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Hausgeburt – die Entbindung in den eigenen vier Wänden

Nadine Scheiner
15 Mrz 2022
5 Min.
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Schon während der Schwangerschaft macht Ihr Euch Gedanken darüber, wo und wie Euer Baby auf die Welt kommen soll. Dabei gehen die Gedanken in ganz unterschiedliche Richtungen. Viele werdende Eltern bevorzugen die Entbindung in der Geburtsklinik. Andere haben das Geburtshaus auf dem ersten Platz. Zunehmend geht der Trend wieder zur Hausgeburt. Der Wunsch, in der gewohnten Umgebung in aller Ruhe zu entbinden, steht dabei im Fokus.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einer Hausgeburt ist es wichtig, eine gute Hebamme an Eurer Seite zu haben, die Euch durch die Geburt begleitet und auch im Notfall rechtzeitig eingreifen kann.
  • Eine Hausgeburt kann nur dann durchgeführt werden, wenn Eure Schwangerschaft risikolos verläuft.
  • Die Kosten für eine Hausgeburt werden von der gesetzlichen Krankenkasse normalerweise übernommen. Dies gilt nicht für die Rufbereitschaft der Hebamme.
Frau zu Haus im Geburtsbecken
In the light photography via shutterstock

Für wen ist eine Hausgeburt geeignet?

Der Wunsch nach einer Geburt Zuhause ist da, Ihr seid aber unsicher, ob das für Euch überhaupt eine Option ist? Grundsätzlich kann jede Schwangere zu Hause entbinden, bei der es während der Schwangerschaft keine Komplikationen gab. Es gibt jedoch einige Punkte, die gegen eine Entbindung zu Hause sprechen:

 

  • Eure Wehen setzen vor der 38. Schwangerschaftswoche ein

In diesem Fall gilt Euer Baby noch als Frühgeburt und die Wahrscheinlichkeit, dass es Unterstützung beim Start ins Leben braucht, ist vorhanden. Daher solltet Ihr bei Wehen, die vor der 38. Schwangerschaftswoche einsetzen, eine Klinik aufsuchen.

 

  • Ihr habt eine Risikoschwangerschaft

Eine Risikoschwangerschaft liegt dann vor, wenn Ihr beispielsweise Blutungen oder vorzeitige Wehen habt. Auch wenn die Plazenta vor dem Muttermund liegt oder andere Komplikationen vorhanden sind, ist eine Hausgeburt nicht möglich.

 

  • Überschrittener Entbindungstermin

Hebammen führen die Hausgeburt nicht mehr durch, wenn Euer Entbindungstermin um zehn oder mehr Tage überschritten wurde. In dem Fall müsst Ihr Euch täglich im Krankenhaus vorstellen und die Entbindung auch in der Klinik durchführen. Zwischen dem dritten und zehnten Tag nach Entbindungstermin braucht Ihr ein Attest des Frauenarztes, dass kein Risiko für die Hausgeburt vorliegt.

 

  • Besonderheiten bei der Schwangerschaft

Ihr erwartet Mehrlinge? Euer Baby liegt in Beckenendlage oder quer im Bauch? Das sind alles Aspekte, die eine Hausgeburt nicht möglich machen. Die Gefahr, dass Euch oder dem Baby etwas passiert, ist zu groß.

 

Tipp: Kümmert Euch rechtzeitig um eine Hebamme für die Hausgeburt. Viele Hebammen bieten die Unterstützung bei der Hausgeburt nicht an. Das heißt, bereits wenn Ihr von der Schwangerschaft erfahren habt, solltet Ihr mit der Suche beginnen.

Was für Kosten kommen auf mich zu?

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung werden die Kosten für die Hausgeburt zu großen Teilen durch die Krankenkasse übernommen. Allerdings fallen die Gebühren für die Rufbereitschaft der Hebamme für Euch an. Hier können unterschiedliche Preise aufgerufen werden. Besprecht dies schon im Vorfeld mit der Hebamme. Im Schnitt liegen die Gebühren zwischen 150 und 300 Euro.

Auch die Kosten für mögliche Utensilien werden nicht von der Krankenkasse übernommen. So möchten viele werdende Mütter zu Hause gerne in einem Geburtspool entbinden. Hierbei handelt es sich um spezielle Modelle mit stabilen Seitenwänden, die in unterschiedlichen Größen zur Verfügung stehen. Der durchschnittliche Preis liegt bei 250 Euro.

Welche Vorteile hat eine Hausgeburt?

Wusstet Ihr, dass 80 % der Geburten zu Hause ohne Probleme ablaufen? Oft wird von einem hohen Risiko gesprochen. Der Wert zeigt, dass das Risiko durchaus überschaubar ist. Zudem gibt es einige Vorteile:

  • In einer gewohnten Umgebung könnt Ihr besser entspannen. Eine Hausgeburt kann dabei helfen, Verkrampfungen zu verhindern.
  • Ihr könnt die Umgebung so gestalten, wie Ihr Euch wohlfühlt. Sowohl die Stärke des Lichts als auch die Ausstattung des Geburtszimmers liegen in Euren Händen.
  • Ihr bekommt eine direkte Betreuung durch die Hebamme, die während der gesamten Entbindung bei Euch ist.
  • Statistisch gesehen werden bei einer Hausgeburt deutlich weniger Dammschnitte durchgeführt.

