Schreibaby: Ursachen und Lösungen
Auf einen Blick
- Ein Schreibaby schreit mindestens 3 Stunden täglich an 3 Tagen pro Woche über mehr als 3 Wochen hinweg
- Ursache ist meist eine Regulationsstörung – das Baby kann Reize noch nicht gut verarbeiten
- Mit Nähe, Bewegung und festen Routinen kannst Du Dein Baby unterstützen
Du hast Dir die ersten Wochen mit Baby so schön vorgestellt – und jetzt schreit Dein Kleines stundenlang, lässt sich kaum beruhigen und Du fühlst Dich hilflos? Du bist nicht allein. Etwa 10-20% aller Babys sind Schreibabys. Die gute Nachricht: Es gibt Wege, diese herausfordernde Zeit zu meistern.
🍼 Was ist eigentlich ein Schreibaby?
Ein schreiendes Baby ist völlig normal. Schreit Dein Säugling aber exzessiv über einen längeren Zeitraum hinweg und lässt sich weder durch Tragen, eine frische Windel, die Flasche oder Stillen beruhigen, könnte es ein Schreibaby sein.
Nimmt die Intensität des Schreiens ab der 6. Lebenswoche zu und ist Dein Kind körperlich gesund, kannst Du anhand der sogenannten 3-er-Regel überprüfen, ob Du ein Schreibaby hast:
Schreit Dein Baby 3 Stunden täglich an mindestens 3 Tagen die Woche und hält dieser Zustand über mehr als 3 Wochen an, ist die Wahrscheinlichkeit eines Schreibabys gegeben.
Gut zu wissen: Ausführliche Informationen zum Thema Schreibaby findest Du zum Beispiel auf einem Schreibaby-Ratgeber für betroffene Eltern.
🔍 Regulationsstörung: Warum Dein Baby schreit und schreit
Schreibabys haben häufig Probleme abzuschalten und sind empfindlich gegenüber Reizen jeglicher Art. Sie können unterschiedliche und neue Situationen schlecht einschätzen und reagieren äußerst sensibel darauf. Diese Kinder müssen zunächst noch lernen, die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten. Sie sind noch nicht in der Lage, ihr Verhalten zu regulieren.
Dies wird sich im Laufe der Zeit legen, aber solange das noch nicht der Fall ist, reagieren sie auf Überforderung mit exzessivem Schreien.
Typische Anzeichen einer Regulationsstörung
- Langanhaltendes Schreien (Quengeln) und Unruhe
- Generelle Unzufriedenheit
- Schlechter Schlaf-Wach-Rhythmus
- Einschlafprobleme
- Oftmals sehr kurze Tagesschlaf-Phasen (dadurch meist eine Übermüdung zum Abend hin)
Als meine Tochter ein Schreibaby war, habe ich gelernt: Es ist keine Schwäche, sich Hilfe zu holen. Sprich mit Deiner Hebamme oder Kinderärztin – manchmal braucht es nur kleine Veränderungen im Alltag.
🏥 Weitere Ursachen für exzessives Schreien
Eine Regulationsstörung kann schuld an exzessivem Schreien Deines Babys sein. Allerdings gibt es auch andere Gründe, weswegen ein Baby keine Ruhe findet.
Achtung: Um körperliche Ursachen ausschließen zu können, solltest Du unbedingt Deine Kinderärztin oder Deinen Kinderarzt konsultieren und von Deinem Verdacht erzählen.
In kleinen Untersuchungen kann so ausgeschlossen werden, dass Dein kleiner Schatz Schmerzen hat, wie zum Beispiel durch das KISS-Syndrom, eine Blockade oder vielleicht sogar durch einen Bruch bei der Geburt.
Auch Deine Hebamme ist eine gute Ansprechperson, besonders dann, wenn Du Bedenken hast, dass Dein Baby vielleicht Probleme beim Stillen haben könnte.
