hierfür auf spezielle Versicherungen für Au Pairs in Deutschland abzuschließen, da diese in den meisten Fällen alle wichtigen Versicherungsaspekte beinhalten.

Monatliche Kosten für die Versicherung: 30 bis 50 Euro

📊 Alle Kosten auf einen Blick

Damit ihr die möglichen Kosten für eine Teilnahme am Au-Pair-Programm als Gastfamilie besser überschauen könnt, haben wir sie euch nochmals zusammengefasst:

  • Unterkunft – 0 bis 400 Euro
  • Verpflegung – 100 bis 300 Euro
  • Taschengeld – 280 Euro
  • Sprachkurs – 70 Euro oder einmalig 840 Euro
  • Versicherung – 30 bis 50 Euro
  • Reisekosten für den Sprachkurs – 50 bis 150 Euro

Wie hoch die monatlichen Kosten für ein Au Pair ausfallen, ist in erster Linie davon abhängig, welche Rahmenbedingungen ihr eurem Gast bieten könnt. Stellt ihr dem Au Pair sowohl eine Unterkunft als auch ein Fahrzeug, liegen die Kosten bei monatlich etwa 500 bis 600 Euro. Kommt ihr hingegen für die Reisekosten zum Sprachkurs sowie einer Unterkunft außerhalb der eigenen Immobilie auf, können die monatlichen Kosten auf bis zu 1.000 Euro ansteigen.

✨ Weitere Kosten, die ihr einplanen solltet

Die bisher aufgeführten Kosten können zwar variieren, jedoch müsst ihr in jedem Fall dafür aufkommen. Abseits dessen gibt es jedoch weitere Ausgaben, die einkalkuliert werden sollten.

Willkommensgeschenk

Wer sich für die Teilnahme an einem Au-Pair-Programm entscheidet, der lädt einen Gast für sich ein, der ein ganzes Jahr als Teil der Familie fungieren soll. Eine kleine Aufmerksamkeit beim ersten Treffen ist daher eine gute Idee, um mögliche Anspannungen schnell zu lösen und euren Gast mit offenen Armen in Empfang zu nehmen. Wie genau ein solches Geschenk aussieht, müsst ihr für euch selbst entscheiden, doch darf es ruhig bis zu 100 Euro kosten.

Visumskosten (optional)

Au Pairs müssen die Kosten für ihr Visum selbst tragen, sofern ein solches notwendig ist. Je nach Herkunftsland kann dies ein teurer Spaß sein, da die Gebühren bis zu 180 Euro betragen. Wenn ihr das möchtet, könnt ihr euch daran beteiligen, wenngleich es keinerlei Verpflichtungen diesbezüglich gibt.

Agenturgebühren

In den meisten Fällen werden Au Pairs über eine Agentur gesucht. In etwaigen Situationen entstehen Gebühren, die durch die Agentur erhoben werden. Erfahrungsgemäß können diese bis zu 600 Euro betragen. Hier kann es sich lohnen, sich selbstständig auf die Suche nach einem Au Pair zu begeben oder die Angebote der Agenturen miteinander zu vergleichen. Längst nicht jede Agentur hält qualitativ auch das, was sie hinsichtlich ihrer Preise verspricht.

💡 Steuerliche Absetzbarkeit – so spart ihr Geld

Einem Gerichtsurteil des Bundesfinanzhofes zufolge können die Kosten für ein Au Pair nicht gänzlich von der Steuer abgesetzt werden. Dennoch gibt es einige Möglichkeiten, um bei der Steuererklärung Geld zu sparen.

