Der Mutterpass und sein Inhalt
Auf einen Blick
- Du erhältst den Mutterpass etwa in der 8. Schwangerschaftswoche nach dem ersten Ultraschall mit sichtbarem Herzschlag
- Der Pass dokumentiert alle wichtigen Daten von der ersten Vorsorge bis zur Geburt – trage ihn immer bei dir
- Bei mehreren Schwangerschaften behältst du denselben Pass, da Platz für weitere Schwangerschaften vorhanden ist
Nach dem ersten positiven Schwangerschaftstest beginnt eine aufregende Zeit voller Fragen und Vorfreude. Der Mutterpass wird dein ständiger Begleiter durch diese besondere Phase – ein kleines Heft, das alle wichtigen Informationen über dich und dein Baby enthält. Hier erfährst du, was genau drinsteht und warum dieser Pass so wertvoll ist.
📅 Ab wann bekomme ich den Mutterpass?
Wann du den Mutterpass bekommst, hängt unter anderem von deinem Gynäkologen ab. Normalerweise wird er nach dem ersten Ultraschall ausgehändigt. Dieser wird rund um die 8. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Viele Frauen gehen heute jedoch direkt zum Frauenarzt, wenn sie einen positiven Test in der Hand haben. Oft ist dies noch zu früh um zu sehen, ob mit der Fruchtanlage und dem Embryo alles in Ordnung ist. Hier wird dann zwar schon mal geschaut, ob du ausreichend geimpft bist und Antikörper gegen bestimmte Krankheiten hast, den Mutterpass stellen viele Ärzte aber erst dann aus, wenn der Herzschlag des Ungeborenen zu sehen ist.
Daher erhalten die meisten werdenden Mütter das Dokument etwa in der 8. Schwangerschaftswoche. Für dich ist das ein besonders wichtiger Zeitpunkt, denn nun hast du schriftlich, dass du schwanger bist. Wenn du übrigens schon ein oder auch zwei Kinder hast, dann erhältst du keinen neuen Mutterpass, da in dem Heft Platz für mehrere Schwangerschaften ist.
Tipp: Besorge dir eine schöne Hülle für deinen Mutterpass – so bleibt er über die gesamte Schwangerschaft hinweg gut geschützt und sauber.
📋 Was steht im Mutterpass – ein Überblick
Neben dem schnellen Überblick, den sich Ärzte und Hebammen mit dem Mutterpass über deine Schwangerschaft verschaffen können, bietet der Pass auch Platz für die ersten Befunde deines Neugeborenen sowie Informationen rund um das Wochenbett. Ab der Seite 17 stehen Wiederholungen von Eintragsseiten. Dort wäre dann Platz für eine zweite Schwangerschaft.
Da der Mutterpass standardisiert ist, kann der Arzt den Stand deiner Schwangerschaft hier gut erkennen, auch wenn du mal zu einem anderen Gynäkologen oder ins Krankenhaus musst. Daher solltest du das Heft immer bei dir tragen. Mit einer Hülle wird der Pass gut geschützt.
Die Zusammenfassung der Informationen im Mutterpass:
- die Gesundheit der Mutter (Alter, Gewicht, Vorgeschichte, Erbkrankheiten)
- der Zustand des Ungeborenen (Kindslage, Gewicht, Größe, Entwicklung)
- der errechnete Geburtstermin
Achtung: Führe den Mutterpass immer mit dir – auch auf kurzen Ausflügen. Im Notfall können Ärzte und Hebammen so sofort alle wichtigen Informationen über deine Schwangerschaft einsehen.
📖 Was steht auf den einzelnen Seiten im Mutterpass?
Auf der ersten Seite findet man die Adresse deines Frauenarztes und die nächsten Untersuchungstermine. Persönliche Daten werden ebenfalls direkt vorne eingetragen.
Die Seiten 2 bis Seite 4
Auf den Seiten zwei bis vier sind bereits besonders wichtige Punkte zu finden, nämlich die medizinischen Angaben über Blutuntersuchungen. Als erstes werden deine Blutgruppe und dein Rhesusfaktor bestimmt. Er ist wichtig, damit du im Laufe der Schwangerschaft eine möglicherweise notwendige Prophylaxe erhalten kannst, damit es nicht zu einer Rhesus-Unverträglichkeit kommt.
