Der Inkubator – Brutkasten für euer Baby
Auf einen Blick
- Ein Inkubator ist eine geschlossene, transparente Kammer, die Frühchen und untergewichtige Babys mit optimaler Temperatur, Sauerstoff und Luftfeuchtigkeit versorgt
- Moderne Inkubatoren überwachen in Echtzeit Herzfrequenz, Temperatur, Gewicht und Gehirnaktivität deines Babys
- Ein Baby im Inkubator bedeutet nicht automatisch Gefahr – oft dient die Zeit der sanften Anpassung an die Welt außerhalb des Mutterleibs
Dein Baby liegt im Inkubator und du machst dir Sorgen? Das ist völlig verständlich. Doch ein Inkubator ist in den meisten Fällen einfach eine sichere Umgebung, die deinem Neugeborenen Zeit gibt, sich zu entwickeln und an die Welt zu gewöhnen. Lass uns gemeinsam schauen, was genau ein Inkubator leistet und warum er für viele Babys ein wichtiger Begleiter in den ersten Lebenstagen ist.
🔍 Was ist ein Inkubator genau?
Beim Inkubator handelt es sich um eine geschlossene Kammer, die eine Umgebung schaffen soll, die die Entwicklung der Frühchen oder „normal" Neugeborenen förderlich sein soll. Die Kammer besteht aus transparentem Außenmaterial, hat Lufteinlässe und Fenster und ist gepolstert, um dem Baby eine geeignete Unterlage zu ermöglichen.
Darüber hinaus sind Kontrollsysteme integriert, die es ermöglichen, in Echtzeit Gewicht, Herzfrequenz, Temperatur und Gehirnfrequenz des Kindes zu kontrollieren. Das bedeutet, alle körperlichen Aktivitäten können Minute für Minute überprüft werden.
Eingesetzt wird der Inkubator, wenn ein untergewichtiges Frühchen oder anderweitig unterentwickeltes Baby Unterstützung benötigt, um den Entwicklungsprozess abzuschließen. Der Inkubator bietet dem frisch geborenen Kind in diesem Fall eine geeignete und sichere Umgebung.
Gut zu wissen: Wahrscheinlich jeder hat in seinem Leben bereits einen Inkubator gesehen. In Ländern wie Deutschland wird er eher für die optimale Entwicklung eingesetzt, in vielen anderen Ländern hat der Inkubator die Zahl der Sterblichkeit stark verringert – ein wahres Wunder der Medizin.
⚙️ Inkubatoren – Die integrierten Funktionen
Um die Entwicklung eines Babys optimal zu unterstützen, muss ein Inkubator bestimmte Funktionen mitbringen. Verschiedene integrierte Sensoren und automatische Kontrollsysteme versorgen das Baby mit Sauerstoff, Wärme und der richtigen „Raumluft".
Temperatursteuerung
Die Temperatursteuerung wird automatisch gesteuert, indem dem Baby ein Sensor auf die Haut geklebt wird, der die Temperatur des Babys misst. Ist die Temperatur zu niedrig, gibt das Gerät Wärme ab, ist die Temperatur des Babys zu hoch, wird der Inkubator automatisch etwas runtergekühlt.
Isolierung
Eine der wichtigsten Eigenschaften ist die Kontrolle der eindringenden Luft, sodass das Baby während der Entwicklungsphase so wenig wie möglich mit Keimen und Allergenen in Kontakt kommt. Besonders wichtig ist diese Funktion bei Frühchen, da das Immunsystem oft noch nicht aktiv ist.
Feuchtigkeitssensoren
Ebenso wie die Temperatur wird die Feuchtigkeit im Inneren des Inkubators gemessen. Die richtige Luftfeuchtigkeit ist sehr wichtig, denn zu trockene Luft kann zur Austrocknung führen, zu feuchte Luft hingegen zu Ansammlung von Feuchtigkeit im Inkubator und schlimmsten Falls in der Lunge des Babys.