Prinzipiell lassen sich Kosten für Au Pairs in Form von Sonderausgaben steuerlich absetzen:

Kinderbetreuungskosten

  • Absetzbar: bis zu zwei Drittel der Kosten
  • Maximalbetrag: 4.000 Euro pro Jahr und Kind
  • Voraussetzung: Kind lebt im Haushalt und ist nicht älter als 14 Jahre

Haushaltsnahe Dienstleistungen

  • Absetzbar: 20 Prozent der Kosten
  • Maximalbetrag: 4.000 Euro pro Jahr

Tipp: Eine Regelung, wonach sich das Au Pair zu 80 Prozent der Kinderbetreuung und zu 20 Prozent der haushaltsnahen Dienstleistungen widmet, ist aus steuerlicher Sicht absolut sinnvoll. Sofern vertraglich nicht anders festgehalten, geht das Finanzamt stets von 50:50 aus – dann könnt ihr final weniger Kosten absetzen.

Wichtig bei der Steuererklärung

Um nach der eingereichten Steuererklärung keine Probleme mit dem Finanzamt zu bekommen, solltet ihr einige wichtige Punkte beachten. In erster Linie ist es wichtig, dass das monatliche Taschengeld nicht in bar, sondern per Überweisung ausgezahlt werden sollte. Auf diesem Wege könnt ihr jederzeit nachweisen, dass ihr die festgelegte Summe überwiesen habt.

Der Grund hierfür liegt in einem weiteren Gerichtsurteil aus dem Jahr 2013. Hier hatte das Finanzgericht Köln entschieden, dass eine Barzahlung an Au Pairs keinesfalls steuerlich anerkannt wird, selbst wenn ein gültiger Vertrag zwischen Familie und Au Pair vorliegt, der die monatlichen Zahlungen regelt.

Achtung: Barzahlungen werden vom Finanzamt nicht anerkannt – auch nicht mit gültigem Vertrag! Zahlt das Taschengeld immer per Überweisung.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel kostet ein Au Pair pro Monat?

Die monatlichen Kosten liegen zwischen 500 und 1.000 Euro, abhängig davon, ob ihr eine Unterkunft in eurem Haus stellen könnt und ob das Au Pair ein Fahrzeug nutzen darf. Die günstigste Variante (500-600 Euro) entsteht, wenn ihr Unterkunft und Fahrzeug stellt.

Muss ich das Taschengeld auch im Urlaub oder bei Krankheit zahlen?

Ja, das monatliche Taschengeld von 280 Euro muss unabhängig von der Arbeitszeit gezahlt werden – auch während Urlaub oder Krankheit des Au Pairs.

Kann ich die Kosten für ein Au Pair von der Steuer absetzen?

Ja, teilweise. Ihr könnt bis zu zwei Drittel der Kinderbetreuungskosten (max. 4.000 Euro pro Jahr und Kind) sowie 20 Prozent der haushaltsnahen Dienstleistungen (max. 4.000 Euro pro Jahr) steuerlich geltend machen. Wichtig: Das Kind muss unter 15 Jahre alt sein und im Haushalt leben.

Wer zahlt den Sprachkurs für das Au Pair?

Das hängt vom Au-pair-Vertrag ab. Ist der Sprachkurs in den Programmvorschriften enthalten, müsst ihr die Kosten tragen (max. 840 Euro pro Jahr oder 70 Euro monatlich). Ansonsten liegt die Verantwortung beim Au Pair – ihr könnt aber freiwillig unterstützen.

Welche Versicherungen muss ich für mein Au Pair abschließen?

Ihr seid verpflichtet, eine Krankenversicherung sowie eine private Au-pair-Vollversicherung abzuschließen. Diese deckt Krankheit, Schwangerschaft, Geburt und Unfälle ab. Die monatlichen Kosten liegen bei 30 bis 50 Euro.

Darf ich das Taschengeld bar auszahlen?

Nein! Laut einem Urteil des Finanzgerichts Köln von 2013 werden Barzahlungen steuerlich nicht anerkannt – selbst mit gültigem Vertrag. Zahlt das Taschengeld immer per Überweisung, um Nachweise für die Steuererklärung zu haben.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

Mehr über Nadine →