Ebenfalls zu finden sind die Informationen aus dem Röteln-HAH-Test. Dieser zeigt an, ob du genügend Impfschutz gegen Röteln, also Antikörper, hast. Ebenso untersucht der Arzt, ob du mit Chlamydien oder Syphilis (LSR – Lues-Such-Reaktion) infiziert bist. Beides kann dafür sorgen, dass es zu einer Fehlgeburt oder auch einer Frühgeburt kommt. Teilweise ist es möglich, dass dein Baby durch eine Infektion Probleme mit der Lunge bekommt. Auch wird kontrolliert, ob du den Hepatitis-B-Virus in dir trägst oder möglicherweise HIV-positiv bist.
Die meisten Bereiche im Mutterpass auf diesen Seiten werden gleich zu Beginn ausgefüllt. Zudem erfolgt bei der Vorsorgeuntersuchung zwischen der 24. und der 27. SSW noch einmal eine Kontrolle auf die irregulären Antikörper.
Auf der vierten Seite wird vermerkt, ob es frühere Schwangerschaften gab und wie deren Verlauf gewesen ist.
Die Seiten 5 und 6
Die Seite fünf ist wichtig in Bezug auf deine Anamnese. Dort stehen eventuelle schwere Erkrankungen und Operationen, ebenso wird auch aufgeführt, ob du psychische oder soziale Belastungen hast. Dein Arzt wird dann das Fruchtwasser untersuchen und feststellen, wie die Lage und auch die Durchblutung der Plazenta ist. Weiterhin wird geprüft, ob du an Bluthochdruck (Hypertonie) leidest oder möglicherweise ein Gestationsdiabetes vorliegt.
Im Schwangerschaftsverlauf kann es bei dir zur Entstehung von verschiedenen Befunden kommen. Diese werden auf der sechsten Seite vermerkt. Unter anderem kann hier auf einen aktiven Konsum von Tabak verwiesen werden oder auch darauf, dass vorzeitige Wehen vorliegen. Dadurch fällt es Hebamme und Arzt leichter, das Risiko deiner Schwangerschaft einschätzen zu können. Auch der voraussichtliche Geburtstermin ist hier zu finden.
Der Mutterpass war für mich bei beiden Schwangerschaften wie ein kleines Tagebuch – jede Eintragung hat mich der Geburt ein Stück näher gebracht. Ich habe ihn wirklich immer dabei gehabt, auch wenn ich nur kurz einkaufen war.
Die Seiten 7 bis 8
Auf diesen Seiten gibt es eine Tabelle, die sich Gravidogramm nennt, in das dein Arzt die verschiedenen Untersuchungsergebnisse in Bezug auf dein Baby und dich einträgt. Damit wird festgestellt, wie das Wachstum deiner Gebärmutter ist. In der Spalte „Kindslage" schreibt der Arzt genau auf, wie das Kleine liegt. So bedeutet SL in dem Zusammenhang Schädellage, was die normale Lage für eine Geburt ist, BEL deutet auf Beckenlage, QL auf Querlage hin. Außerdem prüft der Arzt, ob du Wassereinlagern (Ödeme) und Krampfadern hast. Die Untersuchung „HB" stellt einen möglichen Eisenmangel dar, der Urin wird auf Rückstände geprüft. Der Arzt wird mit einer vaginalen Untersuchung den Muttermund und den Gebärmutterhals beobachten und die Informationen dazu im Mutterpass vermerken.
Wenn du dich fragst, was genau eigentlich „SFA" bedeutet, bekommst du hier ebenfalls die Antwort. Es handelt sich um den „Symphysen-Fundus-Abstand". Dieser zeigt an, wo sich der obere Rand der Gebärmutter befindet und kann Aufschluss darüber geben, ob die Gebärmutter normal wächst. Angegeben wird der Stand übrigens in Fingern – und zwar in Querfingern (QF).
