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Totgeburt – Ursachen & was bei einer stillen Geburt helfen kann

Nadine Scheiner
17 Dez 2021
7 min.
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Der Verlust eines Kindes ist für Eltern eine unfassbare Tragödie. Vor diesen Eltern liegt ein langer und schwerer Weg. Informationen können ein wichtiger Teil der Verarbeitung sein. Allerdings solltet ihr, wenn ihr selbst betroffene Eltern seid, gut auf euch achten. Lasst euch immer Zeit und holt euch Hilfe. Auch Angehörige und Freunde sollten sich Zeit nehmen und sich mit der Situation auseinander setzen. Eine Totgeburt ist ein Ereignis, dass Eltern für das ganze Leben verändert, auch wenn sie nach einiger Zeit wieder völlig normal erscheinen und das Leben normal weiterzugehen scheint.

Das Wichtigste in Kürze

  • Betroffene Personen sollten sich immer Zeit nehmen und in der Situation nicht überstürzt handeln. Nur in seltenen Fällen ist ein rasches Handeln notwendig.
  • Der Abschieds- und Trauerprozess benötigt Zeit. Abdrücke von Händen und Füßen und Fotos können wichtige Erinnerungsstücke sein.
  • In Deutschland unterliegen totgeborene Kinder der Bestattungspflicht und werden auf einem Friedhof beigesetzt.
Totgeburt ursachen
Von Alexey_M - Shutterstock

Wann spricht man von einer Totgeburt?

In einigen Fällen gibt es Verwechslungen zwischen den Begriffen der Fehlgeburt und der Totgeburt. Von einer Fehlgeburt spricht man, wenn das Kind in den ersten Wochen der Schwangerschaft verstorben ist. Erst wenn bestimmte Grenzen überschritten wurden, spricht man von einer Totgeburt. Diese Kriterien unterscheiden sich von Land zu Land. In Deutschland gelten die folgenden Kriterien:

  • das Kind ist mindestens 500 Gramm schwer
  • es gab bei der Geburt kein erkennbares Lebenszeichen
  • die 24. Schwangerschaftswoche wurde erreicht

Die Kriterien des Körpergewichtes und der erreichten Schwangerschaftswoche müssen nicht beide erfüllt sein. Wenn das Kind weniger als 500 Gramm hat, aber die 24. SSW erreicht wurde, liegt ebenfalls eine Totgeburt vor. Werden die Bedingungen nicht erreicht, handelt es sich um eine Fehlgeburt.

Das Kriterium der erreichten Schwangerschaftswoche ist seit dem 1. November 2018 ein Teil des Personenstandsgesetzes. Im Laufe der Zeit haben sich die Kriterien immer wieder geändert.

Zu den aktuell geltenden Bedingungen gehört auch das Fehlen der Lebenszeichen. Dagegen ist es eine Lebendgeburt, wenn eines der folgenden Zeichen nach der Geburt erkennbar ist:

  • das Herz schlägt
  • die Lungenatmung setzt ein
  • die Nabelschnur pulsiert

In der medizinischen Fachsprache wird eine Totgeburt als intrauteriner Fruchttod bezeichnet. Umgangssprachlich wird auch von einer stillen Geburt oder Stillgeburt gesprochen.

Wie häufig ist eine Totgeburt?

Insgesamt ist eine Totgeburt kein sehr häufiges Ereignis. Weltweit treten jedes Jahr etwa zwei Millionen Totgeburten auf. Das hört sich zunächst nach einer sehr großen Zahl an, allerdings muss sie im Verhältnis mit den Lebendgeburten gesehen werden. In Deutschland liegt das Risiko einer Totgeburt etwa zwischen 0,3 und 0,5 %. Nach der 28. Schwangerschaften liegt noch in 0,24 Prozent der Fälle eine Totgeburt vor.

Im Vergleich mit anderen Ländern zeigt sich, dass die generellen gesundheitlichen Bedingungen in einem Land einen Einfluss auf diese Quote haben. Aus diesem Grund gibt es auch Länder, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer Totgeburt bei über vier Prozent liegt.

Auch im Laufe der Zeit verändert sich diese Rate. In Deutschland lag die Wahrscheinlichkeit zwischen 1841 und 1875 noch bei etwa 4 Prozent.

Es ist aber wichtig zu erwähnen, dass sich diese Raten auch durch die Veränderungen der Definitionen abweichen. Daher ist ein direkter Vergleich nicht immer leicht.

Welche Ursachen gibt es für eine Totgeburt?

