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Rückbildung nach der Schwangerschaft

Nadine Scheiner
07 Jan 2022
6 min.
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Eine Schwangerschaft ist für Euren Körper eine große Veränderung. Zehn Monate lange gibt es hormonelle Umstellungen, das Wachstum der Gebärmutter, Belastungen für Euren Rücken und den Unterleib sowie das Becken. Kein Wunder also, dass er nach der Schwangerschaft Zeit braucht, um sich zu erholen. Die Rückbildung nach der Schwangerschaft beginnt schon direkt nach der Entbindung. Hier braucht er aber Eure Unterstützung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Nachwehen unterstützen die Rückbildung der Gebärmutter und fördern den Abgang des Wochenflusses.
  • Sechs bis acht Wochen nach der Entbindung könnt Ihr mit leichten Übungen für die Rückbildung beginnen.
  • Eure Hebamme wird testen, ob die Rückbildung der Gebärmutter gut voranschreitet und Euch Tipps zu den passenden Übungen geben.
Rückbildung
aslysun via Shutterstock

Die Rolle der Rückbildung

Der weibliche Körper ist grundsätzlich dafür gemacht, ein Baby auszutragen. Dennoch ist es eine gewisse Belastung für das Becken und den Beckenboden. Die Muskulatur des Beckenbodens wird durch die hormonelle Umstellung deutlich weicher. Zudem belasten das Gewicht der Gebärmutter mit Fruchtwasser und Baby die Muskeln. Es ist also keine Seltenheit, dass Frauen nach der Entbindung Probleme damit haben, in einigen Situationen den Harn zu halten. Daher ist es besonders wichtig, die Rückbildung nicht aus dem Fokus zu verlieren.

Während die Gebärmutter in der Lage ist, sich selbst zurückzubilden, geht es euren Muskeln nicht so. Die Beckenbodenmuskulatur braucht eine aktive Unterstützung. Diese muss jedoch sanft starten, damit ihr euren Körper nicht zu stark belastet.

Eine gute Rückbildung bringt die folgenden Effekte mit sich:

  • Eure Muskeln werden im Bereich des Beckens und des Beckenbodens gestärkt.
  • Die Gebärmutter wird in ihrer Rückbildung deutlich unterstützt und stabilisiert.
  • Verspannungen lindern sich.
  • Euer Rücken wird entlastet.

Die Kontraktionen als natürliche Rückbildung eures Körpers

Gehen wir noch einmal kurz auf die Rückbildung nach der Schwangerschaft ein, die euer Körper selbst durchführt. Hier gibt es die Nachwehen. Es heißt, dass sie mit jedem Kind stärker werden. Das empfinden viele Frauen so, muss aber nicht zutreffen.

Tatsächlich sind die Nachwehen eine wichtige Funktion des Körpers, die sich verstärkt, wenn ihr stillt. Hier wird vermehrt Oxytocin im Körper gebildet. Das Hormon sorgt dafür, dass sich die Gebärmutter mehr zusammenzieht und so die Rückbildung in diesem Bereich schneller abgeschlossen ist.

Hinweis: Die Nachwehen belasten euch sehr stark? Sprecht eure Hebamme oder den Gynäkologen an. Für eine Linderung ist es durchaus möglich, auch Schmerzmittel einzunehmen.

Die einzelnen Phasen der Rückbildung nach der Schwangerschaft

Es heißt, ein Baby kommt neun Monate und der Bauch geht neun Monate. Hierbei handelt es sich um eine ältere Weisheit, die allerdings einen wahren Kern hat. Die reine Rückbildungszeit eures Körpers beträgt rund zehn Monate. Hier werden verschiedene Phasen durchlaufen.

  1. Die Rückbildung der Gebärmutter

Der erste Schritt ist die Wundheilung in der Gebärmutter selbst, die durch den Wochenfluss unterstützt wird. Direkt nach der Entbindung fällt die Bildung von Östrogen ab. Dadurch wird die Gebärmutter weniger durchblutet. In der Zeit des Wochenflusses passiert also richtig viel in eurer Gebärmutter.

Wusstet ihr, dass eure Gebärmutter zum Ende der Schwangerschaft hin ein Gewicht von rund 1000 Gramm hat und etwa 20-mal so groß ist, wie vor der Schwangerschaft? Es braucht seine Zeit, bis sie sich wieder zusammengezogen hat.

  1. Die Entwicklungen im Bauchraum

Euer Baby hat natürlich viel Platz beim Wachsen gebraucht und genau deshalb mussten sich eure Organe einen anderen Ort suchen. Sie wurden in alle Richtungen geschoben. Ist das Neugeborene plötzlich aus dem Unterleib heraus, ist wieder viel Raum. Die Organe suchen sich also ihren ursprünglichen Platz. Auch das gehört zur Rückbildung und kann dazu führen, dass leichte Schmerzen und ein Ziehen entstehen.

  1. Die Muskeln

Die Muskeln beim Beckenboden sowie die Bauchmuskeln haben viel Arbeit geleistet und müssen sich nun wieder stärken und zusammenziehen. Hierbei stehen vor allem die Bauchmuskeln im Fokus. In der Schwangerschaft kommt es zu einer Rektusdiastase. Die Muskeln weichen zu den Seiten aus, um dem Baby Raum zu geben. Nach der Geburt rutschen sie wieder zur Mitte. Das klappt nicht immer. Daher wird eure Hebamme euren Bauch immer wieder abtasten. Bleibt die Rektusdiastase auch über die natürliche Rückbildung hinaus bestehen, kann ein operativer Eingriff notwendig werden.