💪 So beruhigst Du ein Schreikind
Das Schreien von Babys löst bei Erwachsenen Stress aus. Das ist nicht nur eine Redewendung, sondern tatsächlich löst das Schreien, vorrangig bei Müttern, die Ausschüttung eines Stresshormons aus, die Dich dazu antreibt, eine schnelle Lösung zu finden.
Ein Schreibaby zu beruhigen gestaltet sich aber als wesentlich anstrengender, als es das bei einem Säugling ist, der lediglich seine Grundbedürfnisse befriedigt haben möchte. Wie es Dir trotzdem gelingen kann, Dein Schreibaby zu beruhigen, erfährst Du hier.
4 Tipps, wie Du ein Schreibaby beruhigen kannst
- Gib Deinem Kind Nähe! In den ersten 6 Monaten schreien Babys immer aus einem Bedürfnis heraus. Du kannst Dein Kind nicht zu sehr verwöhnen.
- Lass es schreien! Nein, nicht so, wie Du jetzt denkst, nicht ganz alleine und verzweifelt. Aber vielleicht will Dein Kleines Dir einfach erzählen, was es bedrückt – also hör zu und halt es aus.
- Immer in Bewegung bleiben! Auf und ab wippen, zum Beispiel auf einem Pezziball oder in einer Federwiege gibt dem Baby das Gefühl von Sicherheit.
- Feste Routinen! Hat Dein Baby Regulationsstörungen, können Routinen Deinen Alltag entschleunigen.
Tipp: Wechselt Euch als Eltern ab! Wenn Du merkst, dass Dein eigener Stresspegel steigt, gib das Baby an Deinen Partner oder eine vertraute Person ab. Auch Du brauchst Pausen, um wieder Kraft zu tanken.
Häufig gestellte Fragen
Wann hört die Schreiphase bei einem Schreibaby auf?
Die meisten Schreibabys beruhigen sich ab dem 3. bis 4. Lebensmonat deutlich. Spätestens nach dem 6. Monat legt sich das exzessive Schreien bei den allermeisten Babys. Jedes Kind entwickelt sich unterschiedlich – hab Geduld mit Dir und Deinem Baby.
Kann ich mein Baby durch zu viel Tragen verwöhnen?
Nein! In den ersten 6 Monaten schreien Babys immer aus einem Bedürfnis heraus. Du kannst Dein Kind nicht zu sehr verwöhnen. Nähe und Körperkontakt sind genau das, was Dein Baby jetzt braucht.
Was ist das KISS-Syndrom und kann es Ursache für das Schreien sein?
KISS steht für "Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung" und bezeichnet eine Blockade im Bereich der oberen Halswirbelsäule. Diese kann Schmerzen verursachen und zu exzessivem Schreien führen. Deine Kinderärztin oder ein Osteopath kann das untersuchen.
Sollte ich mit meinem Schreibaby zur Schreiambulanz?
Ja, unbedingt! Schreiambulanzen sind spezialisiert auf die Beratung von Eltern mit Schreibabys. Dort bekommst Du professionelle Unterstützung und konkrete Hilfestellung für Deinen Alltag. Es ist keine Schwäche, sich Hilfe zu holen – im Gegenteil.
Hilft Pucken bei einem Schreibaby?
Pucken kann manchen Schreibabys helfen, sich sicherer und geborgener zu fühlen. Es erinnert sie an die Enge im Mutterleib. Probiere es aus – aber achte darauf, dass Dein Baby nicht überhitzt und die Hüften genug Bewegungsfreiheit haben.
Was kann ich tun, wenn ich selbst am Ende meiner Kräfte bin?
Leg Dein Baby sicher in sein Bettchen und verlasse kurz den Raum. Atme tief durch, trink ein Glas Wasser. Ruf jemanden an – Deinen Partner, Deine Mutter, eine Freundin. Hol Dir professionelle Hilfe bei Deiner Hebamme, Kinderärztin oder einer Schreiambulanz. Du musst das nicht alleine durchstehen.
Gründerin von moms.de, zweifache Mutter (Kinder geboren 2014 und 2016). Sie schreibt seit 2017 Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und Familienleben.
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