Es gibt verschiedene Ursachen, die für eine Totgeburt in Frage kommen. Ein Teil liegt dabei in kindlichen Erkrankungen, andere Ursachen sind Erkrankungen der Mutter. Bei den kindlichen Ursachen kommen folgende Dinge in Frage:

  • Chromosomenbesonderheiten, wie zum Beispiel Trisomie 13 oder Trisomie 18
  • Fehlbildungen lebenswichtiger Organe
  • eine Sauerstoffmangelversorgung
  • schwerwiegende fetale Erkrankungen, darunter zum Beispiel Morbus haemolyticus fetalis
  • fatale Herzrhythmusstörungen

Eine Sauerstoffmangelversorgung kann verschiedene Ursachen haben. In manchen Fällen ist der Mutterkuchen nicht ausreichend ausgebildet. Manchmal kommt es auch zu einer vorzeitigen Ablösung der Plazenta. Außerdem können auch Nabelschnurknoten, ein Nabelschnurvorfall oder eine Nabelschnurumschlingung die Versorgung in zu starkem Maße beeinträchtigen.

Neben den kindlichen Ursachen können auch mütterliche Erkrankungen zu einer Totgeburt führen. Zu diesen Erkrankungen gehören unter anderem:

  • Infektionen (zum Beispiel Listeriose, Toxoplasmose und Zytomegalie)
  • Fehlbildungen der Gebärmutter
  • Erkrankungen in der Schwangerschaft (zum Beispiel Eklampsie, HELLP-Syndrom oder Diabetes mellitus
  • Drogenmissbrauch
  • seltene Schwangerschaftskomplikationen (zum Beispiel Gebärmutterriss oder Fruchtwasserembolie)
  • psychosozialer Stress (zum Beispiel durch Krieg, Flucht oder Vertreibung)

Auch ein vorangegangener Kaiserschnitt erhöht das Risiko einer Totgeburt.

Welche Anzeichen treten bei einer Totgeburt auf?

Als Mutter kann man eine Totgeburt meist nur daran erkennen, dass die Kindsbewegungen fehlen. Allerdings ist das auch nicht immer ein sicheres Zeichen, denn die Aktivität eines Babys im Mutterleib kann sich immer wieder verändern. Wenn ihr ungewöhnlich lange Ruhezeiten eures Kindes bemerkt, solltet ihr euren Arzt oder eure Ärztin aufsuchen.

Ein anderes Anzeichen kann eine Verfärbung des Fruchtwassers sein, die nach einem Blasensprung sichtbar wird. Im Falle eines intrauterinen Fruchttods geht der kindliche Blutfarbstoff in das Fruchtwasser über. Dadurch kann es sich fleischwasserfarben bis braun verfärben.

Besteht der Verdacht auf eine Totgeburt werden meist ein CTG und eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Im Ultraschall kann nachgewiesen werden, dass der kindliche Herzschlag fehlt und der Blutstrom durch die Nabelschnur aufgehört hat. Darüber hinaus zeigen sich auch manchmal Anzeichen an der Wirbelsäule oder dem Schädel des Kindes.

Wenn die Fruchtblase im Falle der Totgeburt noch intakt ist, muss nicht mit einer Vergiftung der Mutter gerechnet werden. Es kommt zwar zu einem Auflösungsprozess, dieser hat aber nichts mit einer bakteriellen Verwesung zu tun. Erst etwa vier bis fünf Wochen nach dem Tod des Kindes kann es in einigen Fällen zu einer Komplikation durch austretende Stoffe kommen.

Muss bei einer Totgeburt direkt eine Einleitung oder ein Kaiserschnitt erfolgen?

In den meisten Fällen ist bei einer Totgeburt kein rasches Eingreifen notwendig. Ihr habt auch die Möglichkeit auf das natürliche Einsetzen der Wehen zu warten. Meist dauert das ein paar Tage oder bis zu zwei Wochen. Diese Zeit kann sinnvoll sein, um den Verlust zu begreifen und damit ihr entscheiden könnt, wie ihr den Abschied gestalten wollt.

Erst nach etwa drei bis vier Wochen können zusätzliche Untersuchungen wichtig sein, um eventuelle Komplikationen zu verhindern. Darüber hinaus sollten besondere Anzeichen wie Blutungen Beachtung finden. Beratet euch in so einem Fall mit eurem Arzt und eurer Hebamme.

Eine schnelle Einleitung kann sinnvoll sein, wenn ihr als Eltern euch das wünscht. Allerdings ist es möglich, dass der Prozess in diesem Fall etwas länger dauert, weil euer Körper noch nicht auf eine Geburt eingestellt ist. In einigen Fällen wird die Einleitung auch für einige Stunden oder Tage pausiert, bevor sie Wirkung zeigt.

Unter Umständen kann auch eine Hausgeburt möglich sein. Das gibt euch mehr Entscheidungsfreiheit, wie ihr den Abschied gestalten wollt.

Totgeburt was hilft
Von Tatyana Aksenova - Shutterstock

Warum sollte das Kind bei einer Totgeburt normal geboren werden?

Eine normale Geburt hat wesentlichen Einfluss auf die Verarbeitung der Totgeburt. Bis in die 1980er Jahre war es üblich, die Mutter zu sedieren. Meist wurde ihr das Kind auch nicht gezeigt. Ein bewusstes Erleben der Geburt kann aber ein wesentlicher Teil des Trauerprozesses sein.