Bei jeder Vorsorgeuntersuchung wird der Urin kontrolliert. Hier können Befunde unter dem Bereich „Sediment" eingegeben werden. So wird vermerkt, ob du Eiweiß oder Blut im Urin hast oder möglicherweise auch Zucker oder Nitrit auffällig sind.
Gut zu wissen: Die vielen Abkürzungen im Mutterpass können anfangs verwirrend wirken. Scheue dich nicht, deinen Arzt oder deine Hebamme bei jedem Termin zu fragen, was die Eintragungen bedeuten.
Die Seite 9
Die neunte Seite wird dann genutzt, wenn es spezielle Befunde gibt. Wenn du während der Schwangerschaft beispielsweise ins Krankenhaus musst oder auch eine Fruchtwasseruntersuchung gemacht wird, dann wird dies hier an dieser Stelle festgehalten. Zusätzlich dazu gibt es Hinweise aus möglichen Untersuchungen mit dem CTG oder auch dem Kardiotokograf.
Die Seiten 10 bis 14
Jetzt werden die drei vorgeschriebenen Ultraschall-Untersuchungen eingetragen. Dein Arzt hat festgestellt, dass der Embryo richtig in der Gebärmutter liegt und keine Eileiterschwangerschaft vorliegt? Dann ist das hier zu lesen. Er kann mit den Werten feststellen, ob dein Kind die richtige Größe hat oder ob Wachstumsstörungen vorliegen. Das hilft dabei zu erkennen, ob die Schwangerschaft ohne Auffälligkeiten verläuft. Auf der Seite 13 hat der Arzt zudem Normkurven, die er nutzen kann. Das Wachstum des Fötus wird hier eingetragen. Dadurch siehst du auch den Verlauf und kannst prüfen, wie sich dein Baby entwickelt. Eingetragen werden hier:
- Körperlänge
- Kopfdurchmesser
- Bauchdurchmesser
Die Seiten 15 und 16
Diese Seiten werden genutzt, um alle wichtigen Daten aus der Schwangerschaft zusammenfassend zu vermerken. Zudem sind sie für die Vermerke im Rahmen der Geburt da. Der Kinderarzt wird noch im Kreißsaal die ersten Tests vornehmen. Eine, fünf oder zehn Minuten nach der Geburt wird dein Kind untersucht. Der Arzt wird dem Kind Blut aus der Nabel Arterie entnehmen und den pH-Wert überprüfen. Dieser zeigt die Sauerstoffversorgung an. Grundlage für die Bewertung des Zustandes ist der Apgar-Test. Geprüft werden im Test:
- Wie ist die Atmung des Kindes?
- Wie ist der Puls des Babys?
- Hat es eine gute Muskelspannung?
- Wie sieht die Hautfarbe aus?
- Reagiert das Baby mit Reflexen nach der Geburt?
Der Wert aus dem Test wird dann im Mutterpass eingetragen.
Du wirst dann im Wochenbett und etwa sechs bis acht Wochen nach der Geburt wieder untersucht. Damit schließen sich die Eintragungen im Mutterpass. Auf den letzten Seiten wird dann vermerkt, ob es im Wochenbett Komplikationen gab.
🔍 Was sind das für Abkürzungen bei den Eintragungen zum Ultraschall?
- KU: Kopfumfang – Der Kopfumfang gibt den aktuell gemessenen Wert für dein Baby an. Bedenke, dass hier schon kleine Messfehler zu deutlichen Abweichungen führen können.
- FS: Durchmesser der Fruchtblase – Der Durchmesser und auch die Form der Fruchtblase geben Aufschluss darüber, ob es sich um eine gesunde Schwangerschaft handelt.
- BPD: Kopfdurchmesser von linker zu rechter Schläfe – Die Angaben geben Aufschluss darüber, ob sich die Kopfentwicklung in der Norm befindet.
- SSL: Scheitel-Steiß-Länge – In den ersten 20 Schwangerschaftswochen wird dein Baby vom Scheitel bis zum Steiß gemessen, danach vom Scheitel bis zur Ferse.