Sauerstoffquelle
Um Atemwegserkrankungen vorzubeugen und das Kind mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen, wird der Sauerstoff im Inkubator stetig kontrolliert und besonders hochgehalten. Denn Sauerstoff ist extrem wichtig für die optimale Versorgung und Entwicklung des Babys.
Unterstützte Atmung
Handelt es sich um Frühchen oder normal geborene Babys, die Probleme mit der Atmung haben, können diese beatmet werden. Dafür wird eine Art Pumpe angeschlossen und der Atmungsprozess mechanisch unterstützt.
UV-Strahlung
Das ultraviolette Licht aus dem Inkubator wird in geringen Maßen abgegeben, es dient der Aktivierung des körpereigenen Vitamin D und dem Entgegenwirken von Gelbsucht.
Gut zu wissen: Außerdem wird der Herzschlag der Säuglinge kontrolliert, es kann schnell eine Blut- oder Urinprobe genommen werden, sollte der Verdacht von Komplikationen wie einer Infektion bestehen und der Säugling ist unter ständiger Beobachtung und Betreuung.
📅 Wann kommt ein Inkubator zum Einsatz?
Ob und wann ein frisch geborenes Kind in einen Inkubator gelegt wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Frühchen werden fast immer in einen Inkubator gelegt, um zumindest die ersten 2 bis 3 Tage die Körperfunktionen zu überwachen. Der Inkubator ermöglicht es zudem, geschwächte Neugeborene von den „Bedrohungen" der Umwelt zu isolieren, die bei geschwächten Babys oft Komplikationen verursachen können.
Frühgeburt
Wie bereits erwähnt, führt eine Frühgeburt fast immer dazu, dass ein Baby erst einmal im Inkubator beobachtet wird, um die Körper-Funktionen zu überwachen. Hat das Baby vor der Geburt nicht die 37. Schwangerschaftswoche erreicht, gilt es als Frühchen. Die Entwicklung ist noch nicht voll abgeschlossen und das Immunsystem nicht voll ausgebildet, um Entwicklungsstörungen und Komplikationen zu vermeiden, wird das Baby in einen Inkubator gelegt, bis es selbst kräftig genug ist.
Niedriges Geburtsgewicht
Ein weiterer Grund ist ein niedriges Geburtsgewicht. Babys mit niedrigem Geburtsgewicht sind solche, die bei der Geburt weniger als 2,5 kg wiegen. Ob Frühgeburt oder „normal" geborenen Kind, der Inkubator kontrolliert alle körpereigenen Funktionen und versorgt das Baby bis es ausreichend Gewicht hat.
Temperaturregulation und Immunsystem
Auch Babys, die Schwierigkeiten haben, ihre Temperatur zu halten, werden in einen Inkubator gelegt, denn dieser ist mit Temperatursensoren ausgestattet, um die Körpertemperatur des Babys zu regeln. Ebenso führt eine Schwäche des Immunsystems dazu, dass Ärzte und Hebammen entscheiden, das Kind erst einmal im Inkubator zu beobachten.
Weitere Gründe
- Knochenbrüchigkeit oder Muskelschwäche
- Mangelnde Reifung der Lunge
- Neurosensorisches Entwicklungsdefizit
- Fehlen des Saugreflexes, der die Nahrungsaufnahme von selbst verhindert
Als Mutter von zwei Kindern weiß ich: Ein Inkubator kann beängstigend wirken. Doch er ist ein Schutzraum, der deinem Baby genau die Zeit gibt, die es braucht – und das medizinische Team hat alles im Blick.
💪 Was tun, wenn euer Baby im Inkubator liegt?
Zuallererst sollten Eltern bedenken, dass ein Baby im Inkubator sehr gut versorgt ist. Die Kontrolle ist konstant und Ihre Bedürfnisse werden vollständig abgedeckt, um Probleme und Komplikationen zu vermeiden und das Baby bei der Weiterentwicklung zu unterstützen.
