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Schwangerschaftscholestase – Symptome und Behandlung

Nadine Scheiner Von Nadine Scheiner 17.04.2026 Lesezeit 8 Min.
Schwangerschaftscholestase – Symptome und Behandlung

Auf einen Blick

  • Schwangerschaftscholestase ist eine seltene Lebererkrankung im letzten Schwangerschaftsdrittel mit starkem Juckreiz an Händen und Füßen
  • Für die Mutter meist ungefährlich, kann aber für das Baby ernste Folgen haben – engmaschige Kontrollen sind wichtig
  • Nach der Geburt verschwinden die Symptome meist schnell wieder

Ein juckender Babybauch ist in der Schwangerschaft völlig normal – die Haut dehnt sich und braucht viel Pflege. Doch wenn der Juckreiz plötzlich besonders stark an Handflächen und Fußsohlen auftritt und Dich nachts wachhält, solltest Du aufmerksam werden. Dahinter könnte eine Schwangerschaftscholestase stecken, eine Lebererkrankung, die Du unbedingt ärztlich abklären lassen solltest.

🔍 Was ist eine Schwangerschaftscholestase?

Der Begriff Intrahepatische Schwangerschaftscholestase steht für eine schwangerschaftsspezifische Lebererkrankung der Spätschwangerschaft. Dabei stauen sich in dem Organ die Gallensäure und andere Gallenbestandteile. Das beeinträchtigt die Leberfunktion.

Bei einer Cholestase kommen die Stoffwechselabbauprodukte in den Blutkreislauf. Sie werden im Normalfall mit der Gallenflüssigkeit in den Darm transportiert. Das kann auch die Blutgerinnung beeinträchtigen.

Bei 1.000 Schwangeren tritt die Erkrankung etwa ein bis zweimal auf. Das sind etwa 0,4 bis 1 Prozent der Schwangerschaften. Sie ist daher eher selten. Eine Cholestase tritt vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel auf.

Gut zu wissen: Es gibt auch Cholestasen außerhalb der Schwangerschaft. Sie können durch verschiedene Lebererkrankungen wie Virushepatitis, Leberzirrhose oder durch mechanische Ursachen wie Gallensteine ausgelöst werden.

🌸 Welche Symptome treten bei einer Schwangerschaftscholestase auf?

Eine Schwangerschaftscholestase hat einige sehr charakteristische Symptome. Die wichtigsten Anzeichen sind:

  • Juckreiz
  • Gelbsucht
  • Müdigkeit
  • Erbrechen
  • Übelkeit
  • Appetitverlust

Der typische Juckreiz

Der Juckreiz, der im Laufe einer Cholestase auftritt, lokalisiert sich oft vor allem an den Handflächen und den Fußsohlen. Aber er verteilt sich oft auch über den Unterleib und dann den gesamten Körper.

Dabei kommt es nur selten zu einem begleitenden Ausschlag. Erst wenn Du Dich viel kratzt oder an den Hautstellen scheuerst, werden die Veränderungen sichtbar. Dann treten Kratzspuren und gerötete Knötchen auf. Charakteristisch ist, dass das juckende Gefühl erst im letzten Schwangerschaftsdrittel anfängt.

Achtung: Der Juckreiz tritt oft vor allem nachts auf. Die Wärme im Bett verstärkt die Empfindung und es gibt wenig äußere Reize, die eine Ablenkung darstellen können. Der fehlende oder unruhige Schlaf führt oft zu Ermüdung und Erschöpfung am Tag.

Weitere mögliche Symptome

Im Laufe der Erkrankung kann auch eine Gelbsucht auftreten. Diese ist aber seltener. Die Haut verfärbt sich dann gelblich. Das wird auch als Ikterus bezeichnet. Darüber hinaus kann es sein, dass Du Verfärbungen des Urins und des Stuhls wahrnimmst. Der Stuhlgang wird dann heller und der Urin dunkler. Auch eine Gelbfärbung des Augenweiß kann im Extremfall auftreten. Wenn sich eine Gelbsucht entwickelt, kommt es oft auch zu Übelkeit und Erbrechen.

Die Diagnose

Damit Dein Arzt die Diagnose sicherstellen kann, wird er eine Blutuntersuchung durchführen. Dabei werden die Blutwerte der Gallensäuren bestimmt. Dabei grenzt er die Cholestase gegen diese anderen Erkrankungen ab:

  • HELLP-Syndrom
  • Präeklampsie
  • Eklampsie
  • Schwangerschaftsfettleber
  • Gallensteine

Wenn Du nachts von starkem Juckreiz an Händen und Füßen wachgehalten wirst, zögere nicht und sprich sofort mit Deinem Arzt. Lieber einmal zu viel nachfragen als eine Cholestase übersehen.

Nadine Scheiner · Gründerin moms.de, zweifache Mutter

💡 Welche Ursachen hat eine Schwangerschaftscholestase?

