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Frühgeburt in der SSW 28-33 – hier treten meist noch Anpassungsschwierigkeiten auf

Nadine Scheiner
10 Mai 2022
4 min
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Eine Frühgeburt kann ein erheblicher Schock sein. Die Ausstattung für das Kind ist oft noch nicht fertig und es kommen zusätzliche Sorgen auf. Kommt euer Kind zwischen der 28. und 33. Schwangerschaftswoche (SSW) auf die Welt, sind seine Überlebenschancen sehr gut. Auch die Spätfolgen und Komplikationen treten weniger häufig auf als bei Geburten vor diesem Zeitraum. Allerdings solltet ihr euch darauf einstellen, dass euer Kind noch etwas im Krankenhaus bleiben muss.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Frühchen, die zwischen der 28. und 33. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen, haben oft schon eine kritische Gewichtsgrenze überschritten. Mit einem Geburtsgewicht über 1.00 Gramm treten meist weniger Komplikationen auf.
  • Die Entwicklung der meisten Organe ist in der 28. SSW schon abgeschlossen. Aber vor allem die Lungenreife ist dann noch nicht vollständig und Frühgeborene brauchen oft noch Atemunterstützung.
  • Auch wenn die Babys bei einer Frühgeburt zwischen der SSW 28 und 33 sehr gute Überlebenschancen haben und oft nur wenig Komplikationen auftreten, ist die Zeit nach der Frühgeburt emotional und seelisch anstrengend. Holt euch so viel Unterstützung, wie ihr braucht.
Frühgeburt SSW 28-33
Patryk Kosmider via Shutterstock

Welche Anzeichen kann es für eine Frühgeburt in der 28. bis 33. Schwangerschaftswoche geben?

Eine Frühgeburt kann verschiedene Ursachen haben. Dazu zählen zum Beispiel die folgenden Punkte:

  • aufsteigende Infektionen im Urogenitaltrakt
  • Schwangerschaftskomplikationen
  • Gestosen
  • chronischer Stress
  • vorzeitige Wehen
  • vorzeitiger Blasensprung
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Vorerkrankungen der Schwangeren

Um eine drohende Frühgeburt zu erkennen, ist es wichtig, dass ihr die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmt. Euer Arzt oder eure Ärztin kann Anzeichen erkennen, die auf die Komplikation hindeuten. In der Praxis können zum Beispiel vorzeitige Wehen am CTG bemerkt werden. Aber auch ein verkürzter oder geöffneter Muttermund wird meist bei der Untersuchung entdeckt.

Darüber hinaus solltet ihr euren Körper aber auch immer genau beobachten und bei ungewohnten Beschwerden zum Arzt gehen. Zu diesen Symptomen gehören vor allem diese Anzeichen:

  • regelmäßige krampfartige Schmerzen oder ein harter Bauch
  • hellrote Blutungen
  • vorzeitiger Blasensprung
  • ungewöhnlicher Ausfluss

In solchen Fällen solltet ihr euren Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen, damit die Symptome überprüft werden können. Bei einer Frühgeburt braucht ihr und euer Baby medizinische Versorgung.

Welche Überlebenschancen hat ein Kind nach einer Frühgeburt in der SSW 28 bis 33?

Wenn euer Kind zwischen der SSW 28 und 33 auf die Welt kommt, hat es sehr gute Überlebenschancen. Bei einer Frühgeburt in der 28. SSW überleben 96 Prozent der Kinder. In der 32. Schwangerschaftswoche liegt die Rate schon bei 98 Prozent und in der 33. Schwangerschaftswoche unterscheidet sie sich kaum noch von der von reif geborenen Kindern. Das zeigt wie gut Frühgeborene der SSW 28 bis 33 heutzutage versorgt werden können.

Gibt es Folgeschäden nach einer Frühgeburt in der SSW 28-33?

Eine Frühgeburt ist immer mit Risiken verbunden und kann zu verschiedenen Komplikationen und Spätfolgen führen. Das Risiko sinkt aber stark, wenn das Kind bei der Geburt mindestens 1.000 Gramm wiegt.

Dieses Gewicht wird von einem gesunden Kind in der SSW 28 meist schon leicht überschritten. Das Durchschnittgewicht liegt rechnerisch in dieser Zeit bei etwa 1.100 Gramm. Daher haben auch viele Frühchen schon ein Körpergewicht von mindestens einem Kilogramm, wenn sie in der 28. Schwangerschaftswoche oder noch später geboren werden.

Auch die Organentwicklung ist zu diesem Zeitpunkt schon so weit fortgeschritten, dass die Probleme abnehmen. Bei Extremfrühchen, die zwischen der 24. und 27. SSW geboren werden, kommt es deutlich häufiger zu akuten und langfristigen Schwierigkeiten.

Allerdings ist die Lungenentwicklung in der SSW 28 noch nicht komplett abgeschlossen. Der oberflächenaktive Stoff, der für diese Reifung zuständig ist, ist das Surfactant. Es wird in immer größerer, aber noch nicht ausreichender Menge gebildet. Daher erfolgt nach einer Frühgeburt in der SSW 28 noch oft eine Atemunterstützung. Wenn die drohende Frühgeburt erkannt wird, können zu diesem Zeitpunkt Medikamente gespritzt werden, die die Lungenreife unterstützen.

Insgesamt müsst ihr nach einer Frühgeburt zwischen der 28. und 33. Schwangerschaftswoche meist nicht mehr mit starken Beeinträchtigungen rechnen. Viele dieser Frühchen brauchen auch nur wenig medizinische Unterstützung. Es können aber immer noch für eine kurze Zeit unterstützende Maßnahmen nötig werden. Dazu gehören vor allem:

  • Atemunterstützung über eine Intubation oder eine CPAP-Maske
  • Zeit in einem Inkubator oder in einem Wärmebett
  • zusätzliche Ernährung über eine Magensonde
  • strenge Hygienemaßnahmen zur Vermeidung von Infektionen

Wann kann ein Baby nach einer Frühgeburt in der SSW 28 - 33 nach Hause gehen?

Bei Geburten zwischen der SSW 28 und 33 sind die Komplikationen meist geringer sind als bei Frühgeburten vor der SSW 28. Trotzdem müssen auch diese Kinder meist noch ein paar Wochen auf der Neointensivstation bleiben.

Generell sollten die Babys eine Reihe von Kriterien erfüllen, bevor sie die Heimreise antreten können. Dazu gehören meist die folgenden Punkte:

  • die Körpertemperatur kann konstant gehalten werden
  • die Atmung ist stabil
  • das Kind nimmt stetig zu
  • die Nahrungsaufnahme funktioniert ohne Sonde
  • das Kind wiegt mehr als 2.500 Gramm

Bis diese Kriterien erfüllt werden, liegt oft noch eine anstrengende Zeit vor den Eltern. Sie können ihr Kind nicht sofort mitnehmen und können auch im Krankenhaus oft nicht immer bei ihnen sein. Oft ist die Frühgeburt auch mit einem großen Schock verbunden. Das Kind ist kleiner und zarter, als ihr es euch vorgestellt habt und liegt eventuell sogar noch in einem Inkubator.

Diese Umstände führen dazu, dass ihr euer Kind nicht immer komplett alleine versorgen müsst. Manche Mütter müssen auch Milch abpumpen, um den Milchfluss in Gang zu bekommen. Diese Muttermilch wird anfangs oft über eine Magensonde oder eine Flasche gefüttert. Das macht den Stillstart nicht immer leicht.

Scheut euch daher nicht, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch praktische Hilfe durch Verwandte oder Bekannte kann die Zeit deutlich leichter machen, vor allem mit älteren Geschwisterkindern.

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