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Programmiersprachen für Kinder

Nadine Scheiner
15 Nov 2021
6 min.
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Wer programmieren kann, der hat schon einmal zahlreiche Vorteile in der Welt der „digital natives“. Bereits Kinder interessieren sich für die Technik hinter den Programmen und auch wenn Eltern oft noch unsicher sind, inwieweit sie ihre Kinder in diese technische Welt bereits vordringen lassen können. Dabei gibt es inzwischen interessante Programmiersprachen, die für den Nachwuchs viele Möglichkeiten zur Verfügung stellen, um selbst etwas erschaffen zu können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Programmiersprachen für Kinder bieten einen vereinfachten Einstieg in die Welt der Programmierung von Apps, Spielen und anderen Anwendungen.
  • Es gibt auch objektbasierte Programmiermöglichkeiten, bei denen das Kind beispielsweise einen Roboter programmiert.
  • Durch visuelle Sprachen in der Technik ist der Einstieg auch schon für Kinder möglich, die noch nicht lesen und schreiben können.
Programmiersprachen für Kinder
Von Gorodenkoff - Shutterstock

Warum Programmierkenntnisse bei Kindern von Vorteil sind

Im Bereich der Bildung im 21. Jahrhundert wird die Programmiersprache früher oder später zu einem festen Bestandteil bei den Kindern werden. Wer in der Schule ist und noch nie programmiert hat, ist dann möglicherweise im Nachteil. Um dies zu verhindern ist es eine gute Sache, wenn ihr dazu bereit sein, euren Kindern die grundlegenden Wissenpunkte beizubringen und ihnen damit neue Türen zu öffnen. Natürlich sollte das über kindgerechte Wege funktionieren. Dabei kommen sicher viele Fragen auf:

  • Was ist eine künstliche Intelligenz?
  • Was ist in unserer Umgebung alles automatisiert?
  • Wie ist eine Programmierumgebung zusammengesetzt?
  • Was braucht es, um selbst programmieren zu können?

Ihr steht hier schon vor dem Problem, die Antworten nicht zu kennen oder nicht so erklären zu können, dass sie für eure Kinder verständlich sind? Zum Glück gibt es spielerische Möglichkeiten, den Kindern gleich zu zeigen, wie es funktioniert.

Hier kommen die Programmiersprachen für Kinder ins Spiel. Auf der Welt gibt es schon über 200 verschiedene Programmiersprachen. Umso früher die Kinder in das Lernen einsteigen, umso leichter fällt es ihnen. Auch ihr als Eltern könnt dabei natürlich noch jede Menge lernen. Auch wenn die heutigen Generationen oft schon sehr früh mit Programmen und auch der Technik dahinter in Berührung gekommen sind, ist vieles davon noch unbekannt. Gemeinsam mit eurem Kind den Weg zu gehen und zu lernen, ist eine tolle Sache.

Ihr seid noch unsicher, ob der Zugang zu einer Programmiersprache für Kinder eigentlich auch pädagogisch wertvoll ist? Wir haben Punkte zusammengestellt, die das sogar untermauern:

  1. Kritisches Denken verbessern

Im Laufe ihrer Kindheit erlernen die Kinder sehr komplexe Denkweisen. Dabei müssen sie jedoch gefördert werden. Das kritische Denken ist ein wichtiger Punkt. Kinder erhalten Einblicke in die Verbindung von Ursache und Folge. Beim Programmieren hat jede Eingabe auch eine direkte Folge, die zu erkennen ist. Ist die Folge nicht der gewünschte Effekt, wird bei Kindern die Neugier geweckt. Durch kritisches Denken finden sie heraus, wo sie ansetzen müssen, um doch noch ihr Ziel zu erreichen. Je häufiger sie sich mit den Programmiersprachen beschäftigen, umso erfolgreicher werden sie in ihren Ergebnissen beim kritischen Denken. Dies hilft auch in anderen Bereichen des Lebens – beispielsweise in der Schule.

