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Folgen einer Frühgeburt

Nadine Scheiner
29 Dez 2021
5 min.
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Auf der ganzen Welt gibt es Frauen, die trotz modernster Medizin mit einer Frühgeburt und den möglichen Folgen dieser rechnen müssen. Es gibt verschiedene Ursachen, warum ein Baby vor der 37 SSW geboren wird und so unterschiedlich die Gründe für die zu frühe Geburt, so unterschiedlich können auch die Folgen sein. Abhängig sind die kurzfristigen und langfristigen Folgen nicht zuletzt von der Schwangerschaftswoche, indem das Baby geboren wurde.

So oder so ergibt sich jedoch eine mögliche Situation, die einige Sorgen und Ängste auslösen kann, die aber in den allermeisten Fällen ohne Probleme gelöst werden können. Das heißt, sowohl die Mutter als auch das Kind werden bei bester Gesundheit sein, wenn die Behandlung von Mutter und Frühchen richtig erfolgen und das Frühchen nach der Geburt mit besonderem Augenmerk auf die Entwicklung versorgt wird.

Wichtig ist zu wissen, welche Folgen eine verkürzte Schwangerschaft für das Frühchen haben kann und wie ihr Langzeitschäden vermeiden könnt, dafür müsst ihr aber erst einmal die Folgen kennen, sodass ihr im Anschluss besser handeln könnt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Viele Folgen treten kurzzeitig auf und können mit der richtigen Behandlung ausgeglichen werden.
  • Langzeitfolgen sind möglich, treten in der Regel aber nur bei viel zu früh geborenen Kindern auf.
  • Fragt euren Arzt und eure Hebamme, wie ihr Mangelerscheinungen ausgleichen und euer Baby fördern könnt, um die Entwicklung anzuregen.
Folgen Frühgeburt
OndroM via Shutterstock

Typische Folgen einer Frühgeburt

Die auftretenden Komplikationen und Beschwerden sind von der Schwangerschaftswoche und dem Entwicklungsstatus des Babys abhängig. Die „typischen“ Folgen treten sowohl bei der körperlichen als auch geistigen Entwicklung auf, wobei die geistigen Entwicklungen oft besser ausgeglichen werden können. Hingegen körperliche Entwicklungsstörungen einer besonderen Behandlung brauchen, um nicht zu einer Langzeitfolge zu werden.

Entwicklungsstörungen des Atmungssystems

Zweifellos ist eine der häufigsten Folgen einer Frühgeburt beim Baby, dass es Probleme mit seinem Atmungssystem hat. Dabei ist es sogar möglich, dass das Baby aufgrund seiner unausgereiften Lunge unter dem sogenannten Atemnotsyndrom leiden kann. Ihr solltet euch daher in diesem Fall am besten mit Erkrankungen wie Apnoe oder bronchopulmonaler Dysplasie auseinandersetzen.

Die Einschränkungen, die das Baby durch die Störung der Lungenfunktion hat, kann sich nicht nur auf die Atmung selbst auswirken, es kann auch Probleme beim Saugen an der Brust der Mutter haben, wodurch die Nahrungsaufnahme erschwert wird. In diesem Fall ist es möglich, dass euer Arzt Maßnahmen einleitet, um die richtige und nötige Ernährung zu sichern.

Eine auftretende Gelbsucht

Auch Gelbsucht ist bei Frühchen besonders häufig. Das heißt, die Haut des Babys hat eine ausgeprägte gelbliche Farbe. Dies liegt vor allem daran, dass betroffene Frühchen einen sehr hohen Bilirubinspiegel im Blut haben. Dies ist jedoch nicht schwerwiegend oder erfordert spezielle Behandlungen.

Untergewicht, weil Fettpölsterchen fehlen

Die Tatsache, dass das Baby zu früh auf die Welt kommt, bringt natürlich auch ein geringeres Gewicht mit sich. Konkret kommt es in der Regel vor, dass es 2,5 Kilo nicht überschreitet. Daher ist in den ersten Wochen besonders auf die Gewichtszunahme zu achten, sodass euer Baby auch kleine Fettpolster ansetzen kann.

Unterkühlung aufgrund einer fehlenden Selbstregulierung

Wusstet ihr, dass euer Baby erst ab SSW 36 seine Körpertemperatur regulieren kann? Das heißt Babys, die früher geboren werden, können auch unter einer Unterkühlung leiden und werden daher oft in Inkubationskästen oder Wärmebetten behandelt. Erst wenn euer Baby in der Lage ist, seine Temperatur zu kontrollieren, kommt es ohne Hilfe aus.

Infektionen, weil das Immunsystem nicht aktiv ist

Kommt es zu einer verfrühten Geburt, sind auch Infektionen nicht ausgeschlossen, da das Immunsystem noch nicht aktiv oder ausreichend stark ist. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Infektion zu erkranken, ist bei Frühchen viel größer als bei einem Baby, das zum Geburtstermin geboren wird.

