Hoch

Fehlgeburtsrisiko – wie hoch ist das Risiko für eine Fehlgeburt?

Nadine Scheiner
29 Dez 2021
6 min.
Mögen 0
Nicht mögen 0

Die Sorge vor einer Fehlgeburt ist bei Frauen groß. Gerade dann, wenn ihr schon einmal einen Abort erlitten habt, ist diese Gefahr immer im Hinterkopf. Hier kann es helfen, klare Zahlen zu haben und so das Fehlgeburtsrisiko besser einschätzen zu können. Dieses wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Jede sechste Frau erleidet in Deutschland im Durchschnitt eine Fehlgeburt.
  • Bei einer Fehlgeburt bis zur 12. Schwangerschaftswoche handelt es sich um einen Frühabort.
  • Bei einer Fehlgeburt ab der 12. SSW bis zur 24. SSW wird von einem Spätabort gesprochen.
Fehlgeburtrisiko
fizkes via Shutterstock

Was sagt das Fehlgeburtsrisiko aus?

Das Fehlgeburtsrisiko ist lediglich ein statistischer Wert, der angibt, bei wie vielen von 100 Frauen die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt gegeben ist. Statistische Werte bilden den Durchschnitt ab. Das heißt, sie müssen nicht auch auf euch zutreffen. Dennoch hilft es einigen Frauen zu wissen, ob sie ein eher geringes oder doch ein höheres Risiko haben. Verschiedene Faktoren beeinflussen diesen Wert. Diese sind:

  1. In welcher Schwangerschaftswoche befindet ihr euch?

Mit zunehmenden Schwangerschaftswochen nimmt das Fehlgeburtsrisiko ab. Bereits ab dem Punkt, wo bei eurem Baby ein Herzschlag festgestellt wurde, liegt das Risiko nur noch bei knapp 10 %. Habt ihr die 15. SSW erreicht, sinkt das Risiko auf 3 %.

  1. Wie alt seid ihr?

Einen Einfluss auf eine mögliche Fehlgeburt hat auch euer Alter. Mit zunehmendem Alter steigt auch die Gefahr, dass es zu einer Fehlgeburt kommt. Dies hängt mit dem Fakt zusammen, dass im Alter die Chromosomenfehlverteilungen zunehmen und der Embryo nicht gesund ist.

  1. Wie viele Fehlgeburten hattet ihr schon?

Ihr hattet bereits eine oder auch mehrere Fehlgeburten? Dies kann das Fehlgeburtsrisiko noch einmal erhöhen.

  1. Wurde schon ein gesundes Kind geboren?

Bei Frauen, die bereits ein oder mehr gesunde Kinder geboren haben, haben ein geringeres Risiko einer Fehlgeburt als Frauen ohne Kinder.

Der Einfluss von früheren Fehlgeburten auf das Fehlgeburtsrisiko

Manchmal gibt es einfach keinen erkennbaren Grund dafür, dass es zu einer Fehlgeburt kommt und teilweise tritt ein Frühabort sogar unbemerkt auf. Hier gehen Betroffene davon aus, dass sich möglicherweise die Menstruation nur um ein paar Tage verschoben hat. Allerdings haben Untersuchungen gezeigt, dass eine vorangegangene Fehlgeburt das Risiko für einen weiteren Abort erhöhen kann. Dabei wurden die folgenden Beobachtungen gemacht:

  • Hat eine Frau schon ein gesundes Kind geboren und bisher noch keine Fehlgeburt gehabt, liegt das Fehlgeburtsrisiko für eine weitere Schwangerschaft bei 12 %.
  • Hat eine Frau schon ein gesundes Kind geboren und bisher eine Fehlgeburt gehabt, liegt das Fehlgeburtsrisiko für eine weitere Schwangerschaft bei 24 %.
  • Hat eine Frau schon ein gesundes Kind geboren und bisher zwei Fehlgeburten gehabt, liegt das Fehlgeburtsrisiko für eine weitere Schwangerschaft bei 26 %.
  • Hat eine Frau schon ein gesundes Kind geboren und bisher drei Fehlgeburten gehabt, liegt das Fehlgeburtsrisiko für eine weitere Schwangerschaft bei 32 %.

Überblick über das Fehlgeburtsrisiko nach Altersgruppen

Mit zunehmendem Alter kann die Qualität der Eizellen einer Frau abnehmen und sich dadurch auf das Fehlgeburtsrisiko auswirken. In der Altersgruppe von 20 bis 24 Jahren liegt das durchschnittliche Fehlgeburtsrisiko bei 11 %.

Seid ihr in einem Alter zwischen 25 und 29 Jahren, steigt es auf 12 % an. Eine höhere Zunahme gibt es bereits bei der Altersgruppe von 30 bis 34 Jahren. Hier steigt das Risiko auf 15 % an, während es bei Frauen zwischen 35 und 39 Jahren bei 25 % liegt.

Tritt die Schwangerschaft in einem Alter von 40 Jahren bis hin zu 45 Jahren ein, steigt das Risiko auf 51 %. Bei Frauen über 45 Jahren liegt es dann schon bei mehr als 70 %.

Übrigens: Auch das Alter der Spermien hat einen Einfluss auf das Fehlgeburtsrisiko. Die Samenzellen bilden sich zwar neu. Dennoch nehmen Fehlbildungen im Alter zu.

