Wunschkaiserschnitt – ist das möglich?
Auf einen Blick
- Ein Wunschkaiserschnitt ist in Deutschland ohne medizinische Indikation möglich – Du entscheidest selbst über Deinen Geburtsweg
- Rund 25 % der Schwangeren wählen einen geplanten Kaiserschnitt, oft aus Angst vor Komplikationen oder aufgrund körperlicher Gründe
- Wichtig ist eine umfassende Beratung mit Gynäkologe und Hebamme, um alle Vor- und Nachteile abzuwägen
Die Entscheidung für oder gegen einen Kaiserschnitt ist sehr persönlich und kann viele Gründe haben. Vielleicht hast Du Angst vor einer natürlichen Geburt, hattest bereits schwierige Geburtserfahrungen oder es gibt körperliche Gründe, die einen Kaiserschnitt sinnvoll machen. Die gute Nachricht: Du darfst selbst entscheiden, wie Dein Baby zur Welt kommt – auch ohne medizinische Notwendigkeit.
🌸 Was ist ein Wunschkaiserschnitt?
Der Wunschkaiserschnitt wird auch als geplanter Kaiserschnitt bezeichnet. Er beschreibt einen Kaiserschnitt, den Du als werdende Mutter in Absprache mit den Ärzten gerne in Anspruch nehmen möchtest, ohne eine natürliche Geburt vorher anzustreben. Lange Zeit wurde der Kaiserschnitt vor allem als Not-Variante gesehen, wenn es keine weitere Chance gibt, Mutter und Kind zu helfen. Inzwischen darfst Du Dich aber auch ohne Indikation für diese Form der Geburt entscheiden.
💪 Für wen ist ein Wunschkaiserschnitt geeignet?
Grundsätzlich ist ein Wunschkaiserschnitt für alle Frauen geeignet, die ihn gerne in Anspruch nehmen möchten. Die selbstbestimmte Geburt bezieht sich nicht nur auf die Möglichkeit, bei einer natürlichen Geburt selbst festzulegen, in welcher Position oder auch mit welchen Hilfsmitteln entbunden werden soll. Es gibt auch das Recht zur Selbstbestimmung in Hinblick auf die natürliche Geburt oder auf einen Kaiserschnitt.
Psychische Gründe für einen Wunschkaiserschnitt
Die Beweggründe, warum sich eine Frau für diese Form der Geburt entscheidet, sind ganz unterschiedlich. Rund 25 % der Schwangeren wählen diesen Weg. Dabei ist einer der wichtigsten Beweggründe die Sorge, dass etwas passieren kann. Komplikationen bei einer natürlichen Geburt sind natürlich vorhanden. Es gibt Frauen, denen diese Komplikationen jedoch besonders viel Sorge bereiten.
Nicht selten kommt es zu einer Panikattacke oder einer Angststörung. Dieser kann dann entgegengewirkt werden, wenn Du bewusst die Entscheidung für einen Kaiserschnitt triffst.
Tipp: Sei im Gespräch mit Deinem Frauenarzt oder Deiner Frauenärztin und auch mit der Hebamme offen und ehrlich. Gib Deinen Sorgen einen Namen. Es gibt viele verschiedene Wege, wie beispielsweise die natürliche Geburt mit dem Kaiserschnitt als Back-up.
Einige Frauen haben bereits bei vorherigen Geburten schlechte Erfahrungen gemacht oder hatten schon eine oder mehrere Fehlgeburten. Ein Wunschkaiserschnitt gibt ein Gefühl der Sicherheit und es kann ohne Sorge auf die Geburt geschaut werden.
Körperliche Gründe für einen Wunschkaiserschnitt
Doch nicht nur die psychischen Aspekte werden bei einem Wunschkaiserschnitt beachtet. Ebenfalls wichtig ist der Blick auf die körperlichen Grundlagen. Nicht für jede Frau ist eine vaginale Geburt auch die optimale Ausgangslage. So kann es sein, dass Du möglicherweise Probleme mit dem Herzen oder dem Kreislauf hast oder unter einer Erkrankung leidest, bei der Stress und Adrenalin gefährlich werden können. In dem Fall ist ein Wunschkaiserschnitt die bessere Wahl. Hier beginnt von Anfang an die Überwachung Deines Körpers und dessen Reaktionen.
Möglicherweise hattest Du aber auch schon mehrere Kaiserschnitte. Auch in dem Fall kannst Du Dich zu einem weiteren Wunschkaiserschnitt beraten lassen. Eine natürliche Geburt kann zwar ebenfalls möglich sein, ist teilweise aber mit höheren Risiken in diesem Fall verbunden. Wichtig ist eine umfassende Beratung.