- FOD: Durchmesser von der Stirn bis Hinterkopf
- ATD: Bauchdurchmesser – Auch der Bauchdurchmesser kann wichtig sein, um eine mögliche Fehlentwicklung erkennen zu können.
- APD: Durchmesser Bauchnabel zum Rücken
- AU: Bauchumfang
- FL/HL: Länge Oberschenkel und Oberarm
Tipp: Mache dir bei jedem Ultraschall-Termin Notizen zu den Werten oder fotografiere die Seiten im Mutterpass ab. So kannst du die Entwicklung deines Babys später noch einmal in Ruhe nachvollziehen.
✨ Fazit - Mutterpass
Von der Feststellung bis zur Entbindung sind alle wichtigen Informationen im Mutterpass zu finden. Hier werden die Eintragungen nach jeder Ultraschalluntersuchung gemacht. Wie sind die Herztöne und Kindsbewegungen? Es gibt Vermerke zu Untersuchungen der Mutter. Welche Ergebnisse zeigt der Antikörpertest? Liegt eine Anämie vor? Ist der Blutdruck zu hoch. Alle Werte der Laboruntersuchungen werden hier vermerkt. Mit einem Blick sieht der Frauenarzt, wie der Wachstumsverlauf und der Fundusstand von Gebärmutter und Baby sind. Im Krankenhaus kann geschaut werden, ob sich das Baby in der Beckenendlage befindet und eine Spontangeburt problemlos möglich ist oder ein Kaiserschnitt im Raum steht. Die Fachbegriffe sind den Ärzten bekannt, da der Mutterpass genormt ist.
Für den behandelnden Arzt ist es wichtig, dass er immer einen Blick in den Mutterpass werfen kann und sieht, was hier notiert wurde. Dies gilt nicht nur für die fetale Entwicklung, sondern auch für die Krankengeschichte der werdenden Mutter. Führe den Mutterpass daher immer mit dir.
Häufig gestellte Fragen
Bekomme ich bei jeder Schwangerschaft einen neuen Mutterpass?
Nein, du behältst deinen Mutterpass auch für weitere Schwangerschaften. Ab Seite 17 gibt es Wiederholungsseiten, auf denen die Daten für eine zweite oder dritte Schwangerschaft eingetragen werden können.
Was passiert, wenn ich meinen Mutterpass verliere?
Wende dich sofort an deinen Frauenarzt. Er kann dir einen neuen Mutterpass ausstellen und die wichtigsten Daten aus deiner Patientenakte nachtragen. Deshalb ist es sinnvoll, wichtige Seiten zu fotografieren oder zu kopieren.
Muss ich den Mutterpass wirklich immer bei mir tragen?
Ja, das wird dringend empfohlen. Im Notfall können Ärzte und Rettungskräfte so sofort alle wichtigen Informationen über deine Schwangerschaft, Blutgruppe und mögliche Risiken einsehen – das kann im Ernstfall lebensrettend sein.
Was bedeutet es, wenn bei der Kindslage "BEL" steht?
BEL steht für Beckenendlage – dein Baby liegt also mit dem Po oder den Füßen nach unten. Das ist vor allem in den letzten Wochen vor der Geburt wichtig zu wissen, da es die Geburtsplanung beeinflussen kann. Viele Babys drehen sich aber noch von selbst.
Warum wird mein Rhesusfaktor so genau kontrolliert?
Wenn du Rhesus-negativ bist und dein Baby Rhesus-positiv, kann es zu einer Rhesus-Unverträglichkeit kommen. Dein Körper würde dann Antikörper gegen das Baby bilden. Mit einer Prophylaxe-Spritze kann das verhindert werden – deshalb ist die Kontrolle so wichtig.
Darf ich Seiten aus dem Mutterpass kopieren oder fotografieren?
Ja, das ist sogar sinnvoll – besonders die Ultraschallbilder und wichtige Befunde. So hast du eine Sicherheitskopie, falls der Pass verloren geht, und kannst die Entwicklung deines Babys als Erinnerung festhalten.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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