Koordinative Fähigkeiten bei Kindern fördern
Auf einen Blick
- Koordinative Fähigkeiten sollten bereits im Kindergartenalter spielerisch gefördert werden
- Es gibt sieben grundlegende koordinative Fähigkeiten, die zusammenwirken müssen
- Einfache Spiele wie Schattenlauf oder Autoreifenlauf verbessern die Koordination effektiv
Viele Erzieher und Lehrer beobachten, dass Kinder sich im Sportunterricht zunehmend ungeschickt anstellen. Der Grund: Die Förderung der Koordination wurde in den frühen Lebensjahren vernachlässigt. Dabei lassen sich diese wichtigen Fähigkeiten mit einfachen, spielerischen Übungen im Alltag wunderbar trainieren.
🔍 Was versteht man unter Koordination?
Der Begriff „Koordination" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Ordnung bzw. Zuordnung. Im Alltag verstehen wir darunter Vorgänge, die ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren erfordern. Bei Bewegungsabläufen definiert sich Koordination aus dem Zusammenwirken verschiedener Muskeln und des zentralen Nervensystems.
Dabei unterscheiden Experten zwischen zwei Arten:
- Intermuskuläre Koordination: Das Zusammenwirken mehrerer Muskeln
- Intramuskuläre Koordination: Das Zusammenwirken eines Muskels mit seinen Nerven
Eine gute Koordination bringt den Bewegungsfluss mit dem Rhythmus, dem Tempo und der Präzision der Bewegung in Einklang. Sie steht für kontrollierte Bewegungsabläufe, die bereits im Kindesalter erlernt werden sollten.
Gut zu wissen: Koordination klingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach: Es geht darum, dass Dein Kind lernt, seine Bewegungen kontrolliert und flüssig auszuführen.
💪 Welche koordinativen Fähigkeiten gibt es?
Zu den koordinativen Fähigkeiten zählen sportmotorische Fähigkeiten sowie auch konditionelle wie Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Teilweise sind diese Fähigkeiten anlagebedingt und teilweise entwicklungsbedingt.
Während konditionelle Fähigkeiten meist erst im frühen Erwachsenenalter verbessert werden, sollte die koordinative Entwicklung bereits im Kindergartenalter gefördert werden. Leistungsstreben, Wahrnehmungsfähigkeit, Beobachtungsfähigkeit und Können beginnen sich im späten Kindesalter weiterzuentwickeln.
Achtung: Werden koordinative Fähigkeiten nicht frühzeitig gefördert, können sie später nur bedingt bzw. schwer erlernt werden. Eine frühe Schulung ist daher besonders wichtig.
Die Einteilung der koordinativen Fähigkeiten erfolgt in sieben Fähigkeiten, die in ihrem Zusammenspiel für das notwendige Zusammenspiel aller Sinne, des zentralen Nervensystems, der Skelettmuskulatur und des peripheren Nervensystems sorgen.
Die grundlegenden koordinativen Fähigkeiten, mit denen Du Dich beschäftigen solltest, sind:
- Differenzierungsfähigkeit
- Reaktionsfähigkeit
- Kopplungsfähigkeit
- Orientierungsfähigkeit
- Gleichgewichtsfähigkeit
- Umstellungsfähigkeit
- Rhythmusfähigkeit
✨ Die sieben koordinativen Fähigkeiten im Detail
Reaktionsfähigkeit
Die Fähigkeit auf Reize aus der Umwelt möglichst zielgerichtet und schnell zu reagieren, wird als Reaktionsfähigkeit definiert. Dem jeweiligen Reiz oder Signal folgt in der Regel ein festgelegter Bewegungsablauf oder es wird unter verschiedenen Handlungsalternativen ausgewählt.
Meist reagieren Kinder instinktiv auf bestimmte Reize. Die Reaktionsfähigkeit ist allerdings nur in beschränktem Maße trainierbar.
Umstellungsfähigkeit
Die Umstellungsfähigkeit stellt die Fähigkeit dar, sich auf eine plötzliche Veränderung der Situation einzustellen und seine Handlungen zweckmäßig anzupassen. Dabei muss sowohl mit zu erwartenden als auch mit unerwarteten Veränderungen umgegangen werden können.