Darüber hinaus werden bei einer natürlichen Geburt verschieden Hormone ausgeschüttet. Und weil Körper und Geist eng verbunden sind, kann das auch bei der Verarbeitung des Trauerfalls helfen.

Daher ist es wichtig, dass die Geburtshelfer sensibel mit dieser tragischen Situation umgehen und die Wünsche der Eltern beachten und sie sensibel begleiten. Dazu gehört auch der Wunsch nach Schmerzmitteln. Manchen Müttern hilft es, wenn die Geburt schmerzlos ist, anderen kann es helfen, alle körperlichen Prozesse bewusst spüren zu können.

Neben den seelischen Folgen sollten auch mögliche körperliche Folgen beachtet werden. Ein Kaiserschnitt birgt für die Mutter selbst und nachfolgende Schwangerschaften ein höheres Risiko. Dazu kommen die körperlichen Einschränkungen durch den Bauchschnitt.

Wie kann der Abschied bei einer Totgeburt gestaltet werden?

Für viele Eltern sind die Erinnerungen an ihr totgeborenes Kind besonders wertvoll. Daher ist es wichtig, dass ihr nach der Geburt die Möglichkeit habt euer Baby zu sehen und es anzufassen. Oft können die Ärzte, Hebammen und Krankenpfleger euch diese Zeit auch geben.

Viele Eltern wissen nicht, was sie nach der Geburt erwarten können. Wie sieht das Kind aus und gibt es Veränderungen? Diese Frage kann ein Kennenlernen nach der Geburt beantworten. Damit wird verhindert, dass eure Vorstellungen euch keine Ruhe lassen.

Darüber hinaus kann es hilfreich sein, wenn ihr Spuren eures Kindes habt. Das Klinikpersonal kann Abdrücke von Händen und Füßen machen und manchmal könnt ihr eine Haarlocke behalten. Darüber hinaus gibt es Fotografen, die stille Geburten ehrenamtlich begleiten und schöne Fotos von eurem Kind machen.

Was passiert in Deutschland nach einer Totgeburt?

Im Gegensatz zu einer Fehlgeburt ist eine Totgeburt in Deutschland meldepflichtig. Das heißt, dass ihr in so einem Fall eine Geburtsurkunde mit einem Sterbevermerk erhaltet. Darüber hinaus habt ihr verschiedene Rechte:

  • Ihr dürft eurem Kind einen Namen geben
  • Ihr habt den Anspruch auf die Hilfe durch eine Hebamme, auch im Wochenbett
  • Um die Ursache zu finden, könnt ihr euer Kind obduzieren und den Mutterkuchen untersuchen lassen

Darüber hinaus besteht für euer Kind eine Bestattungspflicht. Das heißt, dass euer Kind auf einem Friedhof beigesetzt wird. In vielen Orten mit einer Geburtsklinik gibt es Sammelbestattungen für Tot- und Fehlgeburten. Ihr könnt euer Kind aber auch in einem Einzelgrab beisetzen. Lasst euch in diesem Punkt gut beraten.

Wie lange habt ihr nach einer Totgeburt Mutterschutz?

Auch nach einer Totgeburt habt ihr das Recht auf euren Mutterschutz. Dieser Zeitraum entspricht auch den sonst üblichen Regeln. Das heißt, dass ihr mindestens acht Wochen nach der Geburt nicht beschäftigt werden dürft. Nach einer Früh- oder Mehrlingsgeburt sind es sogar zwölf Wochen. Wenn die Geburt vor dem errechneten Geburtstermin liegt, wird der fehlende Zeitraum an die acht bzw. zwölf Wochen angehängt, so dass ihr zusammen mindestens 14 Wochen Mutterschutz habt.

Nach einer Totgeburt könnt ihr aber auf eigenen Wunsch den Mutterschutz auf zwei Wochen nach der Geburt beschränken. Dazu benötigt ihr ein ärztliches Zeugnis, dass eure Arbeitsfähigkeit bestätigt. Allerdings habt ihr auch dann noch die Möglichkeit den Rest eures Mutterschutzes zu nutzen, wenn euch die Arbeit noch zu viel ist. Ihr könnt die Erklärung jederzeit widerrufen.

Es ist allerdings wichtig zu wissen, dass diese Regelungen nicht für selbstständig tätige Frauen gelten. In diesem Fall müsst ihr euch selbst um eine Absicherung kümmern, die den Verdienstausfall ausgleicht. Einige Krankenkassen bieten euch die Möglichkeit von Krankentagegeld. Denkt schon früh in der Schwangerschaft daran, eure Versicherung auf diese eventuell etwas teureren Wahltarife zu überprüfen. Am besten ändert ihr den Versicherungsschutz schon vor der Schwangerschaft.

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