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Lotusgeburt – ein besonderes Geburtsritual

Nadine Scheiner
15 Mrz 2022
4 min
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Die Lotusgeburt ist keine Geburtsart, sondern eher ein Geburtsritual, bei dem die Natürlichkeit mehr in den Vordergrund rücken soll. Während bei einer normalen Geburt Euer Neugeborenes relativ schnell von der Nabelschnur – und damit vom Mutterkuchen – getrennt wird, ist dies bei der Lotusgeburt nicht der Fall. Hier wird so lange gewartet, bis Nabelschnur und Mutterkuchen sich selbst lösen.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Lotusgeburt ist ein spezielles Geburtsritual, bei dem die Plazenta und Nabelschnur so lange am Baby verbleiben, bis sie sich von selbst lösen.
  • Ziel einer Lotusgeburt ist es, den Respekt gegenüber der Plazenta zu zeigen und dem Baby einen entspannten Start ins Leben zu ermöglichen.
  • Ziel einer Lotusgeburt ist es, den Respekt gegenüber der Plazenta zu zeigen und dem Baby einen entspannten Start ins Leben zu ermöglichen.
Lotusgeburt
Bass Tatiana via Shutterstock

Was genau ist unter einer Lotusgeburt zu verstehen?

Sehen wir uns die Lotusgeburt einmal näher an. Auch wenn es die Bezeichnung vermuten lässt, so hat dieses Ritual nichts mit Blumen zu tun. Stattdessen handelt es sich um einen Vorgang, bei dem keine Abnabelung durchgeführt wird. Das heißt, die Nabelschnur wird nicht abgetrennt und auch nicht abgeklemmt. Nachdem Euer Baby geboren wurde, wird das Bonding durchgeführt. Dabei kann es sein, dass die Nachgeburt noch nicht gekommen ist.

Die Nabelschnur pulsiert weiter, Euer Baby bleibt damit verbunden. Auch dann, wenn die Nachgeburt geboren wurde, ändert sich daran nichts. Die Plazenta, die Nabelschnur und das Neugeborene bleiben miteinander verbunden. Es wird in aller Ruhe gewartet, bis sich die Nabelschnur vom Bauchnabel löst. Wie lange das dauert, kann ganz unterschiedlich sein. Bei einigen Babys löst sich die Nabelschnur schon nach drei Tage, bei anderen Babys dauert es acht bis zehn Tage.

Übrigens: Ein Blick auf die Plazenta kann Aufschluss darüber geben, warum die Bezeichnung „Lotusgeburt“ entstanden ist. Die Zeichnungen auf dem Organ sehen teilweise wie eine Pflanze, ein Baum oder auch eine Blume aus.

Wie wird mit der Plazenta vorgegangen?

Interessant ist für Euch natürlich die Frage, was in dieser Zeit mit der Plazenta passiert. Normalerweise wird die Nabelschnur abgeklemmt und dann abgetrennt. Es verbleibt nur noch ein kleines Stück am Bauchnabel, das nicht stört und mit dem auch Euer Baby ganz einfach angezogen werden kann. Wie ist es aber, wenn die Nabelschnur nicht von der Plazenta getrennt wird?

Der erste Schritt ist die Reinigung der Plazenta. Diese ist notwendig, damit es nicht zu einer Infektion kommt. Für die Reinigung wird Wasser verwendet. Anschließend wird sie in saubere Mulltücher geschlagen. Nachdem dies passiert ist, wird sie in ein Gefäß gelegt. In den meisten Fällen wird ein Tongefäß genutzt, das Ihr mitbringt.

Wichtig: Wenn die Plazenta geboren wurde und die Nabelschnur auspulsiert hat, stirbt die Plazenta ab. Das heißt, sie wird zu einem toten Gewebe und muss daher konserviert werden.

Wie kann eine Plazenta konserviert werden?

Bereits seit vielen Jahrhunderten wird eine Lotusgeburt durchgeführt und in diesem Rahmen hat sich auch eine traditionelle Konservierung entwickelt. Nachdem der Mutterkuchen für 24 Stunden in der Tonschale lag, werden die Mulltücher wieder geöffnet und die Plazenta mit viel Salz versehen. Nun werden noch Kräuter darüber gegeben und sie wird neu eingeschlagen.

