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Mehrlingsschwangerschaft – Was ist zu tun?

Nadine Scheiner
12 Aug 2021
6 min.
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Die Bestätigung einer Schwangerschaft ist für viele Frauen ein Highlight. Doch was ist, wenn nicht nur ein oder zwei Kinder in Eurem Mutterleib heranwachsen, sondern mehrere? Dies ist der Fall, wenn es um eine Mehrlingsschwangerschaft geht. Bei dieser wachsen gleich mehrere Kinder im Mutterleib heran. Für Mütter stellen die ungeborenen Kinder meistens schon eine Herausforderung dar. Während einer Mehrlingsschwangerschaft kann es schließlich auch zu unterschiedlichen Komplikationen gegenüber einer Einlingsschwangerschaft kommen.

Wir haben uns in diesem Artikel mit der Mehrlingsschwangerschaft, deren Ursachen und Komplikationen befasst, um Euch zu zeigen, was in diesem Fall passiert.

Mehrlingsschwangerschaft Komplikationen
Von Alexander_Safonov - Shutterstock

Die Entstehung einer Mehrlingsschwangerschaft - Wie entsteht eine Mehrlingsschwangerschaft?

Die Zahl der Mehrlingsschwangerschaften ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Der Grund dafür liegt jedoch nicht bei einer normalen Geburt, sondern vielmehr an der steigenden Anzahl der künstlichen Befruchtungen. In Deutschland werden bei einer künstlichen Befruchtung drei befruchtete Eizellen eingesetzt. Dadurch steigt die Wahrscheinlich einer Mehrlingsschwangerschaft enorm.

Mehrlingsschwangerschaften entstehen also aufgrund der Anzahl der Embryonen. Oftmals tritt eine beliebige Kombination aus eineiigen Zwillingen und aus zweieiigen Zwillingen auf. Über ein Drittel der Mehrlingsschwangerschaften sind monozygote , sprich eineiige Zwillinge. Jeder Zwilling hat dann eine eigene Zottenhaut, was im Fachjargon auch dichorial genannt wird.

Unterschiede gibt es zwischen den eineiigen Zwillingen und den zweieiigen Zwillingen. Diesen Unterschied möchten wir Euch ebenfalls nochmals erläutern.

Zweieiige Zwillinge sind Geschwister, die in den meisten Fällen gleichzeitig zur Welt kommen. Diese Kinder entstehen aus zwei verschiedenen Eizellen, die entweder gleichzeitig oder nacheinander befruchtet wurden. Zweieiige Zwillinge können unterschiedliche Geschlechter haben, sind sich in ihrem Charakter und Wesen jedoch sehr ähnlich. Jedes Eurer Kinder einer eineiigen Mehrlingsgeburt hat eine besondere Verbindung zu Eurem Körper.

Bei eineiigen Zwillingen ist dies jedoch anders. Die Zwillinge bilden sich aus nur einer einzigen Eizelle und einem Spermium. Schon wenige Tage nach der Befruchtung spaltet sich eine zweite Keimzelle und nistet sich zusammen mit der ursprünglichen Eizelle in Eurer Gebärmutter ein. Eineiige Zwillinge haben nicht nur das gleiche Geschlecht, sondern auch die gleiche Blutgruppe und die gleichen Erbanlagen. In diesem Fall spricht man von einer sogenannten Erbgleichheit.

Im Falle einer Mehrlingsschwangerschaft, egal ob Drillinge, Vierlinge, Fünflinge, Sechslinge oder Siebenlinge kann eine Kombination aus eineiigen und zweieigen Zwillingen bestehen, das bedeutet aus mehreren Mehrlingen.

Welche Faktoren begünstigen eine Mehrlingsschwangerschaft?

Die Häufigkeit von Mehrlingsschwangerschaften steigt nach einer Hormonbehandlung an. Viele Paare, dessen Kinderwunsch lange Zeit unerfüllt bleibt, führen eine Kinderwunschbehandlung durch. Die vorher verabreichten Hormone stimulieren die Eierstöcke der Frau, sodass nicht nur eine Eizelle, sondern gleich mehrere Eizellen heranreifen. Dadurch finden zugleich mehrere Eisprünge statt was zur Folge hat, dass gleich mehrere Eizellen befruchtet werden können.
Besonders die IVF-Methode (In-vitro-Fertilisation) führt des Öfteren zu Mehrlingsschwangerschaften. Genauso verhält es sich mit einer Zwillingsschwangerschaft.

Mehrlingsschwangerschaft (1)
Von Maniki_rus - Shutterstock

Die ersten Anzeichen einer Mehrlingsschwangerschaft - Ab wann sieht man Mehrlingsschwangerschaft?