Die Umstellungsfähigkeit steht in Abhängigkeit mit der Bewegungserfahrung, der Reaktionsschnelligkeit und dem Vermögen, eine veränderte Situation zu erkennen. Nur Kinder, die bereits über ein ausreichendes Bewegungsrepertoire verfügen, können zweckmäßig auf eine veränderte Situation reagieren.
Orientierungsfähigkeit
Die Fähigkeit, die Stellung des eigenen Körpers im Raum zu bestimmen und zielgerichtet zu verändern, wird als Orientierungsfähigkeit bezeichnet. Für die Orientierung werden visuelle, akustische, taktile und kinästhetische Faktoren analysiert und in eine Reaktion umgewandelt.
Abhängig ist die Orientierungsfähigkeit von bereits gemachten Erfahrungen. So finden sich Menschen beispielsweise auch bei völliger Dunkelheit in der eigenen Wohnung besser zurecht als in einer fremden Umgebung.
Ich beobachte bei meinen beiden Kindern immer wieder, wie wichtig Bewegungserfahrungen sind. Je mehr sie ausprobieren durften, desto sicherer wurden sie in ihren Bewegungen.
Differenzierungsfähigkeit
Für die Feinabstimmung von Bewegungsabläufen ist es notwendig, dass Informationen gesammelt und verarbeitet werden. Die Differenzierungsfähigkeit nimmt bei der Sammlung von Informationen und deren Verarbeitung einen entsprechend hohen Stellenwert ein.
Insbesondere die Fähigkeit, die Bewegungen von Körperteilen unbewusst zu kontrollieren und zu steuern, spielt eine bedeutende Rolle. Bei der Differenzierungsfähigkeit wird unterschieden zwischen der Informationsaufnahme und den Möglichkeiten der Informationsverarbeitung.
Kopplungsfähigkeit
Einen Hauptbestandteil der koordinativen Fähigkeiten stellt die Kopplungsfähigkeit dar, welche durch die Koordination von Teilen des Körpers gekennzeichnet wird. Die Impulse können teilweise sukzessiv oder simultan koordiniert werden, um Bewegungsfluss, -rhythmus, -tempo und -präzision gewährleisten zu können.
Die einzelnen Körperteile müssen räumlich, zeitlich und kräftemäßig aufeinander abgestimmt agieren. Die Kopplungsfähigkeit ist eng an biomechanische Prozesse gebunden.
Gleichgewichtsfähigkeit
Das Gleichgewicht des menschlichen Körpers wird reflektorisch gesteuert, was dem Menschen ermöglicht, sein Gleichgewicht willkürlich zu kontrollieren. Es wird zwischen einem stabilen und einem dynamischen Gleichgewicht unterschieden.
Wenn ein Körper in einer bestimmten Position, wie beispielsweise einem Handstand, verharren soll, handelt es sich um ein stabiles Gleichgewicht. Befindet sich der Körper hingegen in Bewegung, handelt es sich um ein dynamisches Gleichgewicht.
Rhythmisierungsfähigkeit
Einen vorgegebenen Rhythmus zu erkennen, wahrzunehmen und die eigenen Handlungen und Bewegungen diesem Rhythmus anzupassen, macht die Rhythmisierungsfähigkeit aus. Dabei kann es sich um eine Melodie, die Bewegungen einer anderen Person oder den Bewegungen eines Gegenstandes handeln.
Gleichzeitig muss die eigene Bewegung an sich verändernde Bedingungen der Umwelt und des Rhythmuses stetig angepasst werden.
🎯 Praktische Übungen für zu Hause
Häufig finden für Kinder in den Schulen Übungen zur Schulung koordinativer Fähigkeiten statt. Insbesondere im Sportunterricht wird mit Spielen wie Kettenfangen, Bänderfangen und Schattenlauf die Reaktionsfähigkeit von Kindern gefördert. Doch solche Spiele lassen sich natürlich auch im privaten Umfeld gut einsetzen, um die Koordination Deines Kindes zu verbessern.
Tipp: Du brauchst keine teure Ausrüstung. Viele effektive Koordinationsübungen funktionieren mit Alltagsgegenständen wie Reifen, Dosen oder einfach nur mit Deiner Begleitung.