Andere Folgen einer Frühgeburt

Obwohl die bereits genannten Beschwerden und Erkrankungen zu den häufigsten Folgen einer verkürzten Schwangerschaft gehören, gibt es weitere mögliche Folgen, von denen ihr zumindest gehört habt.

Mögliche Folgen:

  • Ein schwaches Gewebe, sodass Haut und Blutgefäße noch nicht komplett ausgereift sind. Dies kann zu einer intraventrikulären Blutung führen.
  • Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie die sogenannte systemische Hypotonie.
  • Wachstumsstörungen der Blutgefäße in der Netzhaut kann zu Sehstörungen führen. Es kann zu einer Frühgeborenenretinopathie kommen.

Ihr solltet auch wissen, dass es bei Frühchen auch nach Jahren noch zu Beschwerden kommen kann, die auf die Frühgeburt eures Babys zurückzuführen sind. Gemeint sind Folgeerkrankungen wie Taubheit, Seitenblindheit, Epilepsie, häufige Otitis-Probleme und sogar motorische Schwierigkeiten. Diese Einschränkungen werden oft erst viele Jahre später wahrgenommen oder treten im höheren Alter auf.

Frühgeburt folgen
OndroM via Shutterstock

Die langfristigen Folgen einer Frühgeburt

Studien zeigen, dass Frühgeborene unter der 37. Schwangerschaftswoche und insbesondere unter 32. Schwangerschaftswochen haben im Erwachsenenalter schlechtere Parameter der Herzfunktion, da das Herz häufig kleiner ist, weniger wiegt und somit nicht die volle Kapazität hat.

Aber auch die Lunge, die Sehkraft und das Hörvermögen können eingeschränkt sein und früher als bei anderen zu Beschwerden im Alter führen. Nicht selten treten altersbedingte Krankheiten bei Frühchen öfter früher auf als bei Menschen, die zum Geburtstermin geboren wurden.

Auch in Bezug auf die geistige Entwicklung und das Gehirn kann es Einschränkungen geben, die erst Jahre später beispielsweise mit Eintritt in die Schule bemerkt werden. Es kann zu Einschränkungen der Konzentrationsfähigkeit kommen, aber auch Probleme bei der Auffassungsgabe und Lernbereitschaft sind möglich.

Diese Folgen treten aber sehr selten auf und meist nur dann, wenn das Kind viel zu früh geboren wurde. Im Laufe der ersten Jahre und des weiteren Lebens bildet sich das Gehirn aber korrekt aus. Behinderungen oder Defizite aufgrund der verkürzten Zeit im Mutterleib sind bei Neugeborenen, die ab der 34. SSW geboren wurden, extrem selten.

Fazit: Ein geringes Risiko langfristiger Folgen

Ist euer Baby nicht wirklich viel zu früh geboren und eure Schwangerschaft soweit normal verlaufen, könnt ihr davon ausgehen, dass auftretende Beschwerden und Komplikationen ausgeglichen werden können. Das heißt, mit der richtigen Behandlung können Verzögerungen der Entwicklung, Mangelerscheinungen und Störungen ausgeglichen werden, sodass keine Langzeitfolgen bleiben.

Sowohl körperliche als auch geistige Folgen können mit entsprechenden Therapien behandelt werden und schon in den ersten Lebenswochen ausgeglichen werden. Je nachdem, welche Störungen oder Mängel bei eurem Baby auftreten, wird auch euer Arzt entsprechende Maßnahmen einleiten, um unreife Organe und Mangelerscheinungen auszugleichen und euch Ratschläge geben, wie ihr euer Baby bei der richtigen Entwicklung unterstützen.

Nur in den wenigsten Fällen wird euer Baby auch im Alter unter den Folgen der Frühgeburt leiden. Mit einer besonderen Behandlung in den ersten Tagen, so lange wie möglich Muttermilch und viel Beschäftigung wie „Lernspiele“ und Übungen könnt ihr viele Mangelerscheinungen und Beschwerden ausgleichen. Auch im Krankenhaus wissen alle beteiligten Personen, was zu tun ist und wird eurem Baby die benötigten Mineralien, Vitamine und Stoffe zuführen.

Für euch als Eltern werden mit großer Wahrscheinlichkeit die ersten Wochen nach der Geburt eures Kindes schwierig, da viele zu frühgeborene Kinder keinen Tag-Nacht-Rhythmus haben und sich erst an den Tagesrhythmus der Eltern gewöhnen müssen. Haben Eltern die ersten Wochen mit ihrem Kind „überstanden“ pegelt sich in der Regel der Rhythmus ein und ein normaler Tagesablauf ist möglich.

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