Welche Nachteile hat eine Hausgeburt?

Bevor Ihr eine endgültige Entscheidung trefft, solltet Ihr aber auch die Nachteile kennen:

 

  • Ihr habt weniger Möglichkeiten zur Reduzierung von Schmerzen. Eine PDA kann Euch bei der Hausgeburt nicht gelegt werden. Stattdessen wird mit der Atmung und Massagen sowie Bestärkung gearbeitet.
  • Es besteht keine Möglichkeit für einen Kaiserschnitt. Muss dieser durchgeführt werden, ist ein Transport ins Krankenhaus notwendig.
  • Es gibt keine medizinische Notfallversorgung. Im Notfall geht Zeit verloren, da Ihr erst in das nächste Krankenhaus gebracht werden müsst.
  • Auch eine Hebamme kann an ihre Grenzen kommen. Bei einer sehr lange andauernden Geburt kann es sein, dass sie erschöpft ist.

Was passiert im Notfall?

Eine Hausgeburt wird nur dann empfohlen, wenn es Euch und Eurem Baby gut geht und die Schwangerschaft unauffällig verlaufen ist. Dennoch kann es unter der Geburt zu Komplikationen kommen. Sobald eine Gefahr für Euch oder für das Baby besteht, wird eine gute Hebamme Euch in ein Krankenhaus verlegen lassen. Daher solltet Ihr dennoch eine Krankenhaustasche packen, die Ihr im Notfall direkt mitnehmen könnt.

Macht Euch mit dem Gedanken vertraut, dass auch eine Hausgeburt in ein Krankenhaus führen kann. Umso wichtiger ist es, dass Ihr eine Hebamme engagiert, der Ihr komplett vertraut. Das gilt auch für die Einschätzung der Hebamme, wenn sie eine Hausgeburt nicht weiter vertreten kann.

Was ist bei der Hausgeburt wichtig – die Checkliste

Ihr habt Euch dafür entschieden, eine Hausgeburt in den Fokus zu stellen und diese in Angriff zu nehmen, wenn alles passt? Dann ist es gut, schon einige Wochen vor der Geburt eine Checkliste aufzuschreiben und alles vorzubereiten. Die wichtigsten Punkte bei einer Checkliste sind:

  • Was wird das Geburtszimmer? Wählt den Raum aus, der zum Geburtszimmer werden soll und bereitet den Raum vor. Legt Handtücher bereit und auch Folie. Möchtet Ihr einen Geburtspool einsetzen? Dann besorgt diesen rechtzeitig und baut ihn auch vorher auf. Das Wasser wird erst eingelassen, wenn die Wehen eingesetzt haben.
  • Wo können Utensilien abgelegt werden? Wenn Eure Hebamme kommt, dann braucht sie auch ein wenig Platz. Stellt daher im Geburtsraum einen Tisch auf, der dafür sorgt, dass alles griffbereit ist. Ebenfalls griffbereit sein sollten Mülltüten und auch eine Lampe.
  • Was brauche ich für das Baby? Wenn Euer Baby auf der Welt ist, dann braucht es vor allem Eure Arme sowie Wärme und Ruhe. Sorgt dafür, dass Handtücher vorgewärmt werden können. Auch eine große Decke sollte griffbereit sein. Frische Waschlappen und eine Schüssel für warmes Wasser hilft dabei, dass Euer Baby von der Hebamme gereinigt werden kann. Tipp: Halte ein erstes Outfit bereit.
  • Was brauche ich für mich? Wenn Ihr entbunden habt, werdet Ihr Euch natürlich ganz auf Euer Baby konzentrieren wollen. Dennoch solltet Ihr vor der Hausgeburt auch daran denken, wie Eure Schmerzen gelindert werden können. Kühlkissen helfen dabei, Geburtsverletzungen zu kühlen. Massageöl kann unter der Entbindung helfen, wenn Euer Partner Euch damit massiert. Auch kleine Snacks dürfen nicht fehlen. Je nachdem, wie lange die Entbindung dauert, kann es sein, dass Ihr Hunger bekommt.

Hinweis: Auch bei einer Hausgeburt werden Eure Papiere benötigt. Ihr braucht Euren Mutterpass und eine Krankenkassen-Karte sowie das Familienstammbuch. Denkt auch an Euren Ausweis.

Fazit: Die Hausgeburt kann der ideale Start ins Leben sein

Bei einer Entbindung in den eigenen vier Wänden befindet Ihr Euch in einer gewohnten Umgebung. Das führt oft zu einem deutlich entspannten Gefühl. Ihr könnt Euren Geburtsraum individuell vorbereiten und bekommt eine direkte Betreuung durch eine von Euch ausgewählte Hebamme. Damit habt Ihr ideale Grundlagen für ein besonderes Geburtserlebnis. Dennoch sollten auch die Risiken gut abgewogen werden.

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