Dieser Vorgang wird regelmäßig wiederholt. Ist es Euch übrigens zu unpraktisch, ein Tongefäß immer bei Euch zu haben, könnt Ihr nach Lotuspacks schauen. Hierbei handelt es sich um kleine Taschen, die auch mit Feuchtigkeit gut umgehen können. Sie sind klein und handlich und können so gut transportiert werden.

Kann ich dennoch stillen?

Eine Lotusgeburt spricht nicht gegen das Stillen. Tatsächlich heißt es, dass die Babys deutlich entspannter sind und sich leichter mit dem Stillen tun. Auch die Nabelschnur und die Plazenta wirken nicht störend. Vielleicht braucht es zu Beginn ein wenig Übung, bis Ihr die richtige Position findet. Hier kann Euch jedoch die Hebamme helfen.

Wie sieht es mit dem Wickeln und Anziehen aus?

Falls Ihr Euch Gedanken darüber macht, was Euer Baby in den ersten Lebenstagen tragen kann, können wir Euch ebenfalls beruhigen. Ihr könnt Euer Baby ganz normal windeln. Es empfehlen sich Wickelhemdchen und eine Hose mit einem weichen Bund. Dadurch wird ein Druck auf den Nabel verhindert. Viele Eltern entscheiden sich auch dafür, in den ersten Tagen nur eine Windel sowie eine kuschlige Decke zu nutzen. Das ist ebenfalls möglich. Immerhin gibt es die Empfehlung, dass das Wochenbett auch zu großen Teilen im Bett verbracht wird. Hier könnt Ihr Euer Baby richtig gemütlich einkuscheln.

Was sind die Vorteile einer Lotusgeburt?

Die Vorteile, die für eine Lotusgeburt sprechen, haben keine medizinische Grundlage. Es gibt keine Studien die nachweisen, dass es für Euer Baby Vorteile mit sich bringt, wenn Ihr das Ritual durchführt. Immer wieder wird aber davon gesprochen, dass es für Euer Baby entspannter ist, wenn sich die Plazenta selbst löst und die Nabelschnur nicht durchtrennt wird.

Rein medizinisch gesehen zeigt sich der Vorteil vor allem darin, dass es keine Nabelwunde gibt, die eine Eintrittspforte für Keime darstellt. Auch das Auspulsieren der Nabelschnur wird als positiv empfunden. Das könnt Ihr aber auch durchführen, indem Ihr direkt beim Geburtsgespräch darauf verweist, dass Ihr das Auspulsieren wünscht. Dann wird die Nabelschnur erst dann durchtrennt, wenn sie auspulsiert hat.

Was sind die Nachteile einer Lotusgeburt?

Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, dass die Plazenta nach der Entbindung keine Funktion mehr für Euer Baby hat. Das heißt, bei der Lotusgeburt handelt es sich vor allem um ein Ritual, mit dem Ihr der Plazenta eine Wertschätzung entgegenbringt. Dennoch gibt es einige Experten, die auf ein Risiko hinweisen.

Das tote Gewebe kann anziehend sein für Bakterien und auch Keime. In seltenen Fällen kann es passieren, dass auf diesem Weg Keime zu Eurem Baby gelangen. Umso wichtiger ist es, eine umfangreiche Konservierung vorzunehmen. Lasst Euch dazu beraten. Eine gute Anlaufstelle ist die Hebamme. Auch eine Doula kann Euch Unterstützung geben.

Fazit: Die Lotusgeburt ist eine Überzeugung

Denkt Ihr über eine Lotusgeburt nach, empfehlen wir Euch, die Vor- und Nachteile zu vergleichen und zu hinterfragen, warum Ihr dieses Ritual gerne durchführen möchtet. Gespräche mit der Hebamme helfen Euch dabei zu entscheiden, ob Ihr diesen Wunsch umsetzt. Bedenkt, dass nicht jedes Krankenhaus eine Lotusgeburt unterstützt. Sprecht es bei der Geburtsvorbereitung an. Bei einer Hausgeburt oder auch bei einer Entbindung im Geburtshaus ist eine Lotusgeburt natürlich ebenfalls möglich.

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