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Die Wassergeburt

Nadine Scheiner
13 Jan 2022
4 min.
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Eine Entbindung im Wasser soll die Schmerzen lindern und den Geburtsvorgang beschleunigen können. Hebammen und auch Ärzte raten dazu, diesen Weg zu wählen, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Viele Frauen möchten gerne im Wasser entbinden. Aber was macht eine Wassergeburt eigentlich so besonders? Wer kann sie in Anspruch nehmen und was spricht gegen die Entbindung im Wasser?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Durch das warme Wasser in der Gebärwanne entspannen sich die Muskeln und die Wehen erscheinen weniger schmerzhaft.
  • Durch die entspannte Muskulatur im Beckenboden gibt es bei Wassergeburten tendenziell weniger einen Dammriss.
  • Risiken bei der Wassergeburt gibt es ebenfalls, diese sollten vorher abgewogen werden.
Wassergeburt
Ink Drop via Shutterstock

Was ist eigentlich eine Wassergeburt?

Bei einer Wassergeburt verbringt Ihr die Eröffnungsphase und auch die Austreibungsphase in der Badewanne und gebärt dort auch Euer Baby. Gebärwannen sind recht groß gehalten und ermöglichen es Euch auf diese Weise, dass auch der Partner mit in die Wanne kann.

Das warme Wasser soll sich entspannend auf den gesamten Geburtsvorgang auswirken. Die Wehen werden sanft gefördert, die Beckenmuskeln entspannen jedoch. Dadurch kann eine Wassergeburt die Entbindung durchschnittlich um eine halbe Stunde verkürzen.

Wie ist der Ablauf bei einer Wassergeburt?

Normalerweise gebt Ihr bereits bei einem Geburtsgespräch an, dass Ihr Euch eine Wassergeburt vorstellen könnt. Kommt Ihr dann zur Entbindung ins Geburtshaus oder in das Krankenhaus, wird Euch diese Form der Entbindung angeboten. Bevor es jedoch in die Gebärwanne geht, bekommt Ihr einen Einlauf. Dieser soll dafür sorgen, dass es möglichst keinen Stuhlabgang ins Wasser gibt.

Die Wanne wird in dieser Zeit gefüllt. Je nach Euren persönlichen Wünschen kann das Wasser eine Temperatur von bis zu 37 °C haben. Die Hebamme kann die Wassertemperatur auch schnell anpassen, wenn es Euch zu warm oder zu kalt ist.

Ihr entscheidet, wann Ihr in die Wanne möchtet oder auch, wann Ihr sie wieder verlassen wollt. Das kann auch während der Geburt sein. Es gibt keinen Zwang dazu, bis zum Ende der Entbindung in der Wanne zu bleiben.

Übrigens: Ihr braucht Euch keine Sorgen darüber machen, dass Euer Baby bei einer Wassergeburt nicht unter Kontrolle ist. Im Kreißsaal gibt es wasserfeste Geräte, mit denen die Wehen beobachtet und auch die Herztöne des Babys immer kontrolliert werden.

Was passiert nach der Entbindung im Wasser?

Sobald Ihr Euer Baby entbunden habt, wird geschaut, ob es gut atmet. Dann bekommt Ihr es für das Bonding auf die Brust und könnt die gemeinsame Zeit noch einen Moment in der Wanne genießen. Viele Frauen entscheiden sich dafür, die Nabelschnur auspulsieren zu lassen. Sie wird erst durchtrennt, wenn sie nicht mehr pulsiert.

Anschließend könnt Ihr Euch abduschen und dann in ein normales Bett wechseln. In der Zeit wird Euer Baby gereinigt, gewogen und gemessen.

Hinweis: Ihr habt Angst, dass Euer Baby im Wasser ertrinken könnte? Gesunde Babys haben einen Tauchreflex. Sobald sie ins Wasser kommen, verhindert dieser, dass Wasser in die Lunge eindringen kann.

Wer kann eine Wassergeburt machen?

Eine Wassergeburt könnt Ihr nur dann machen, wenn die Voraussetzungen stimmen und zu diesen gehört, dass Eure Schwangerschaft unauffällig verlaufen ist und es auch keine Hinweise zu möglichen Komplikationen im Mutterpass gibt. Infektionen oder auch Blutungen, die während der Schwangerschaft oder um den Entbindungstermin herum aufgetreten sind, sprechen gegen eine Wassergeburt. Zudem wird diese Form der Entbindung nur dann durchgeführt, wenn sich Euer Baby in der Geburtslage befindet. Eine Steißgeburt kann auf diesem Weg nicht durchgeführt werden.

Die Vorteile einer Wassergeburt im Überblick

Bevor Ihr Euch für oder auch gegen eine Wassergeburt entscheidet, möchtet Ihr natürlich die Vor- und Nachteile abwägen. Ihr bekommt hier einen guten Überblick über die Vorteile und auch über die Nachteile in der Übersicht:

  1. Schmerzarm

Umfragen und auch Statistiken zeigen, dass Frauen eine Wassergeburt als schmerzarmer empfinden, als es bei einer Geburt außerhalb des Wassers der Fall ist.

  1. Sanfter Übergang

Für Euer Baby kann es ebenfalls ein schöner Übergang in die Welt sein. Es kommt aus dem warmen Mutterleib direkt in warmes Wasser. Dadurch wird es weniger unter Stress gesetzt.

  1. Konzentration auf die Atmung

Durch die Entspannung, die sich im warmen Wasser einstellt, könnt Ihr Euch besser auf Eure Atmung konzentrieren. Dadurch lässt sich auch die Eröffnungsphase verkürzen.

  1. Weniger Geburtsverletzungen

Viele Geburtsverletzungen entstehen, wenn der Beckenboden zu verkrampft ist. Gerade Dammrisse sind dann das Ergebnis. Statistisch gesehen kommt es bei Wassergeburten zu weniger Dammrissen.

Die Nachteile einer Wassergeburt im Überblick

Auch die Risiken sollten im Blick behalten werden, wenn Ihr darüber nachdenkt, mit einer Wassergeburt zu entbinden. Dazu gehören die folgenden Punkte:

  1. Notfälle

Auch bei einer Wassergeburt kann es zu einem Notfall kommen, bei dem ein Kaiserschnitt oder auch eine Zangengeburt notwendig werden. Nun muss die Gebärende bei einer Wassergeburt erst aus der Wanne kommen. Das kostet teilweise viel Zeit.

  1. Hygiene

Eine Wassergeburt unterliegt strengen hygienischen Vorgaben. Werden diese nicht eingehalten, kann es zu Infektionen kommen. Eure Haut weicht im Wasser schnell auf, kleine Verletzungen sind dann die Eintrittspforte für Bakterien.

  1. Infektionen beim Baby

Auch bei einer Wassergeburt treten Keime ins Wasser ein oder es kann dich Stuhl lösen. Gelangen Keime oder Stuhl dann in den Kreislauf des Kindes, wenn es ins Wasser geboren wird, kann es zu Infektionen kommen.

Wassergeburt
Lighthunter via Shutterstock

Fazit: Die Wassergeburt als sanfte Variante für die Entbindung

Die Wassergeburt ist eine Variante der Entbindung, die sich vor allem dann anbietet, wenn Ihr bisher eine unauffällige Schwangerschaft hattet und Euch im warmen Wasser auch wohlfühlt. Seid Ihr bereit, Euch auf das Erlebnis einzulassen, kann eine Wassergeburt dabei helfen, die Geburt nach vorne zu treiben und Euer Baby im warmen Wasser in Empfang zu nehmen.

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