  1. Stärkung des Selbstbewusstseins

Stellt euch vor, ihr habt eine objektorientierte Programmierung durchgeführt und sie funktioniert. Wie würde sich das für euch anfühlen? Ihr würdet vermutlich sehr stolz sein. Wenn aus eurem Kind ein Prosument wird, ist das ein echter Grund, um stolz sein zu können. Bei einem Prosumenten handelt es sich um eine Person, die etwas produziert hat und es auch konsumiert. In der Regel sind wir in vielen Bereichen vor allem Konsumenten. Das ist nicht mehr der Fall, wenn der junge Programmierer erfolgreich war.

  1. Investitionen in die Zukunft

Auch wenn die Technologie eine immer tiefere Bedeutung in unserem Alltag hat, so besteht in der Berufswelt noch immer ein akuter Mangel an Fachkräften. Das ist natürlich in vielen Bereichen so. Wer sich allerdings mit dem Programmieren frühzeitig beschäftigt und hier von klein auf den Umgang lernt, der kann später möglicherweise auch beruflich in diese Richtung gehen und hier sehr erfolgreich sein.

  1. Aus Fehlern lernen

Programmiersprachen für Kinder sind grundsätzlich einfach aufgebaut, dennoch ist es nicht ganz so einfach, hier fehlerfrei direkt die erste Programmierung durchzuführen. Doch genau diese Fehler sind notwendig, um für die Zukunft lernen zu können. Jedes Kind hat einen gewissen Anspruch an seine eigenen Leistungen. Es hat gewisse Vorstellungen davon, was es erreichen möchte und wird sich damit auch detailliert beschäftigen.

  1. Theorie und Praxis

Programmiersprachen sind in der Lage, euren Kinder Theorie schmackhaft zu machen. Mit den richtigen Programmen und Anleitungen habt ihr den Vorteil, dass sich euer Nachwuchs auch für eher trockene Themen zu interessieren, wenn die Theorie gleich in die Praxis umgesetzt wird.

Was genau sind Programmiersprachen aber eigentlich?

Bevor wir jetzt tiefer in die Materie der Programmiersprachen für Kinder eintauchen, sehen wir uns erst einmal die Definitionen für den Begriff an. Die Programmiersprache ist notwendig, damit Befehle an ein Gerät gegeben werden können. Diese Befehle werden nur dann verstanden, wenn es sich um ein computergestütztes Gerät handelt. Damit die Geräte, die sich in unserer Umgebung befinden, auch verwendet werden können, müssen sie erst einmal programmiert werden. Habt ihr euch schon einmal Gedanken darüber gemacht, warum der Knopf am Radio dafür sorgt, dass sich das Gerät einschaltet? Weil er genau darauf programmiert ist.

Wer sich mit dem Programmieren auskennt und auch die Programmiersprachen lesen kann, der ist in der Technik bereits besonders versiert und hat auch eher die Chance, ein Gerät reparieren oder anpassen zu können. Die Technologie macht vielen Menschen bis heute Angst. Tatsächlich handelt es sich um ein sehr komplexes Feld. Gemeinsam mit den Kindern zu lernen, was sich dahinter verbirgt, gibt auch euch als Eltern ein größeres Selbstbewusstsein.

Die Welt der bildungsorientierten Programmiersprachen für Kinder

Gehen wir nun näher auf die Programmiersprachen für Kinder ein. Wir haben bereits kurz erwähnt, dass es auf der Welt zahlreiche Programmiersprachen gibt. Nicht jede davon ist natürlich für Kinder geeignet. Es gibt aber sogenannte bildungsorientierte Programmiersprachen. Diese sind so konzipiert, dass sie sich nachvollziehbar nutzen lassen.

Je nach Entwickler ist eines der Markenzeichen beispielsweise, dass es keine Schriftsprache gibt, sondern Icons zum Einsatz kommen. Dadurch sind sie für die Kinder leichter zu verstehen. Diese Ausführungen sind vor allem für Kinder geeignet, die selbst noch nicht lesen und schreiben können. Das heißt, auch eure Jüngsten können so bereits an das Programmieren herangeführt werden.

