Vegane Ernährung für mein Baby? Ja oder Nein
Auf einen Blick
- Vegane Babyernährung ist möglich, erfordert aber sorgfältige Planung und Nährstoffkontrolle
- Vitamin B12 muss zwingend supplementiert werden, da es nur in tierischen Produkten vorkommt
- Hülsenfrüchte, angereicherte Pflanzenmilch und vielfältige Ersatzprodukte ermöglichen eine ausgewogene Ernährung
Du ernährst dich vegan oder überlegst, dein Baby vegan zu ernähren? Dann kennst du sicher die Unsicherheit: Ist das wirklich gesund für mein Kind? Bekommt es alle wichtigen Nährstoffe? Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Wissen und guter Planung kann vegane Babyernährung funktionieren.
🌱 Was bedeutet vegane Ernährung überhaupt?
Vegane Ernährung ist „strenger Vegetarismus" – das bedeutet, dass komplett auf Produkte tierischer Herkunft verzichtet wird. Ihr esst also nicht nur kein Fisch und kein Fleisch, wie es die Vegetarier tun. Milch tierischer Herkunft (Kuh, Ziege, …) und Eier sind ebenfalls nicht erlaubt.
Wenn ihr euch vegan ernährt, dann macht ihr das, indem ihr einfach alle tierischen Produkte weg lasst. Zum Glück muss das nicht langweilig und eintönig sein. Denn es gibt – der veganen Welle sei Dank – mittlerweile zahlreiche Ersatzprodukte, die an die Stelle der weggelassenen Produkte tierischer Herkunft treten.
Gut zu wissen: Statt Butter nehmt ihr Margarine, statt Kuhmilch Pflanzenmilch (Soja, Mandel, Kokosnuss, Hafer, …) und statt Fleisch Produkte aus Soja oder Seitan.
Bei der veganen Ernährung gilt als vorteilhaft, dass sie wenig gesättigte Fette und kein Cholesterin enthält. Auf der anderen Seite gibt es hier Probleme mit dem Nährstoff Vitamin B12. Dieses kommt in der heutigen Zeit nur in Lebensmitteln tierischer Herkunft vor und muss deshalb durch Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Dies liegt allerdings daran, dass das Obst und Gemüse heutiger Zeit nicht mehr direkt aus dem Boden kommt und vor dem Verkauf sorgfältig gereinigt wird.
👶 Die Besonderheit: Vegane Ernährung für dein Baby
Wenn ihr euer Baby vegan ernähren möchtet, dann müsst ihr unbedingt auf die Zusammensetzung des Essens achten. Dieses muss alle für euer Baby wichtigen Nährstoffe enthalten, damit es gut wächst und sich gesund entwickelt.
Diese Nährstoffe sind besonders wichtig:
- Vitamin B12 (am wichtigsten!)
- Vitamin D
- Zink
- Kalzium
- Jod
- Eisen
- Vitamin B2
- Omega-3-Fettsäuren
Achtung: Beachtet, dass es auch solche B12-Varianten gibt, die vom menschlichen Körper nicht verwertet werden können. Lasst euch von eurem Kinderarzt dazu beraten.
Auch Vitamin D ist wichtig (dieses stellt aber generell bei Menschen unserer Breitengrade ein Problem dar, da hier die Sonneneinstrahlung so schwach ist). Selbst, wenn ihr keine Veganerinnen seid, kann es sich lohnen, selbst regelmäßig ein Vitamin-D-Präparat zu nehmen – vor allem dann, wenn euer Baby noch die Brust bekommt.
Online findet ihr Tabellen zum Nährstoffbedarf – es lohnt sich wirklich, sich diese anzuschauen. So könnt ihr die Ernährung eures Babys gezielt planen und habt ein gutes Gefühl dabei.
✨ So sieht gesunde vegane Ernährung aus
Tatsächlich gibt es Unterschiede, wenn es um die Gesundheit veganer Ernährungsweisen geht. Denn es gibt durchaus auch ungesunde vegane Ernährung. Diese besteht nicht nur dann, wenn Vitamin B12 nicht eingenommen wird, sondern auch bei einer Ernährung, die hauptsächlich aus (veganen) Chips, dunkler Schokolade und anderen veganen Süßigkeiten besteht (sogenannter „Pudding-Veganismus").
Es reicht nicht, wenn einfach nur tierische Lebensmittel gestrichen werden. Wichtig ist es, die Lebensmittel richtig zu wählen. Hier ist die vegane Ernährungspyramide eine gute Richtlinie. Diese setzt den Schwerpunkt auf:
- Obst
- Gemüse
- Vollkornprodukte
- Hülsenfrüchte
Tipp: Hülsenfrüchte sind ein wichtiger Ersatz für Fleisch und Fisch, da sie viel Eiweiß enthalten – wichtig, wenn euer Baby gut wachsen soll oder ihr noch stillt.
🍽️ Fleisch und Fisch ersetzen – so geht's
Das Schöne ist: Ihr könnt jedes nicht-vegane Rezept in eine vegane Variation verwandeln, indem ihr einfach die passenden Ersatzprodukte verwendet. So könnt ihr eurem Kind eine breite Geschmacksvielfalt anbieten. Es gilt lediglich, das passende Ersatzprodukt ausfindig zu machen.
Wenn es um den Ersatz von Fleisch und Fisch geht, dann sind Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen und Erbsen besonders praktisch. Diese sind reich an Protein und haben einen herzhaften Geschmack.