Schattenlauf
Insbesondere beim Schattenlauf, bei dem ein Kind vorweg läuft und ein zweites Kind versucht alle Bewegungen nachzuahmen, wird die Reaktionsfähigkeit gefordert. Der Verfolger muss genauestens beobachten, was der Vordermann macht und entsprechend blitzschnell reagieren, um die Bewegungen nachzuahmen.
Autoreifenlauf
Eine gute Übung, um Deinem Kind bestimmte Bewegungsrhythmen näher zu bringen, stellt der Lauf durch Autoreifen, Ringe auf dem Boden oder Obstkisten dar. Die Gegenstände werden so auf dem Boden platziert, dass mit zunehmender Länge der Strecke unterschiedliche Abstände entstehen.
Mal nähern sich die Reifen an, mal sind sie weiter voneinander entfernt. Beim Lauf ergibt sich so automatisch die Situation, dass Dein Kind seinen Laufrhythmus ändern muss.
Dartspiel oder Dosenwerfen
Für die kinästhetische Differenzierungsfähigkeit stellen das Werfen auf kleine Ziele wie Dosen oder das Werfen auf eine Dartscheibe gute Übungen dar. Hierbei sind genaues Zielen und die Abstimmung der Bewegungsabläufe auf den Wurf ausschlaggebend.
Rolle vorwärts und rückwärts
Die altbekannte sportliche Übung der Körperrolle ist eine gute Schulung für die Orientierungsfähigkeit. Da der Körper kurzzeitig über den Kopf bewegt wird, ist das Kind kurzzeitig auch nicht perfekt orientiert. Aus der Bewegung heraus muss sich Dein Kind daher schnell wieder neu orientieren und lernt so, sich auf die veränderte Situation einzustellen.
Gut zu wissen: In vielen alltäglichen Situationen erfährt Dein Kind von ganz allein, welche Aktionen und Reaktionen notwendig sind, um automatisch auf ein Ereignis zu reagieren. Es sind nur wenige spielerische Übungen notwendig, um die Entwicklung zu unterstützen.
Häufig gestellte Fragen
Ab welchem Alter sollte ich mit der Förderung koordinativer Fähigkeiten beginnen?
Bereits im Kindergartenalter solltest Du mit der spielerischen Schulung der koordinativen Fähigkeiten beginnen. Je früher Dein Kind diese Grundlagen erlernt, desto besser entwickeln sich seine motorischen Fähigkeiten.
Wie oft sollte ich mit meinem Kind Koordinationsübungen machen?
Koordinationsübungen lassen sich wunderbar in den Alltag integrieren. Schon 10-15 Minuten spielerisches Training mehrmals pro Woche können einen großen Unterschied machen. Wichtig ist, dass es Spaß macht und nicht als Pflicht empfunden wird.
Was kann ich tun, wenn mein Kind sehr ungeschickt wirkt?
Geduld ist hier das Wichtigste. Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Mit regelmäßigen, spielerischen Übungen kannst Du die Koordination Deines Kindes sanft fördern. Bei anhaltenden Schwierigkeiten kann auch ein Kinderarzt oder Physiotherapeut weiterhelfen.
Können alle sieben koordinativen Fähigkeiten gleichzeitig trainiert werden?
Ja, viele Übungen und Spiele trainieren automatisch mehrere koordinative Fähigkeiten gleichzeitig. Beim Schattenlauf beispielsweise werden Reaktions-, Orientierungs- und Kopplungsfähigkeit gemeinsam geschult.
Brauche ich spezielle Ausrüstung für Koordinationsübungen?
Nein, die meisten effektiven Koordinationsübungen funktionieren mit einfachen Alltagsgegenständen oder ganz ohne Material. Autoreifen, Dosen, Bälle oder einfach nur Deine Begleitung beim Schattenlauf reichen völlig aus.
Ist es zu spät, wenn mein Schulkind noch Koordinationsprobleme hat?
Nein, es ist nie zu spät! Auch wenn die frühe Förderung ideal ist, können koordinative Fähigkeiten auch im Schulalter noch verbessert werden. Es erfordert möglicherweise etwas mehr Geduld und Übung, aber mit regelmäßigem Training sind deutliche Fortschritte möglich.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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