Für ältere Kinder, die bereits lesen können, werde noch einmal andere Varianten zur Verfügung gestellt. Der Einstieg gelingt beispielsweise mit Kara oder auch dem Hamster-Modelle. Beides basiert auf einem gleichen System. Kara ist ein Marienkäfer, den die Kinder durch die Programmierung dazu bringen, sich zu bewegen und Aufgaben. Besonders schön ist die Entwicklung, die kleine Programmierer hier durchlaufen können. So startet Kara beispielsweise mit dem Einsatz von Icons, geht dann aber weiter in Richtung der realen Programmiersprachen. Hier könnt ihr als Eltern dann als Freeware zu JavaKara greifen. Der Entwickler selbst stellt zudem ein umfangreiches Begleitmaterial zur Verfügung, das euch hilft, eure Kinder beim Erlernen zu unterstützen.

Von myboys.me - Shutterstock

Die bekanntesten Programmiersprachen für Kinder auf einen Blick

Wenn ihr euch ein wenig mit dem Thema beschäftigt und euren Kindern vielleicht einen Einblick in die Welt des Programmierens geben wollt, könnt ihr nach einer passenden Programmiersprache schauen. Wir haben einige der bekanntesten Varianten in der Übersicht zusammengestellt und fassen zusammen, was sie so besonders macht:

Scratch

Bei der Suche nach einer Programmiersprache für Kinder werdet ihr vermutlich häufiger auf Scratch stoßen. Hierbei handelt es sich um eine Variante, die besonders kindgerecht aufbereitet ist. Die Umgebung ist sehr freundlich und arbeitet mit vielen Farben. Durch den Einsatz von Codeblöcken, die miteinander kombiniert werden können, zeigen sich Ergebnisse. Es handelt sich also um eine visuelle Variante, die auch schon für Kinder ab einem Alter von fünf Jahren geeignet ist. Optimal ist Scratch aber ab einem Alter von 8 Jahren in der Nutzung. Mit der Programmiersprache können neue Charaktere erstellt oder auch ganze Apps entwickelt werden.

Tipp: Seht euch die Community an. Sie gibt gute Hilfestellung für euch und für eure Kinder und ist damit gerade auch eine Unterstützung, wenn ihr noch ganz neu in der Programmier-Welt aktiv seid.

JAVA

Wenn es um Programmiersprachen geht, ist JAVA für viele Erwachsene ein Begriff. Was oft jedoch nicht bekannt ist: es gibt auch Varianten für Kinder. Die skalierbare Programmiersprache steht für unterschiedliche Apps zur Verfügung und ist so einfach aufgebaut, dass sie sogar im Unterricht bei den Kindern eingesetzt wird. Vielleicht kennt euer Kind JAVA sogar schon, denn immerhin handelt es sich hierbei um die Programmiersprache, die auch im beliebten Spiel „Minecraft“ zum Einsatz kommt. Kinder ab 10 Jahre dürften mit dem System sehr gute Erfahrungen machen. In Minecraft selbst können sie beispielsweise Extras oder auch ganze Welten über die Programmiersprache kreieren und so ihr Wissen immer weiter vertiefen.

Python

Etwas tiefer in die klassischen Programmiersprachen geht Python hinein. Hier ist weniger die visuelle Richtung zu finden. Stattdessen handelt es sich um eine richtige Programmiersprache, sodass die Kinder bereits lesen und schreiben können sollten. Dennoch ist Python sehr kindgerecht und arbeitet mit einfachen Begriffen. Das zeigen auch die dazugehörigen Informationen, die online in Videos oder auch in Büchern zur Verfügung gestellt werden. Habt ihr ein Kind, das gerne nach Anleitung arbeitet und sich auch viel bei der Programmiersprache selbst beibringen möchte, ist Python eine gute Wahl.

Wir empfehlen diese Programmiersprache übrigens als Weiterführung von Scratch. Es ist eine gute Idee, erst einmal mit visuellen Programmierungen zu arbeiten und sich vorsichtig an die Textsprache heranzutasten. Wenn euer Kind schon Erfahrungen mit Scratch gesammelt hat, wird bei Python schneller Erfolge haben.