Eine Mehrlingsschwangerschaft hat in der Regel dieselben Anzeichen, wie eine Einlingsschwangerschaft auch. Folgende Anzeichen sind identisch:

  • die Werte für das Schwangerschaftshormon HCG sind erhöht
  • Morgenübelkeit
  • Erbrechen in den ersten Schwangerschaftswochen

Die folgenden Anzeichen deuten bereits auf eine Mehrlingsschwangerschaft hin:

  • besonders hohe Gewichtszunahme in der 1. bis 12. Schwangerschaftswoche
  • Bauchumfang deutlich größer als bei Einlingsschwangerschaft
  • Vergrößerte Gebärmutter, die von der Gynäkologin ertastbar ist (Untersuchung mit dem Ultraschall zeigt es ebenfalls deutlich)

Natürlich stellt sich neben den ersten Anzeichen auch die Frage „Wann erkennt man eine Mehrlingsschwangerschaft?“ Schließlich wollt ihr Eure Diagnose so früh wie möglich bekommen, damit ihr Euch auf Eure Drillinge oder mehr einstellen könnt.

Um die Diagnose einer Mehrlingsschwangerschaft stellen zu können ist die klassische Ultraschall Untersuchung wichtig. Der Fachbegriff dafür ist Sonografie. Dieser wird zwischen der 8. und 12. Schwangerschaftswoche gemacht. In einigen Ausnahmefällen ist es möglich, die Sonografie bereits zwischen der 6. und 7. Woche zu machen. In einigen Fällen lassen sich die Mehrlingsschwangerschaften bereits durch vorsichtiges Abtasten feststellen. Mit einer Sonografie hingegen können sogar schon die ersten Körperteile des Kindes erkannt werden. Auch die ersten Kindesbewegungen werden dann deutlich.

Das medizinische Labor und die Kontrolle Eurer Blutgruppe, sowie eine komplette körperliche Untersuchung gehören zu den allgemeinen Vorsorgen dazu. Bei einer Mehrlingsschwangerschaft ist die medizinische Betreuung deutlich höher. Das bedeutet, dass ihr Euch öfter an Euren Gynäkologen wenden solltet, vor allem wenn ihr merkt, dass etwas nicht stimmt.
Generell besteht bei Mehrlingsschwangerschaften ein erhöhtes Risiko auf Komplikationen. Die häufige ärztliche Kontrolle ist daher sehr wichtig. Ab der 28. Schwangerschaftswoche müsst ihr alle 14 Tage zu einer Vorsorgeuntersuchung. Dies ist bei einer normalen Schwangerschaft nicht der Fall. Ab diesem Zeitpunkt Eurer wird jedoch genau kontrolliert, ob sich Eure Kinder alle gleich und vor allem gut entwickeln und wie Euer Allgemeinzustand ist.

Welche Komplikationen können bei einer Mehrlingsschwangerschaft auftreten?

In Eurer Schwangerschaft kann es grundsätzlich zu Beschwerden kommen. Doch auch bei einer Mehrlingsschwangerschaft kann es vorkommen, dass die Beschwerden mal höher, mal geringer ausfallen. Auf die folgenden Beschwerden müsst ihr Euch bei Eurer Schwangerschaft einstellen:

  • häufiges Erbrechen und andauernde Übelkeit
  • deutliche Gewichtszunahme
  • Rückenschmerzen aufgrund der Gewichtszunahme
  • Atemlosigkeit (Mehrlinge können auf Lunge drücken)
  • Innere Unruhe
  • Rastlosigkeit

Bei diesen Komplikationen handelt es sich oftmals um die Schwangerschaftskomplikationen, die grundsätzlich auftreten können. Eine gesunde und gute Entwicklung der Kinder bei einer Mehrlingsschwangerschaft hängen nicht nur vom vorhandenen Platz ab, sondern auch von der Versorgung mit Sauerstoff und der lebensnotwendigen Nährstoffe. Komplikationen, die bei Eurer Mehrlingsschwangerschaft entstehen können, betreffen nicht selten die Nabelschnur, die Nährstoffversorgung oder die Plazenta.

Ebenso kommt es deutlich öfter zu Frühgeburten. Gerade in der 37. Schwangerschaftswoche kommt es des Öfteren zu einer Frühgeburt. Es gibt aber auch noch weitere Komplikationen, die bei Eurer Mehrlingsschwangerschaft auftreten können und die wir für Euch in einer kurzen Tabelle zusammengestellt haben.

Mögliche Komplikationen

Plazentainsuffizienz: Hierbei handelt es sich um eine chronische Störung der Plazenta, bei der die Durchblutung unzureichend ist. Eine Schädigung Eures Fötus ist dadurch möglich.

Größenwachstum ist vermindert: Im Falle einer sogenannten Hypotrophie ist kann es passieren, dass Euer Fötus schrumpft.

Schädigungen (neurologische Sicht): Durch eine verminderte Zufuhr von Sauerstoff oder weiteren Nährstoffen kann es passieren, dass es zu neurologischen Schädigungen kommt.