✨ Welche Vorteile bringt ein Kaiserschnitt mit sich?
Um eine Entscheidung für Dich treffen zu können, ist es wichtig, alle Vor- und Nachteile zu kennen und abwägen zu können. Die generellen Vorteile, die ein Kaiserschnitt mit sich bringt, sind:
- Der Geburtstermin kann gut geplant werden, sodass auch Dein Partner an Deiner Seite sein kann
- Es gibt unter der Geburt keinen Schmerz und auch keine Wehen
- Die Gefahr von Verletzungen des Kindes an den Armen oder den Schultern ist sehr gering
- Sauerstoffmangel unter der Geburt kann nicht entstehen
- Du musst Dir keine Gedanken machen über mögliche Geburtsverletzungen
- Für Angstpatientinnen kann der Kaiserschnitt eine sinnvolle Lösung sein
Die Entscheidung für einen Wunschkaiserschnitt ist sehr persönlich. Wichtig ist, dass Du Dich damit wohlfühlst und gut beraten fühlst – egal, welchen Weg Du wählst.
⚠️ Welche Nachteile bringt ein Kaiserschnitt mit sich?
Neben den genannten Vorteilen gibt es bei einem Kaiserschnitt natürlich auch Nachteile, die Du ebenfalls kennen solltest. Diese sind:
- Ein Kaiserschnitt bringt immer Operationsrisiken mit sich, wie Embolien, Probleme mit der Wundheilung oder Infektionen
- Es bestehen Risiken im Rahmen der Narkose
- Nach der Entbindung können Narben- und Wundschmerzen entstehen
- Nach der Entbindung bist Du körperlich deutlich eingeschränkter, auch in Bezug auf die Versorgung Deines Babys
- Nach einem Kaiserschnitt kann es bei weiteren Schwangerschaften und Geburten zu Komplikationen kommen – dazu gehören Risse der Narbe in der Gebärmutter oder auch eine Uterusruptur
- Dein Baby kann Anpassungsschwierigkeiten haben
Achtung: Ein Kaiserschnitt ist eine Operation mit allen damit verbundenen Risiken. Nach der Geburt brauchst Du mehr Zeit zur Erholung und Unterstützung bei der Versorgung Deines Babys.
🏥 Wie ist die medizinische Empfehlung zum Wunschkaiserschnitt?
Es ist ganz natürlich, dass Du möglicherweise Bedenken hast, Dich für oder auch gegen einen Wunschkaiserschnitt zu entscheiden. Daher ist es wichtig, auch die medizinischen Meinungen und Empfehlungen dabei zu berücksichtigen. Bei einer Beratung ist es wichtig, dass Du Dich gut aufgehoben fühlst und der Gynäkologe für einen objektiven Einblick sorgt.
Du wirst erst einmal gefragt, warum Du gerne einen Wunschkaiserschnitt möchtest. Hier solltest Du alle Deine Sorgen und Gedanken anbringen. Die Meinung des Arztes oder der Ärztin zu einem Wunschkaiserschnitt steht dabei im Hintergrund. Wenn es keine medizinischen Gründe gibt, die dagegen sprechen, wird Deinem Wunsch normalerweise entsprochen.
Arzt oder Hebamme merken aber auch, wenn Du noch unsicher bist. Es ist ihre Aufgabe zu schauen, wo Du abgeholt werden kannst. Oft lassen sich die Sorgen auch auflösen oder Unsicherheiten ausräumen. Aber auch eine Bestätigung Deiner Sorgen kann natürlich notwendig sein.
Gut zu wissen: Wenn Du nach einem Gespräch mit einem medizinischen Experten noch immer unsicher bist, solltest Du unbedingt auch mit der Hebamme sprechen. Hol Deinen Partner mit ins Boot – auch für ihn ist ein Wunschkaiserschnitt ein wichtiges Thema.
So kann es sein, dass Du nach der Geburt möglicherweise noch starke Wundschmerzen hast und Dich nicht so um Dein Baby kümmern kannst, wie Du gerne möchtest. Hier brauchst Du Unterstützung.
🖤 Ist ein Kaiserschnitt keine richtige Geburt?
Möglicherweise bist Du Dir in Bezug auf den Kaiserschnitt eigentlich sicher, dennoch weißt Du nicht, ob es die richtige Entscheidung ist. Das hängt nicht selten mit der Meinung zusammen, die noch immer über einen Kaiserschnitt vorherrscht. Als Notlösung für einen nicht geplanten Geburtsverlauf wird er akzeptiert. Es gibt aber auch immer wieder Stimmen, die darüber sprechen, dass für sie ein Kaiserschnitt keine richtige Geburt ist oder ein Baby, das so auf die Welt kommt, immer Anpassungsschwierigkeiten hat.