Die genauen Ursachen der Cholestase sind noch nicht komplett geklärt. Ärzte gehen davon aus, dass sie zumindest zum Teil erblich bedingt ist. Dazu kommen die hormonellen Veränderungen, die eine Schwangerschaft mit sich bringt.

Die aktuell gültige Erklärung besagt, dass ein Transportprotein eine genetisch bedingte Funktionsminderung aufweist. Dieses Protein ist für die Ausscheidung der Gallensäuren durch die Leberzellen verantwortlich.

In der Schwangerschaft beeinflussen die Hormone den Abtransport der Galle noch zusätzlich. Verantwortlich sind vor allem Östrogene und Gestagene, die in den letzten Monaten der Schwangerschaft noch einmal deutlich ansteigen. Aus diesem Grund tritt die Schwangerschaftscholestase auch vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft auf.

🖤 Welche Folgen kann eine Schwangerschaftscholestase haben?

Für Dich als Mutter

Für die Mutter ist eine Cholestase in der Regel nicht gefährlich. Postpartal, also nach der Geburt, besteht für Dich allerdings ein größeres Risiko von starken Nachblutungen. Das liegt daran, dass die Erkrankung zu einem Vitamin-K-Mangel führt.

Achtung: Bei einer weiteren Schwangerschaft kommt es häufig zu einem erneuten Auftreten der Cholestase. Etwa 70 Prozent der betroffenen Frauen erleben eine Wiederholung der Erkrankung.

Für Dein Baby

Die Gallensäuren können aber in den Blutkreislauf Deines Kindes übertreten. Dann kann das ungeborene Baby Folgen davontragen. In einigen Fällen kommt es zu einer Frühgeburt oder sogar einer Totgeburt.

🏥 Wie wird eine Schwangerschaftscholestase behandelt?

Engmaschige Überwachung

Dein Arzt oder Deine Ärztin wird Dich beim Auftreten einer Schwangerschaftscholestase in jedem Fall engmaschiger überwachen. Auch Dein Kind sollte häufiger untersucht werden. Dazu werden wahrscheinlich weitere Ultraschalluntersuchungen und die Überwachung des Herzschlags (Cardiotokogramm, CTG) durchgeführt.

Symptomlinderung

Die Behandlung umfasst vor allem eine Linderung der akuten Symptome. Hierfür bieten sich vor allem rückfettende Cremes, Salben oder Lotionen an. Produkte mit dem Wirkstoff Polidocanol haben sich als wirksam erwiesen.

Tipp: Medikamente mit dem Wirkstoff Ursodeoxycholsäure (auch Ursodesoxycholsäure, abgekürzt UDCA) können den Spiegel der Gallensäuren im Blut regulieren und damit Dein Baby schützen. Dein Arzt sollte regelmäßig die Laborwerte der Gallensäuren und Leberwerte überprüfen.

Vitamin-K-Gabe

Darüber hinaus wirst Du wahrscheinlich auch Vitamin-K-Präparate erhalten. Sie können die Blutgerinnung bei der Geburt und im Wochenbett verbessern.

Frühere Geburt möglich

In einigen Fällen muss die Geburt früher eingeleitet werden, um das Geschehen in den Griff zu bekommen und das Kind zu schützen. Nach der Entbindung regulieren sich die Werte in den meisten Fällen sehr schnell wieder. Es kann sein, dass Du danach Deine Verhütungsmethoden auf Varianten ohne Hormone umstellen musst. Eine hormonelle Verhütung kann eine erneute Cholestase auslösen.

Häufig gestellte Fragen

Wie gefährlich ist eine Schwangerschaftscholestase?

Eine Cholestase ist für die Mutter normalerweise nicht gefährlich. Für das Kind kann es aber extreme Auswirkungen haben. Die Gallensäure kann aus Deinem Blutkreislauf in den Deines Babys gelangen. Das kann vorzeitige Wehen oder den Tod zur Folge haben.

Ab wann ist eine Schwangerschaftscholestase gefährlich?

Laut Fachleuten ist das Risiko für eine Totgeburt ab einem Gallensäurewert von 100 µmol/l deutlich erhöht.

Wo sitzt der Juckreiz bei einer Schwangerschaftscholestase?

Der Juckreiz, der das Hauptsymptom der Cholestase ist, tritt am ganzen Körper auf. Besonders stark ist er jedoch an den Handflächen und Fußsohlen.

Wann tritt eine Schwangerschaftscholestase auf?

Die Leberkrankheit tritt vor allem im dritten Trimester der Schwangerschaft auf.

Verschwindet die Cholestase nach der Geburt wieder?

Ja, nach der Entbindung regulieren sich die Werte in den meisten Fällen sehr schnell wieder. Die Symptome verschwinden normalerweise vollständig.

Kann ich bei einer Cholestase normal entbinden?

Das hängt von der Schwere der Erkrankung ab. In einigen Fällen muss die Geburt früher eingeleitet werden, um Dein Kind zu schützen. Dein Arzt wird Dich engmaschig überwachen und gemeinsam mit Dir die beste Vorgehensweise besprechen.

Nadine Scheiner

Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.

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