Ruby

Ein Blick in die Klassenzimmer dieser Welt, in der das Programmieren auf dem Stundenplan steht, zeigt, dass Ruby hier häufig zu finden ist. Die speziell für Kinder entwickelte Programmiersprache ist in ihrer Handhabung sehr einfach und damit ideal für Einsteiger in diesem Bereich geeignet. Entwickelt wurde Ruby schon in den 1990er Jahren. Interessant ist auch die Vielseitigkeit, die Ruby zu bieten hat. Die Programmiersprache ermöglicht es eurem Kind, sowohl Apps für den Desktop als auch für das Smartphone zu erstellen oder auch APIs zu kreieren.

Blockly

Wir möchten euch auch noch Blockly vorstellen, denn hier ist der Name Programm und hinter dieser Programmiersprache verbirgt sich kein geringeres Unternehmen als Google. Die visuelle Programmiersprache eignet sich für kleine Entdecker ab einem Alter von 10 Jahren. Gearbeitet wird mit Blöcken in verschiedenen Farben, durch deren Zusammensetzung verschiedene Effekte erzielt werden können. Teilweise gibt es Apps, die auf der Basis von Blockly für Kinder entwickelt werden und den Fokus auf spezielle Themen legen, wie die Erstellung von Konzepten für Objekte oder auch das Schreiben von umfassenden Codes.

Die meisten Programmiersprachen für Kinder stehen – zumindest als Testversion – kostenfrei zur Verfügung. Es ist durchaus sinnvoll, dass ihr einige der Varianten mit eurem Nachwuchs anseht und schaut, welche Ausführungen besonders leicht verständlich sind.

Die objektorientierte Programmierung – Dinge in Bewegung setzen

Ihr seid auf der Suche nach einem Einstieg in die Programmiersprachen, bei dem Kinder direkt an einem Objekt Tests durchführen können? Diesen bieten Hersteller unter anderem beispielsweises durch programmierbare Roboter. Es gibt eine Auswahl an zahlreichen Sets, auf die ihr zurückgreifen könnt. Der Nachwuchs lernt dann, den Roboter einzustellen und dafür zu sorgen, dass dieser gewisse Befehle befolgt und in die Kommunikation geht.

Es gibt Sets, die für Einsteiger geeignet sind, aber auch umfassende Zusammenstellungen für Kinder, die bereits eine gewisse Erfahrung haben und in dem Bereich noch tiefer in die Materie eindringen möchten. Nach oben sind bei er objektorientierten Programmierung kaum Grenzen gesetzt. Die Programmiersprachen werden immer umfangreicher und es geht tiefer in die Einzelheiten hinein. Eure Kinder können sich das Wissen gemeinsam mit euch aneignen, werden aber nach einer gewissen Zeit auch selbst in der Lage sein, durch die Programmierung in neue Richtungen bei den Objekten zu gehen.

Fazit: Programmiersprachen für Kinder entführen in eine andere Welt

Der Wissensdurst der Kinder ist besonders umfangreich und auch für technische Entwicklungen durchaus offen. Wenn euer Kind immer wieder Interesse an den Technologien und den Programmen in Smartphones oder auch am PC zeigt, ist der Blick auf eine Programmiersprache für Kinder möglicherweise eine gute Idee. Die Konzepte vieler Anbieter basieren auf der Idee, von visuellen Ausführungen hin zu einer einfachen Programmiersprache zu gelangen und selbst in der Lage zu sein, Dinge zu programmieren.

Seid ihr noch nicht ganz überzeugt davon, dass es sich um eine Unterhaltung mit Lerneffekt handelt, empfehlen wir euch, euch die Zeit zu nehmen und die ersten Schritte beim Programmieren gemeinsam mit Eurem Kind zu gehen. Viele Eltern entdecken dabei selbst ihr Interesse an den Möglichkeiten, die sich hier eröffnen.

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