Darüber hinaus bedeutet die Tatsache, dass euer Baby in einem Inkubator liegt, nicht unbedingt, dass seine oder ihre Gesundheit gefährdet ist. Die Zeit im Inkubator wird oft auch als Zeit der „Anpassung an die Welt" verwendet, sodass sich der Säugling nach der langen Zeit im Mutterleib langsam an die Welt „da draußen" gewöhnen kann. Die medizinische oder intensivmedizinische Überwachung und Betreuung im Krankenhaus und die sofortige Behandlung des Säuglings sollte es Komplikationen geben wirkt sich schlussendlich positiv auf euer Kind aus.
Tipp: Wenn ihr bei eurem Baby seid, sprecht mit ihm, sodass es eure Stimme hört und weiß, das es sicher ist und Schutz hat. Eure vertraute Stimme gibt ihm Geborgenheit.
Ob ihr euer Baby stillen dürft oder es statt Muttermilch mit einer anderen geeigneten Nahrung versorgt wird, ist vom Alter und dem Gesundheitszustand abhängig.
Achtung: Habt Verständnis, wenn ihr nicht die ganze Zeit bei eurem Baby sein könnt. Oft ist die Station in Bezug auf die Besuchszeit sehr eingeschränkt und es wird sich seitens des Krankenhauses strikt an die Regelungen gehalten, um jedes einzelne Kind zu schützen. Bleibt daher ruhig und geduldig.
Im Normalfall könnt ihr recht schnell euer Baby mit nach Hause nehmen und ein ganz normales Leben führen.
✨ Fazit: Ein Inkubator bedeutet nicht automatisch Schlechtes
Wenn eure Hebamme oder euer Arzt euch dazu rät, dass euer Baby erst einmal einige Tage im Inkubator verbringen sollte, bedeutet dies nicht automatisch, dass seine Gesundheit gefährdet ist. Möglicherweise benötigt euer Neugeborenes einfach etwas mehr Zeit, um sich an die Außenwelt zu gewöhnen, gebt ihm die Zeit und freut euch auf eine aktive und vor allem gesunde Zukunft.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange muss mein Baby im Inkubator bleiben?
Das hängt vom Gesundheitszustand und der Entwicklung deines Babys ab. Frühchen bleiben oft mindestens 2 bis 3 Tage zur Überwachung im Inkubator, manchmal auch mehrere Wochen, bis sie kräftig genug sind und alle Körperfunktionen stabil laufen.
Kann ich mein Baby im Inkubator berühren und halten?
Ja, in vielen Fällen ist Hautkontakt möglich und sogar erwünscht. Das medizinische Personal wird dich anleiten, wie du dein Baby sicher berühren oder im Rahmen der „Känguru-Methode" auf deiner Brust halten kannst. Das stärkt die Bindung und unterstützt die Entwicklung.
Bedeutet ein Inkubator, dass mein Baby in Lebensgefahr ist?
Nein, nicht automatisch. Viele Babys liegen im Inkubator zur Beobachtung und sanften Anpassung an die Außenwelt. Der Inkubator schützt und unterstützt die Entwicklung – er ist eine Vorsichtsmaßnahme und oft reine Routine bei Frühchen oder untergewichtigen Babys.
Kann ich mein Baby im Inkubator stillen?
Das hängt vom Alter und Gesundheitszustand deines Babys ab. Manche Babys können gestillt werden, andere erhalten zunächst abgepumpte Muttermilch über eine Sonde oder spezielle Nahrung. Das Krankenhauspersonal wird dich individuell beraten.
Warum sind die Besuchszeiten auf der Inkubator-Station so eingeschränkt?
Die strengen Besuchsregelungen dienen dem Schutz aller Babys auf der Station. Frühchen und geschwächte Neugeborene haben ein noch nicht voll ausgebildetes Immunsystem und müssen vor Keimen und Infektionen geschützt werden. Die Regelungen mögen hart wirken, sind aber im Interesse deines Kindes.
Ab welchem Gewicht darf mein Baby den Inkubator verlassen?
Es gibt keine feste Gewichtsgrenze. Entscheidend ist, dass dein Baby seine Körpertemperatur selbst halten kann, ausreichend trinkt und zunimmt, stabil atmet und alle wichtigen Körperfunktionen ohne Unterstützung laufen. Das medizinische Team entscheidet individuell, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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