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Wochenbettdepressionen – was hilft?

Nadine Scheiner
23 Mai 2022
3 Min.
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Euer Baby ist geboren, aber irgendwie fühlt ihr euch weder wie auf Wolken noch wisst ihr nicht, wohin mit eurem Glück? Nach der Entbindung passiert hormonell viel in eurem Körper. Die Umstellung ist eine Herausforderung und kann in einigen Fällen zu einer Wochenbettdepression führen. Die sogenannte postnatale Depression tritt nach der Entbindung auf und kann eine vielschichtige Symptomatik mitbringen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Wochenbettdepression kann auch als postpartale oder postnatale Depression bezeichnet werden und tritt meist im Wochenbett auf.
  • Die genauen Auslöser sind bis heute nicht komplett geklärt, Risikofaktoren sind aber die Hormonumstellung und Veränderungen nach der Entbindung.
  • Symptome reichen von Antriebslosigkeit über Hoffnungslosigkeit bis hin zur Psychose.
Wochenbettdepression
christinarosepix via shutterstock

Was ist eine Wochenbettdepression?

Bei der Wochenbettdepression handelt es sich um eine Depression, die im ersten Jahr nach der Entbindung auftreten kann. Interessant ist der Fakt, dass sowohl Mütter als auch Väter betroffen sein können.

Die Wochenbettdepression wird auch als PPD, postpartale oder postnatale Depression bezeichnet. Es handelt sich um eine behandlungsbedürftige Erkrankung, die durch Gespräche, den Besuch einer Selbsthilfegruppe oder auch Antidepressiva in den Griff bekommen werden kann.

Hinweis: Es gibt einen Unterschied zur postpartalen Psychose. Von dieser ist im Durchschnitt eine von 1.000 Müttern betroffen. In der Regel entsteht sie innerhalb von wenigen Tagen nach der Entbindung. Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Todesgedanken können auftreten.

Was ist der Unterschied zum Baby Blues?

Dein postpartales Stimmungstief wird auch als Baby Blues bezeichnet oder ist als „Heultage“ bekannt geworden. Er zeigt sich meist im Wochenbett innerhalb von fünf Tagen nach der Entbindung und bringt Stimmungsschwankungen, Verstimmungen und eine hohe Empfindsamkeit mit sich. Viele Betroffene sagen auch, dass sie sich sehr müde und erschöpft fühlen und sich die Frage stellen, wie sie das Leben mit Kind jetzt schaffen sollen.

Es handelt sich um eine leichte Stimmungsveränderung, die durch hormonelle Umstellungen entstehen kann. Normalerweise lässt der Baby Blues nach ein paar Tagen wieder nach, sollte aber nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Normalerweise ist eine spezielle Behandlung nicht nötig. Ihr solltet eure Gefühle aber nicht aus Scham verstecken, sondern darüber sprechen. Für euren Partner ist es wichtig zu wissen, was in euch vorgeht, damit er euch rücksichtsvoll begegnen kann.

Wie kann eine Wochenbettdepression erkannt werden?

Es ist wichtig, dass eine Wochenbettdepression möglichst schnell erkannt und behandelt wird. Oft sprechen Betroffene nicht über ihre Gefühle, weil sie sich schämen und voller Schuldgefühle dem Baby und der Umgebung gegenüber sind. Immerhin wird von euch nach der Geburt erwartet, dass ihr euch freut und glücklich über die Mutterschaft seid. Merkt ihr davon nichts, macht sich Scham breit.

Die Symptome für eine beginnende oder bereits ausgeprägte Wochenbettdepression haben viele Facetten.

 

  • Antriebslosigkeit: Ihr habt ein Gefühl der Leere in euch und schafft es nicht, euch um euch und euer Baby zu kümmern. Es kann zur Vernachlässigung des Kindes kommen.
  • Erschöpfung und Müdigkeit: Ihr seid müde und erschöpft, empfindet keine Empathie und keine Lebenslust. Gleichzeitig zeigen sich vielleicht Schlafstörungen.
  • Pessimismus: Ihr könnt kaum noch etwas Positives erkennen, seid sehr traurig und seht keine Zukunft.
  • Panikattacken: Ein typisches Anzeichen für eine Wochenbettdepression kann sein, dass ihr Panikattacken bekommt.

 

Aber auch andere Faktoren sprechen für eine Depression im Wochenbett. Ihr seid ängstlich oder gereizt, fühlt euch niedergeschlagen und unglücklich. Je schneller reagiert wird, umso besser bekommt ihr die Wochenbettdepression behandelt.

Wichtig: Es muss nicht immer Risikofaktoren geben. Frauen, die möglicherweise ein traumatisches Geburtserlebnis hatten, sind tendenziell häufiger betroffen. Aber auch dann, wenn eure Geburt ohne Komplikationen verlaufen ist und ihr eine traumhafte Schwangerschaft durchlebt hat, können hormonelle Umstellungen möglicherweise für die Entstehung einer Wochenbettdepression sorgen.

Was hilft gegen eine Wochenbettdepression?

Es gibt keine klaren Leitlinien für die Behandlung einer Wochenbettdepression, da hier immer auf den Einzelfall geschaut werden muss. Leidet ihr unter einer leichten Ausprägung ist es oft schon hilfreich, wenn ihr erst einmal Unterstützung für den Alltag erhaltet. Sprecht daher unbedingt Hebamme, Partner oder Familienangehörige an, damit diese euch helfen können.

Bei einer schweren Ausprägung ist eine ärztliche Behandlung meist der richtige Weg. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn ihr merkt, dass ihr selbst nicht mehr in der Lage seid, die Symptome in den Griff zu bekommen. Bei einem Arzt bekommt ihr Hilfe. Wie diese Hilfe aussehen kann, ist unterschiedlich.

Ihr könnt meist relativ kurzfristig eine Gesprächstherapie erhalten. Auch eure Hebamme kennt Anlaufstellen. Wichtig ist zudem, dass ihr mit dem Baby nicht allein seid. Holt euch daher Unterstützung.

Es kann notwendig werden, in eine stationäre Behandlung zu gehen. Das ist kein Grund zur Sorge. Ihr bekommt hier die notwendige fachliche Unterstützung und Hilfen an die Hand, um gegen die Depression ankämpfen zu können.

Hinweis: Ihr möchtet euch nicht an euren Partner, die Familie oder die Hebamme wenden? Es gibt in Deutschland telefonische Hilfen in den meisten Städten, beispielsweise durch den Verein Schatten & Licht e.V. Unter der Hotline +49 (0)8293 965864 erhaltet ihr Beratung und Informationen dazu, an welche Stelle in eurer Nähe ihr euch wenden könnt.

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