Probleme während der Rückbildung nach der Schwangerschaft

Auch nach der Entbindung arbeitet euer Körper noch umfassend. Er greift auf die eingelagerten Pfunde zurück und nutzt diese, um sich mit Energie zu versorgen. Die Muskeln sind aktiv, der Uterus zieht sich zusammen, Geburtsverletzungen müssen heilen. Innerhalb dieses Prozesses kann es natürlich auch Probleme geben.

So können die hormonellen Veränderungen zu psychischen Herausforderungen werden. Stimmungsschwankungen sind bis zu einem gewissen Grad normal. Bemerkt ihr jedoch, dass ihr sehr unglücklich seid oder Probleme habt, euch um euer Baby und euch selbst zu kümmern, solltet ihr mit einer Vertrauensperson sprechen.

Der richtige Zeitpunkt für den Beginn der Rückbildung

Direkt nach der Geburt habt ihr natürlich sehr viele Gedanken in eurem Kopf. Euer Körper ist erschöpft und damit beschäftigt, sich wieder umzustellen. Das Stillen und die Betreuung des Babys fordern euch. Jetzt kommt es erst einmal darauf an, die Ruhe zu genießen und im gemeinsamen Leben anzukommen.

Die Rückbildung kann dann rund eine bis zwei Wochen nach der Entbindung beginnen. Dies gilt aber nur dann, wenn ihr eine komplikationslose Geburt hattet. Die ersten Übungen sind sehr leicht und zielen darauf ab, dass ihr euren Beckenboden in den Fokus stellt. Es kommt darauf an, diesen explizit zu spüren und anzusteuern.

Die Rückbildung selbst in Form eines Kurses, der durch die Hebamme angeboten wird, startet normalerweise nach dem Wochenbett. Auch hier kommt es darauf an, dass ihr euch fit genug fühlt.

Übrigens: Ihr habt über einen Kaiserschnitt entbunden? Dann braucht euer Körper noch ein wenig mehr Zeit. Mit einer guten Wundheilung kann die Rückbildung nach der Schwangerschaft nach rund zehn bis zwölf Wochen starten.

Rückbildung nach Schwangerschaft
Pixel-Shot via Shutterstock

Wie lange muss ich Rückbildungsübungen machen?

Stabilisierungen für die Muskulatur des Beckenbodens sowie für die Stärkung eurer Bauchmuskeln helfen eurem gesamten Körper dabei, sich zu stärken und Verspannungen zu lösen. Wie lange die Übungen gemacht werden sollten, hängt von euch und eurem Gefühl sowie eurer körperlichen Verfassung zusammen.

Die Empfehlung lautet, die Rückbildung mindestens ein Jahr durchzuführen. Der Kurs selbst dauert oft über mehrere Wochen an. So hat euer Körper ausreichend Zeit, um sich zu stärken, sich wieder an das Gefühl ohne Kind zu gewöhnen und die Muskeln werden aufgebaut und stabilisiert.

Tatsächlich ist es zudem nie verkehrt, Übungen für den Beckenboden zu machen. Mit zunehmendem Alter und zunehmender Belastung wird die Muskulatur im Beckenbereich weiter gefordert. Je stabiler sie ist, umso besser ist es

Tipps für die Rückbildungsübungen

Wenn ihr die Übungen für die Rückbildung macht, solltet ihr euch ein wenig Zeit nehmen und schauen, dass ihr euch auf eure Körpermitte konzentriert. Wir haben einige Tipps zusammengetragen, die euch helfen können.

  1. Führt täglich wenigstens 10 Minuten die Übungen durch

Nehmt euch täglich wenigstens zehn Minuten Zeit, damit ihr die Übungen durchführen könnt. Die Zeit muss nicht am Stück genommen werden. Aber natürlich ist es besser, wenn ihr diesen Moment für euch habt und euch darauf konzentrieren könnt.

  1. Lasst euch die Übungen richtig zeigen

Lasst euch von der Hebamme zeigen, welche Übungen sich für die Rückbildung eignen und führt diese dann mehrmals unter Aufsicht durch. Dadurch bekommt ihr ein Gefühl dafür, auf was zu achten ist.

  1. Baut die Übungen in den Alltag ein

Die genannten zehn Minuten sind natürlich nur das Minimum. Besser ist es, wenn ihr noch mehr Zeit findet. Das funktioniert gut, wenn ihr die Übungen in euren Alltag integriert. Es gibt immer Momente, zu denen ihr kurz die Beckenbodenmuskulatur ansteuern könnt. Beim Wickeln oder unter der Dusche, an der Kasse oder auch an der Haltestelle beim Bus – hier bieten sich immer ein paar Minuten an.

Tipps: Es gibt Beckenbodentrainer. Diese werden vaginal eingeführt und mit Übungen kombiniert. Dadurch verstärkt sich möglicherweise auch euer Lustempfinden nach der Entbindung.

Fazit: Die Rückbildung ist ein komplexes Feld

Oft wird mit der Rückbildung nach der Schwangerschaft nur der Rückbildungskurs in Verbindung gebracht. Dabei handelt es sich um einen umfangreichen Prozess, den euer Körper durchläuft. Durch gezielte Übungen könnt ihr euer Becken sowie die Muskulatur stärken und auf diese Weise dafür sorgen, dass ihr euch generell stabiler fühlt. Gerade die Unterstützung durch eine erfahrene Hebamme nach der Geburt für die Rückbildung ist wichtig.

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