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Die sanfte Geburt – der selbstbestimmte und sanfte Weg zum Baby

Nadine Scheiner
11 Nov 2021
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Die sogenannte „sanfte Geburt“ ist eine Geburtsart, die ursprünglich durch den Franzosen Frederick Leboyer entwickelt wurde, heute aber auch oft als Begriff für das Hypnobirthing verwendet. Wir möchten näher auf die Methoden eingehen und euch aufzeigen, welche Möglichkeiten für die Geburt es hier gibt.

Sanfte Geburt
Von Natalia Deriabina - Shutterstock

Was ist die Idee hinter einer sanften Geburt?

Werden Eltern gefragt, wie sie die Geburt empfunden haben, wird in dem Zusammenhang oft von einem Sturm gesprochen. Die Geburt wird als ein Wirbelsturm empfunden, der mit starken Schmerzen und noch stärkeren Gefühlen einhergeht. Auch Geburtsängste oder Traumata werden dabei aufgegriffen. Mit dem Weg der sanften Geburt soll euch dabei geholfen werden, euch schon bei der Vorbereitung auf die Entbindung selbst von Ängsten zu befreien und dafür zu sorgen, dass ihr euch auf die Entwicklungen einlassen könnt. Die Ziele einer sanften Geburt und der dafür entwickelten Techniken sind daher vielseitig:

Die Schmerzreduktion

Bei der sanften Geburt wird mit Techniken gearbeitet, die euch dabei helfen, gegen eure Schmerzen zu arbeiten. Hier kommt auch die Technik des Hypnobirthings zum Einsatz. Durch Techniken für die Selbsthypnose sowie eine spezielle Atmung bekommt ihr Werkzeuge an die Hand, die ihr einsetzen könnt. Dabei wird vor allem der Zustand der Tiefenentspannung angestrebt. Teilweise könnt ihr so sogar Flow-Zustände erreichen.

Vorgehen gegen Geburtsängste

Ängste vor der Geburt sind keine Seltenheit. Möglicherweise habt ihr schon eine oder mehrere Geburten gehabt und vielleicht sogar ein Trauma durchlebt. Vielleicht habt ihr aber auch so starke Ängste vor der Geburt, dass es sich zu einer Panik auswächst. Durch die Ängste wird teilweise der Vorgang der Geburt beeinflusst. Möglicherweise öffnet sich der Muttermund nur sehr langsam, ihr verkrampft oder habt so eine starke Panik, dass ihr sogar kollabiert. Mit Unterstützung eurer Gedanken und Vorstellungen könnt ihr gegen eure Ängste arbeiten und so die Durchführung einer sanften Geburt unterstützen.

Stärkung des eigenen Selbstvertrauens

Auf eine sanfte Geburt könnt ihr nicht hoffen, ihr müsst sie selbst herbeiführen. Das klingt möglicherweise einfach, es ist aber auch mit Arbeit verbunden. Entspannungs- und Atemtechniken sind in diesem Zusammenhang ebenso wichtig, wie ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Mit der Unterstützung eurer Hebamme oder auch eines speziellen Kurses, beispielsweise für Hypnobirthing, lässt sich das Selbstbewusstsein ebenfalls steigern. Durch das Wissen rund um eure eigenen Kräfte könnt ihr die Geburt positiv beeinflussen.

Vertrauen in euren Körper

Euer Körper und auch euer Baby sind für die Geburt vorbereitet. Sie arbeiten eng miteinander zusammen. Eine sichere Bindung zum Ungeborenen ist eine der wichtigsten Grundlagen rund um die sanfte Geburt. Bei der sanften Geburt wird unter anderem darauf gesetzt, dass ihr ein besonderes Gespür für euren Körper und euer Baby habt. Unter anderem soll mit der sanften Geburt dafür gesorgt werden, dass die Geburt an sich schneller vorangeht, ein Dammschnitt verhindert werden kann und auch nach der Geburt die Erholungszeit verkürzt wird.

Die Kraft der Gedanken bei der sanften Geburt

Es gibt spezielle Kurse für werdende Eltern, bei denen euch die sanfte Geburt nähergebracht wird. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Geburtsvorbereitungskurs. Diesen könnt ihr zusätzlich noch belegen. Bei einem Kurs rund um die sanfte Geburt wird genauer auf den Prozess der Geburt und eure möglichen Ängste eingegangen. Ihr lernt mehr darüber, welche Aufgaben die Geburtshelfer haben und wie eine Geburt ablaufen kann.

Zusätzlich dazu gibt es verschiedene Techniken, die euch an die Hand gegeben werden. Dazu gehören die positive Suggestion, Techniken für die Atmung und die Entspannung. Für euren Partner werden Tipps rund um die Unterstützung zur Entspannung gegeben. Dazu gehört auch die Berührungsmassage.

Bei einer sanften Geburt ist es für euch wichtig, dass ihr einen ruhigen Partner als Geburtsbegleiter an eurer Seite habt. Natürlich gehört dazu die Hebamme. Aber auch euer Partner selbst kann euch optimal unterstützen, wenn er die richtigen Werkzeuge hat.