Wenn ihr nach einem Ersatz sucht, der wirklich an Fleisch oder Fisch erinnert, dann sind Produkte aus dem Handel empfehlenswert. Diese haben meist auch die Form von Würstchen oder Nuggets.
Achtung: Achtet darauf, dass das Ersatzprodukt wirklich vegan und nicht bloß vegetarisch ist. Denn viele dieser Produkte enthalten Ei als Bindemittel.
🥛 Milch richtig ersetzen
Mittlerweile gibt es in den Supermärkten eine enorme Bandbreite von Ersatzprodukten für Kuhmilch. Schaut euch einfach um und probiert aus, was euch am besten schmeckt und was eurem Baby ebenfalls gefallen könnte.
Die verschiedenen Milchalternativen im Überblick:
- Mandelmilch: Sehr süß und passt zu Süßspeisen aller Art
- Kokosmilch: Ebenfalls süß, enthält aber mehr gesättigtes Fett
- Reismilch: Gilt als besonders sicher im Hinblick auf Allergien (wird in Kliniken Allergikern empfohlen)
- Sojamilch: Besonders häufig zu finden, aber nicht unumstritten, da Soja pflanzliche Hormone enthält
Tipp: Greift auf Milchalternativen zurück, die keinen künstlich zugesetzten Zucker und kein Salz enthalten. Gewöhnt euer Baby am besten erst gar nicht an eine übertrieben süße oder salzige Ernährung.
🥚 Eier richtig ersetzen
Eier werdet ihr meist in Süßspeisen verwenden. Hier können sie sehr häufig einfach weggelassen werden.
Ersatz für Eier in Süßspeisen:
- Apfelmus
- Zerdrückte Banane
- Gemahlener Leinsamen
- Chiasamen
Ersatz für Eier in herzhaften Gerichten:
Wenn es ein herzhaftes Gericht sein soll, für das die Bindekraft eines Eis benötigt wird, dann könnt ihr – neben den Lein- oder Chiasamen – auch Maisstärke oder Johannisbrotkernmehl nutzen.
💪 Fazit: Vegane Babyernährung kann funktionieren
Wenn ihr euch online umschaut, werdet ihr zahlreiche vegan ernährte Kinder treffen, die sich gesund entwickelt haben. Dies zeigt, dass vegane Babyernährung gut funktionieren kann.
Wenn ihr euch für diesen Weg entscheidet, dann informiert euch vorher gut. B12 ist ein wichtiges Thema. Achtet darauf, dass euer Baby ausreichende Mengen an B12 erhält – und zwar solches, das vom menschlichen Organismus verwertet werden kann.
Am Anfang kann es sich lohnen, die Nährstoffe auszurechnen, die euer Baby täglich mit der Nahrung aufnimmt und diese mit Tabellen zu den benötigten Mengen abzugleichen. Nach und nach bekommt ihr so ein Gefühl dafür, welche Nährstoffe euer Baby benötigt.
Tipp: Tauscht euch mit Müttern und Vätern vegan ernährter Kinder aus. Eventuell habt ihr sogar das Glück, einen veganfreundlichen Kinderarzt zu haben, der euch unterstützt.
Häufig gestellte Fragen
Ist vegane Ernährung für mein Baby wirklich sicher?
Ja, vegane Babyernährung kann sicher sein, wenn sie gut geplant ist. Wichtig ist vor allem die ausreichende Versorgung mit Vitamin B12, Vitamin D, Eisen, Kalzium und anderen kritischen Nährstoffen. Lasst euch von einem veganfreundlichen Kinderarzt beraten und kontrolliert regelmäßig die Nährstoffversorgung.
Welches Vitamin B12-Präparat sollte ich meinem Baby geben?
Nicht alle B12-Varianten können vom menschlichen Körper verwertet werden. Sprecht unbedingt mit eurem Kinderarzt über die richtige Dosierung und das passende Präparat. Online-Tabellen zum Nährstoffbedarf helfen euch, die benötigte Menge zu ermitteln.
Kann ich Sojamilch für mein Baby verwenden?
Sojamilch ist nicht unumstritten für die Babyernährung, da Soja pflanzliche Hormone enthält. Als besonders sicher gilt Reismilch, die in Kliniken Allergikern empfohlen wird. Achtet bei allen Milchalternativen darauf, dass sie keinen künstlich zugesetzten Zucker oder Salz enthalten.
Wie ersetze ich Fleisch und Fisch am besten?
Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen und Erbsen sind die beste Wahl, da sie reich an Protein sind. Sie haben einen herzhaften Geschmack und sind wichtig für das Wachstum eures Babys. Alternativ gibt es auch vegane Ersatzprodukte im Handel – achtet aber darauf, dass sie wirklich vegan sind und kein Ei enthalten.
Muss ich die Nährstoffe täglich ausrechnen?
Am Anfang kann es hilfreich sein, die Nährstoffe auszurechnen und mit Tabellen zu den benötigten Mengen abzugleichen. Nach und nach bekommt ihr so ein Gefühl dafür, welche Nährstoffe euer Baby benötigt. Mit der Zeit wird die Planung zur Routine.
Was ist „Pudding-Veganismus" und warum ist er ungesund?
Als „Pudding-Veganismus" bezeichnet man eine vegane Ernährung, die hauptsächlich aus veganen Chips, dunkler Schokolade und anderen veganen Süßigkeiten besteht. Es reicht nicht, einfach nur tierische Lebensmittel zu streichen – wichtig ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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