Hier ist es wichtig, mit diesen Vorurteilen aufzuräumen. Jede Frau, die ein Baby bekommt, hat auch ein Baby geboren und dabei ist es egal, um welchen Weg es sich handelt. Ein Kaiserschnitt ist nicht der leichtere Weg, auch wenn es auf den ersten Blick so scheint.
Bonding nach dem Kaiserschnitt
Für Dein Baby kann er zu Anpassungsschwierigkeiten führen. Inzwischen wird bei einem Kaiserschnitt aber schon sehr sanft vorgegangen. So gibt es das Bonding auch nach diesem Eingriff. Je nach Krankenhaus bekommst Du Dein Baby schon im OP auf den Bauch, während Du genäht wirst. Aber auch im Kreißsaal später hast Du noch viel Zeit, um euch kennenzulernen, zu stillen und zu kuscheln.
Sprich bei den Hebammen an, dass Du das Bonding gerne nackt durchführen und dabei sein möchtest, wenn Dein Baby gewogen und gemessen wird. Diesem Wunsch wird normalerweise eigentlich entsprochen. Wichtig ist nur, dass Du offen und ehrlich alle Deine Wünsche äußerst.
💭 Fazit: Ein Kaiserschnitt auf Wunsch ist natürlich möglich
Selbstverständlich kannst Du mit den Ärzten und auch mit der Hebamme über einen Wunschkaiserschnitt sprechen. Du hast die Möglichkeit, auch schon früh in der Schwangerschaft diese Gedanken zu äußern und Dich so über die Vor- und Nachteile zu informieren. Dabei ist es der wichtigste Aspekt, dass Du Dich gut beraten fühlst. Sorgen und Nöte, Ängste aber auch Vorstellungen sollten klar definiert werden.
Nimm Dir auch die Zeit und sprich mit Deinem Partner. Er möchte verstehen, was Deine Beweggründe sind und Dich auf diesem Weg ebenfalls unterstützen. Auch die Option, eine natürliche Geburt zu probieren und dann auf Deinen Wunsch dennoch einen Kaiserschnitt zu bekommen, gibt es in den meisten Krankenhäusern. Umso wichtiger ist es, alle Seiten zu beleuchten.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich einen Kaiserschnitt auch ohne medizinische Gründe bekommen?
Ja, in Deutschland hast Du das Recht auf Selbstbestimmung bei der Geburt. Wenn es keine medizinischen Gründe gibt, die gegen einen Kaiserschnitt sprechen, wird Deinem Wunsch normalerweise entsprochen. Wichtig ist eine ausführliche Beratung mit Deinem Gynäkologen und der Hebamme.
Wie viele Frauen entscheiden sich für einen Wunschkaiserschnitt?
Rund 25 % der Schwangeren wählen einen geplanten Kaiserschnitt. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich – von Angst vor Komplikationen über schlechte Geburtserfahrungen bis hin zu körperlichen Gründen.
Ist das Bonding nach einem Kaiserschnitt auch möglich?
Ja, absolut! Inzwischen wird bei einem Kaiserschnitt sehr sanft vorgegangen. Je nach Krankenhaus bekommst Du Dein Baby schon im OP auf den Bauch. Sprich Deine Wünsche bezüglich Bonding, Hautkontakt und ersten Stillens offen an – normalerweise wird darauf eingegangen.
Kann ich nach einem Kaiserschnitt noch weitere Kinder bekommen?
Ja, weitere Schwangerschaften sind nach einem Kaiserschnitt möglich. Allerdings kann es bei weiteren Geburten zu Komplikationen kommen, wie Risse der Narbe in der Gebärmutter. Lass Dich dazu ausführlich von Deinem Arzt beraten, besonders wenn Du bereits mehrere Kaiserschnitte hattest.
Wie lange dauert die Erholung nach einem Kaiserschnitt?
Nach einem Kaiserschnitt bist Du körperlich deutlich eingeschränkter als nach einer natürlichen Geburt. Du wirst Narben- und Wundschmerzen haben und brauchst mehr Unterstützung bei der Versorgung Deines Babys. Plane ausreichend Hilfe ein, besonders in den ersten Wochen.
Was ist, wenn ich mir unsicher bin, ob ein Kaiserschnitt das Richtige für mich ist?
Nimm Dir Zeit für die Entscheidung und sprich ausführlich mit Deinem Gynäkologen, der Hebamme und Deinem Partner. Es gibt auch die Möglichkeit, eine natürliche Geburt zu versuchen und bei Bedarf auf einen Kaiserschnitt umzusteigen. Wichtig ist, dass Du Dich mit Deiner Entscheidung wohlfühlst.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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