Sanfte Geburt
Von christinarosepix - Shutterstock

Die Bedeutung der Geburtsposition

Allein die Kraft der Gedanken ist noch nicht ausreichend, wenn es darum geht, eine sanfte Geburt anzustreben. Einen wichtigen Einfluss auf den Verlauf kann auch die Geburtsposition nehmen. Viele Jahrzehnte lang wurden die Frauen gebeten, sich für die Entbindung in die Position auf den Rücken zu legen. Das galt als eine schnelle und effektive Methode, die vor allem einen sehr praktischen Aspekt hatte. Doch es hat sich gezeigt, dass andere Geburtspositionen für eine sanfte Geburt deutlich besser geeignet sind.

Die aufrechte Position gilt als optimale Haltung für eine sanfte Geburt. Ihr werdet dabei durch die Erdanziehungskraft bei der Entbindung unterstützt. Abhängig davon, welche Position für euch besonders angenehm ist, könnt ihr euch hinstellen oder auch hinsetzen. Viele Frauen gehen gerne in die Hocke und arbeiten mit einem Seil.

In einem guten Kreißsaal werden euch unterschiedliche Varianten für die Position angeboten. Ihr könnt euch in eine Wanne setzen oder den Geburtshocker in Anspruch nehmen. Durch die aufrechte Körperhaltung wird auch eher Uterus aufgerichtet. Das Baby kann besser in das Becken und in den Geburtskanal rutschen.

Durch die aufrechte Position kann die Gebärmutter zudem besser arbeiten. Das heißt, die Kontraktionen nehmen zu und wirken sich schneller auf den Muttermund aus. Das kann den Vorgang der Geburt beeinflussen.

Wichtig: Ihr als Gebärende solltet entscheiden können, welche Position für euch angenehm ist. Gerade das kann aber zu einer Herausforderung werden. Unter der Geburt verlieren viele Frauen einen großen Teil ihres Selbstbewusstseins und lassen sich fremdbestimmen. Auch hier kann euer Partner eine wichtige Hilfe sein. Ihr könnt ihm sagen, welche Position ihr einnehmen möchtet und er kann dies für euch an die anderen Geburtshelfer weitergeben.

Die aktive Geburtsvorbereitung bei der sanften Geburt

Tiefenentspannung ist für die sanfte Geburt ein wichtiger Aspekt. Zusätzlich zu den Übungen, diese zu erreichen, könnt ich auch eine aktive Geburtsvorbereitung weiter in den Fokus rücken. Die sanfte Geburt beginnt daher oft schon Monate vor der eigentlichen Entbindung.

Wenn ihr zu den Frauen gehört, die bereits in der Schwangerschaft Ängste vor der Geburt entwickeln, seid ihr damit nicht allein. Problematisch ist eher, wenn diese Ängste zu einem Teufelskreis führen. So kann die Entbindung selbst beeinflusst werden. Die Atmung ist ein wichtiger Aspekt, wenn es um die Sauerstoffversorgung eures Körpers geht. Sauerstoff ist wichtig für einen klaren Kopf und auch für euer Baby. Zudem ist ein ausreichender Gehalt an Sauerstoff gut für die Entspannung.

Die Atemtechniken könnt ihr euch von eurer Hebamme zeigen lassen oder auch in einem Kurs zur sanften Geburt erlernen. Nehmt euch die Zeit und lasst euch zeigen, welche Therapien sich schon bewährt haben.

Gleiches gilt für Übungen rund um die Entspannung und die Auflösung von Verspannungen. Verspannungen und Beschwerden können die Geburt verzögern. Wenn ihr Schmerzen habt, solltet ihr wissen, welche Übungen für Lockerungen sorgen können. Teilweise eignen sich Übungen aus dem Yoga-Bereich.

Auch die sanfte Geburt hat Grenzen

Eine sanfte Geburt ist natürlich das Optimum. Allerdings ist es uns wichtig, euch umfassend zu informieren. Auch die sanfte Geburt ist nicht immer eine Lösung, die sich umsetzen lässt. Grundsätzlich können Atem- und Entspannungstechniken sehr gut dabei helfen, die Schmerzen unter der Geburt zu lindern. Aber auch in diesen Fällen kann es zu einem unerwarteten Verlauf kommen. Daher ist es wichtig, dass ihr dennoch offen dafür seid, dass die Hebamme oder auch die Ärzte im Kreißsaal euch und eurem Baby helfen möchten.

Es ist nicht ganz einfach, die richtige Balance zu finden. Es ist euer gutes Recht, optimal informiert zu sein und das gilt auch für die Zeit während der Geburt. Fragt ruhig nach, warum euch Empfehlungen gegeben werden.

Geburtshelfer haben die Erfahrung gemacht, dass der Geburtsvorgang auch dann beeinflusst werden kann, wenn die Gebärende sich anderen Wegen gegenüber verschließt.

Tipp: Nehmt euch vor der Geburt sehr viel Zeit für Gespräche mit der Hebamme und auch für das Geburtsvorbereitungsgespräch im Geburtshaus oder im Krankenhaus. Notiert euch die Fragen, die ihr habt. Hier kann es um den Kaiserschnitt gehen, ein Vorgehen bei einem Geburtsstillstand oder auch bei sehr starken oder deutlich nachlassenden Kontraktionen. Ihr solltet gut informiert sein, gleichzeitig aber an euch glauben.

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