Schwangerschaftsbeschwerden: Beschwerden, wie beispielsweise unstillbares Brechen, hoher Blutdruck oder eine Stoffwechselstörungen können Komplikationen bei der Schwangerschaft hervorrufen.

Risiko einer Frühgeburt: Mehrlingsschwangerschaften haben ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten

Fehlgeburt: Bei einer Fehlgeburt, auch Abort genannt, ist Euer Kind nicht mehr lebensfähig. Häufig endet die Schwangerschaft dann in der 23. Schwangerschaftswoche.

Schwanger mit Drillingen
Von Seasontime - Shutterstock

Welche Komplikationen können bei der Geburt einer Mehrlingsschwangerschaft auftreten?

Bei der Geburt kann es ebenfalls zu einigen Risiken kommen, die Eure Mehrlingsschwangerschaft betreffen. Die verlängerte Eröffnungsphase während der Geburt kann bis auf 12 Stunden ansteigen. Neben dieser kann es passieren, dass es zu einer vorzeitigen Ablösung der Plazenta kommt. Ebenso kann es passieren, dass es zu starken Nachblutungen nach der Geburt kommt. Dabei zieht sich die Muskulatur Eurer Gebärmutter nicht mehr richtig zusammen.
Es ist wichtig, dass ihr Euch über die Risiken und Komplikationen bei einer Mehrlingsschwangerschaft informiert und mit einem Arzt besprecht, was passieren kann, um die Risiken weitestgehend zu minimieren.

Wichtig ist vor allem, dass ihr Stress und besonders körperliche Anstrengungen vermeidet. Dadurch könnt ihr vorzeitige Wehen verhindern. Sollte es trotz alledem zu vorzeitigen Wehen kommen, gibt es bestimmte Medikamente oder Wehenhemmer, die Euer Arzt Euch verschreiben kann. Besprecht daher jede Einzelheit oder Veränderung in Eurer Schwangerschaft mit Euren Arzt und teilt ihm auch eventuelle Schmerzen mit. Durch die genaue Besprechung Eurer Geburt verhindert ihr weitere Komplikationen.

Hilfe durch einen Geburtsplan

Bei einer Mehrlingsgeburt besteht die Möglichkeit, einen genauen Geburtsplan zu erstellen. Dieser hat das Ziel, dass die Entwicklung Eurer ungeborenen Kinder gefördert wird, und zwar so lange, wie ihr als Mutter und Eure Kinder gesund sind. Es gibt einige wichtige Faktoren, die in einem solchen Geburtsplan beschrieben werden. Diese drehen sich rund um die Geburt und die Entbindung Eurer Kinder. Dort werden auch Informationen festgehalten, die eine Schmerzbehandlung während der Entbindung betreffen. Es kann schließlich zu einem erschwerten Geburtsvorgang kommen, sodass es zu einem Kaiserschnitt (lat. Sectio Caesarea) kommt. Ihr dürft nicht vergessen, dass eine Mehrlingsgeburt nicht immer nach genauem Plan verläuft. Aus dem Grund ist es wichtig, in Eurem Geburtsplan alles zu dokumentieren, was Eurer geplanten Entbindung im Weg stehen kann.

Mit welchen Mitteln kann man Komplikationen bei einer Mehrlingsschwangerschaft vorbeugen?

Bei einer Mehrlingsschwangerschaft kommt es zu einer erhöhten, körperlichen Belastung. Vielen Frauen helfen beispielsweise Entspannungsübungen. Autogenes Training, verschiedene Atemübungen, Akupunktur und sogar Yoga sind einer der Entspannungsmöglichkeiten, die schwangeren Frauen helfen. Gerade im letzten Dritter der Schwangerschaft ist es sehr wichtig, dass ihr Euch körperlich schont. Eine zu schwere Belastung oder viel Anstrengung können teilweise vorzeitige Wehen auslösen.

Viele Frauen möchten gleichzeitig starken Schwangerschaftsstreifen vorbeugen. Besonders bei einer Mehrlingsschwangerschaft können starke Risse entstehen, da sich die Haut deutlich mehr dehnt als beispielsweise bei einer Einlingsschwangerschaft. Es empfiehlt sich daher in jedem Fall, die besonders beanspruchten Körperregionen, wie beispielsweise der Bauch, die Hüfte und die Brüste immer wieder mit etwas Öl einzumassieren. Durch das Öl wird Eure Haut nicht nur gepflegt, sondern auch das Bindegewebe kann dadurch elastischer werden.

Ebenso relevant ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Achtet in Eurer Mehrlingsschwangerschaft auf eine gute Zufuhr von Jod, Eisen und Kalzium. Außerdem ist es besonders wichtig sehr viel Wasser zu trinken. Achtet auf einen hohen Flüssigkeitsgehalt und schont Euch in Eurer Mehrlingsschwangerschaft, um Risiken und Komplikationen von Beginn an zu minimieren oder gar komplett zu vermeiden.

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