Fehlgeburt Risiko
Natalia Deriabina via Shutterstock

Der Einfluss von Alkohol auf das Fehlgeburtsrisiko

Die Aufnahme von Alkohol sollte komplett unterbrochen werden, wenn eine Schwangerschaft vorliegt. Schon geringe Mengen reichen aus, um dem Ungeborenen zu schaden oder sogar eine Fehlgeburt auszulösen.

Wichtig: In den ersten vier Wochen der Schwangerschaft ist der Fötus noch nicht mit eurem Blutkreislauf verbunden. Das ist auch die Zeit, zu der ihr oft noch gar nichts von der Schwangerschaft wisst. Habt ihr in dieser Zeit Alkohol getrunken, kann sich dies auf die Entwicklung auswirken, muss es aber nicht. Nimmt die befruchtete Eizelle Schaden, wird sie normalerweise schon früh vom Körper abgestoßen.

Zwischen der 5. bis zur 12. SSW ist die Gefahr für Störungen von außen ganz besonders hoch, was das Fehlgeburtsrisiko angeht. Hier entwickeln sich die Grundlagen für das Nervensystem und die Organe. Kommt es zu Fehlbildungen, wird eine Fehlgeburt wahrscheinlicher.

Tipp: Plant ihr eine Schwangerschaft ist es von Vorteil, schon frühzeitig mit dem Konsum von Alkohol aufzuhören.

Die Ursachen einer Fehlgeburt

Macht euch immer bewusst, dass die Ursachen für eine Fehlgeburt nicht in euren Händen liegen. Ihr habt kaum bis gar keinen Einfluss darauf, ob eure Schwangerschaft intakt ist. Mit einer gesunden Ernährung und dem Verzicht auf Alkohol und Nikotin machst du bereits alles richtig.

Es ist wichtig zu wissen, dass der Beginn einer Schwangerschaft ein sehr umfangreicher Komplex ist, bei dem es zu vielen Problemen kommen kann. Die Gefäßsysteme in eurem Uterus sind umfangreich. Damit sich hier eine befruchtete Eizelle einnisten kann, muss alles stimmen.

Bei vielen Fehlgeburten gibt es keine Ursache oder die Ursache wird nicht gefunden. Untersuchungen haben jedoch festgestellt, dass die folgenden Punkte zu den Auslösern gehören können:

  • Erkrankungen des Stoffwechsels
  • hormonelle Störungen, wie eine Gelbkörperschwäche
  • Missbildungen oder Chromosomenstörungen beim Fötus
  • Schwäche des Gebärmutterhalses

Bei einer Fehlgeburt wird der Gynäkologe vermutlich noch keinen Anlass zu weiteren Untersuchungen sehen. Bei drei oder auch mehr Fehlgeburten ist jedoch davon auszugehen, dass es eine gesundheitliche Grundlage gibt, die nicht nur beim Fötus liegt.

Damit ihr bei einer weiteren Schwangerschaft die richtigen Vorkehrungen treffen könnt, beispielsweise durch die Einnahme von Medikamenten, können weiterführende Untersuchungen durchgeführt werden. Teilweise ist es notwendig, dafür zu spezialisierten Ärzten zu gehen.

Wie erkenne ich eine Fehlgeburt?

Eine Fehlgeburt an sich wird erst durch einen Arzt bestätigt. Dieser kontrolliert euren Uterus sowie den HCG-Wert und teilt euch dann mit, ob sich der Verdacht bestätigt.

In vielen Fällen lässt sich eine Fehlgeburt – gerade im frühen Stadium – nicht mehr aufhalten. Dennoch solltet ihr bei einem vorliegenden Verdacht immer den Arzt aufsuchen. Einige Hinweise können daraufhin deuten, dass die Schwangerschaft möglicherweise nicht intakt ist. Dabei handelt es sich um:

  • Schmerzen im Unterleib oder Kontraktionen im Uterus
  • Schmierblutungen
  • Abgang von blutigen Klumpen oder auch von Gewebe

Wichtig: Nicht immer müssen die Anzeichen für eine Fehlgeburt stehen. So können Blutungen beispielsweise von einem Hämatom kommen oder nach der Untersuchung beim Frauenarzt auftreten. Auch Schmerzen im Unterleib sind keine Seltenheit, da sich euer Uterus weitet und der Embryo Platz braucht. Dennoch ist eine Abklärung bei Auffälligkeiten immer zu empfehlen.

Fazit: Das Fehlgeburtsrisiko wird von vielen Faktoren beeinflusst

Eine Schwangerschaft ist ein Wunder der Natur und ein sehr komplexer Vorgang im Körper einer Frau. Hier muss schon bei der Einnistung alles stimmen, damit sich die Schwangerschaft entwickelt. Manchmal passt es leider nicht und der Körper entscheidet sich, eine Fehlgeburt einzuleiten. Dabei gibt es natürlich einige Faktoren, die das Risiko erhöhen können. Neben dem Alter von Mutter und Vater sind auch hormonelle Veränderungen nicht zu unterschätzen.

Ihr selbst könnt für eine intakte Schwangerschaft schon Vorbereitungen treffen. Plant ihr ein Kind, ist eine gesunde Ernährung besonders wichtig. Verzichtet auf Nikotin und auch auf Alkohol und bleibt in Bewegung. Fühlt sich euer Körper gesund, ist er auch bereit dafür, ein Baby auszutragen. Generell ist der Gynäkologe in der Schwangerschaft euer erster Ansprechpartner und sollte bei Unsicherheit immer aufgesucht werden.

Teilen:

Kommentar schreiben

Teilen: