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Wochenbett nach Kaiserschnitt

Nadine Scheiner
20 Mai 2022
4 min
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Die Entbindung per Kaiserschnitt ist ein operativer Eingriff in euren Körper und damit eine echte Herausforderung für Mutter und Kind. Kein Wunder also, dass das Wochenbett nach dem Kaiserschnitt eine ganz besondere Zeit ist und es hier einiges zu beachten gibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Etwa jedes dritte Kind wird per Kaiserschnitt entbunden. Der Beginn des Wochenbettes ist die Geburt des Babys im Operationssaal.
  • Durch die Schnittentbindung ist euer Körper geschwächt und es braucht eine längere Zeit der Wundheilung.
  • Im Wochenbett nach Kaiserschnitt sollte Rücksicht auf die Narbe der Bauchdecke, aber auch auf die Gefahr einer Thrombose oder Verwachsungen genommen werden.
Wochenbett nach Kaiserschnitt
christinarosepix via shutterstock

Nach dem Kaiserschnitt nicht zu lange liegen

Es klingt wie eine echte Herausforderung, doch wenn ihr eine Sectio hinter euch habt und diese ohne Komplikationen verlaufen ist, solltet ihr möglichst schnell wieder auf die Beine kommen. Nach einer Kaiserschnittgeburt besteht die Gefahr einer Thrombose, wenn ihr zu lange liegt. Daher sollte die Muskelpumpe in euren Beinen schon im Wochenbett auf der Station für Wöchnerinnen in Schwung kommen.

Je nach Krankenhaus und eurem Zustand wird der Blasenkatheter direkt entfernt, wenn ihr euren Unterleib wieder spürt. Dadurch schränkt euch der Katheter in der Bewegung nicht ein.

Der Wochenfluss im Wochenbett nach Kaiserschnitt

Bei einem Kaiserschnitt wird die Gebärmutter von der Plazenta befreit und gereinigt. Das heißt, die Blutung fällt geringe aus als bei einer natürlichen Entbindung im Kreißsaal oder auch an einem anderen Ort. Dennoch spielen die Lochien auch nach der Kaiserschnittentbindung eine wichtige Rolle. Behaltet die Blutungen im Blick.

Tipp: Nachwehen bleiben euch auch bei einem Kaiserschnitt nicht erspart. Beim Stillen nach dem Milcheinschuss werden die Nachwehen normalerweise verstärkt, um die Rückbildung eurer Gebärmutter anzuregen.

Schmerzmittel im Wochenbett nach Kaiserschnitt

Die Kaiserschnittnarbe sieht zwar schmal aus, allerdings handelt es sich um eine Wunde, die einen langen Heilungsprozess durchläuft. Die Bauchmuskeln wurden durchtrennt und alles genäht. Wundschmerzen sind daher normal und eine Schonung im Wochenbett unbedingt zu empfehlen. Bereits auf den Wochenbettstationen werden dir Schmerzmittel angeboten und es ist durchaus empfehlenswert, diese in Anspruch zu nehmen. So könnt ihr euch ganz auf euren Säugling konzentrieren.

Nehmt euch schon im Wochenbett Zeit für die Narbenpflege. Sobald die Fäden gezogen und die Narbe gut verheilt ist, braucht es eine Pflege. Das muss keine spezielle Narbenpflege sein. Eine Massage mit Öl kann dafür sorgen, dass die Narbe keine Verwachsungen bildet. Sprecht dafür einfach die Hebamme an. Sie zeigt euch, wie die Massage funktioniert.

Hinweis: Es kann auch bei der Narbe zu Entzündungen kommen. Wenn sie nicht gut verheilt, kann gelbliche Flüssigkeit austreten. Lasst Auffälligkeiten an der Narbe unbedingt prüfen, damit sich keine Wundheilungsstörung entwickelt.

 

Die Frage nach der Rückbildung

Nach einer vaginalen Entbindung wird oft bereits im frühen Wochenbett mit leichten Übungen für die Rückbildung begonnen. Auch wenn die klassische Rückbildungsgymnastik erst nach den acht Wochen im Wochenbett startet, ist das bei einem Kaiserschnitt nicht ganz so einfach. Es wird empfohlen, mit einer sehr sanften Gymnastik zu beginnen und erst einmal die Bauchmuskeln zu stärken. Nach vier bis acht Wochen könnt ihr mit den Übungen beginnen. Führt aber vorher eine Rücksprache mit eurem Arzt oder der Hebamme durch.

Gerade bei einem ungeplanten Kaiserschnitt oder einer Not-Sectio kann es sein, dass eure Muskeln nicht optimal geschnitten werden konnten und das Verheilen länger andauert. Hier ist es wichtig, sofort mit Übungen aufzuhören, wenn es schmerzhaft oder unangenehm ist.

Der Milcheinschuss lässt sich Zeit

Durch eine Entbindung mit Kaiserschnitt kann es sein, dass euer Milcheinschnitt ein wenig auf sich warten lässt. Das ist normalerweise kein Grund zur Sorge. Es ist wichtig, dass ihr euren Säugling dennoch immer wieder anlegt und viel Flüssigkeit zu euch nehmt.

Unsicherheit besteht oft darüber, wie es mit dem Stillen im Wochenbett nach Kaiserschnitt aussieht. Eine Schwierigkeit, der ihr direkt ausgeliefert seid, ist die Suche nach der passenden Stillposition. In der klassischen Wiegehaltung liegt euer Baby auf der Narbe. Möglicherweise stört euch das nicht. Solltet ihr dabei jedoch Schmerzen haben, ist die Suche nach einer anderen Position zu empfehlen.

Vielleicht ist es eine Lösung, sich für das Stillen im Liegen zu entscheiden. Auch ein Stillkissen kann eine Entlastung für die Narbe mit sich bringen.

Wochenbettdepressionen bei einer Geburt durch den Kaiserschnitt

Die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer Wochenbettdepression bei einem Kaiserschnitt ist signifikant erhöht, da das Geburtserlebnis oft anders empfunden wird. Möglicherweise war der Kaiserschnitt nicht geplant und ihr habt euch auf eine vaginale Geburt eingestellt. Es gibt viele Frauen, die nach einer Kaiserschnittentbindung mit sich hadern und eine Depression entwickeln. Stellt ihr fest, dass ihr euch viele Gedanken über die Entbindung macht, unglücklich oder auch verzweifelt seid, ist es besonders wichtig, darüber zu sprechen. Sucht euch einen Ansprechpartner, dem ihr vertraut. Dabei kann es sich um euren Partner handeln, aber auch um die Hebamme oder eine Freundin. Wichtig ist es, sich dann professionelle Hilfe zu holen, damit ihr nicht allein mit den Veränderungen und den Ängsten umgehen müsst.

Die Belastung eures Körpers

Auch wenn euer Beckenboden bei einem Kaiserschnitt nicht so stark belastet wird, besteht dennoch die Gefahr, dass es zu Komplikationen nach der Entbindung kommt. Um eine Inkontinenz sowie Schäden an der Narbe zu umgehen, bekommt ihr daher die Auflage, nur das Gewicht eures Babys zu tragen, bis sich euer Körper regeneriert hat und die Narbe verheilt ist. Das bedeutet auch, dass ihr das Baby nicht im Autositz tragen dürft.

Es ist empfehlenswert, sich an die Vorgaben zu halten, wenn ihr einen Narbenbruch oder andere Probleme verhindern möchtet. Auch dann, wenn ihr nicht lange Stunden in den Wehen gelegen habt, ist euer Körper den Belastungen einer Geburt ausgesetzt worden. Eure Hormone verändern sich, euer ganzes Leben wird von nun an von einem kleinen Menschen geleitet.

Aus diesen Gründen ist das Wochenbett nach dem Kaiserschnitt ebenso wichtig, wie nach einer vaginalen Entbindung. Eine Schonung von bis zu 12 Wochen ist für euch und auch für euer Baby eine wichtige Zeit, um anzukommen und zu heilen – physisch sowie psychisch. Eure Ansprechpartner in dieser Zeit sind Partner, Freunde, Hebamme und Arzt. Es ist wichtig, dass ihr Hilfe annehmt, um euer Wochenbett auch nach dem Kaiserschnitt genießen zu können.

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