Sprachentwicklung Kinder – Verlauf und Förderung

Die Sprachentwicklung eines Kindes gleicht einem Wunder. Sie beginnt bereits im Säuglingsalter und entwickelt sich fortlaufend bis zur sicheren Beherrschung der Muttersprache. Wir möchten Euch zeigen, was genau die Sprachentwicklung ist, wie sie funktioniert und welche Fortschritte es in welchem Lebensmonat ab der Geburt gibt. Außerdem sollen auch übliche Beeinträchtigungen in der Sprachenentwicklung und Sprachstörungen thematisiert werden. Abschließend gibt es noch ein paar Tipps zur Förderung der Sprachentwicklung.

 

Inhaltsverzeichnis:

  1. Unterschied zwischen Sprech- und Sprachentwicklung
  2. Wie lernt ein Kind das Sprechen und die Sprache zu entwickeln?
  3. In welchem Alter fängt ein Kind an zu sprechen?
  4. Von der Geburt bis zum 9. Monat
  5. 9. bis 18. Monat
  6. Vom 2. bis zum 5. Lebensjahr
  7. Beeinträchtigungen in der Sprachentwicklung
  8. Sprachstörungen
  9. Die Förderung der Sprachentwicklung

 

Unterschied zwischen Sprech- und Sprachentwicklung

Es wird grundsätzlich zwischen Sprechen und Sprache unterschieden. Das Sprechen stellt dabei die Grundvoraussetzung dar und entwickelt sich im ersten Lebensjahr. Die Sprache meint den Inhalt und die Bedeutung der einzelnen Laute. Die Sprechentwicklung beinhaltet die Lautbildung, flüssiges Sprechen, die Geschwindigkeit und die Betonung. Die Sprachentwicklung betrifft das Bilden von Wörtern, den Umfang des Wortschatzes, die Grammatik und die Textkompetenz.

 

Wie lernt ein Kind das Sprechen und die Sprache zu entwickeln?

Um das Sprechen zu erlernen, bringt ein Baby alle Grundvoraussetzungen mit. Dazu gehören die Sprachzentren im Gehirn, die benötigten Organe und Muskeln zum Hören und Sprechen wie die Zunge, der Kehlkopf, das Zwechfell und die Lippen, sowie das Erkennen von Sprache, welches das Baby schon ab dem 5. Monat im Mutterleib durch die Stimme seiner Mutter gelernt hat. Die Sprachmelodie und die unterschiedlichen Worte werden schon in den ersten Monaten immer besser kennen gelernt. Die Babys üben mit Hilfe von Lauten immer gezielter selbst Wort zu bilden. Dabei wird die dafür erforderliche Kontrolle der jeweiligen Muskeln geübt. Am Anfang benennen Kleinkinder die Dinge, welche sie sehen mit Worten, ohne dass sie in der Lage sind, Sätze zu bilden. Auch Bedürfnisse werden manchmal mit nur einem Wort ausgedrückt. So kann das Wort „Teddy“ heißen, dass das Kind den Teddy haben möchte. Anhand der Gespräche innerhalb der Umgebung, leiten sich die Kinder Zusammenhänge und Regeln der Sprache nach und nach immer weiter ab.

 

In welchem Alter fängt ein Kind an zu sprechen?

Wann ein Kind seine ersten Worte spricht, ist individuell verschieden. Die meisten Kinder sagen das erste Mal „Mama“ oder „Papa“ im Alter von eineinhalb Jahren. Manche Kinder sprechen auch schon früher und andere erst im Alter von zweieinhalb Jahren. Mädchen fangen im Durchschnitt schneller mit dem Sprechen an als Jungen.

 

Von der Geburt bis zum 9. Monat

Der Geburtsschrei ist der erste Laut des Neugeborenen und das einzige kommunikative Mittel, um in der ersten Zeit auf sich aufmerksam zu machen. Fortan werden Bedürfnisse durch Schreien und Ent- oder Anspannung des Körpers ausgedrückt. Dabei reagieren Babys selbst schon auf die Sprache der Eltern. Bevorzugt wird dabei die Babysprache in einer höheren Tonlage. Im ersten Monat lassen sich die Arten des Schreis unterscheiden. Beim Hören wirkt eine tiefe Stimmlage jetzt beruhigend. Die Eltern passen ganz automatisch ihre Sprache der Stimmung des Babys an. Ab der 6. Woche können die ersten Gurrlaute gemacht werden. Diese sind noch unkontrolliert und werden langsam geübt. Im zweiten Monat gibt es häufig schon das erste bewusste Lächeln als Reaktion auf ein liebevolles Ansprechen. Zwischen Eltern und Kindern entwickelt sich jetzt langsam der erste Dialog, indem Eltern so tun, als reagierten sie auf etwas, dass das Kind gesagt hat. Im 3. Monat entstehen die Zungen- und Kehllaute, mit denen noch experimentiert wird. Das Kind fängt damit an, unverständlich zu brabbeln. Bei den Eltern achtet es besonders auf die Mundbewegungen. Im 5. Monat üben einige Kinder weiter, während andere erstmal pausieren. Im 6. Monate werden wieder neue Laute in Form von aneinandergereihten Silben gebildet, die laut ausgesprochen werden. Außerdem werden unterschiedliche Gesichtsausdrücke und Gesichter unterschieden. Das Kind kann jetzt nach Gegenständen greifen und beginnt ein Interesse für seine Umwelt zu entwickeln.

 

9. bis 18. Monat

Bis zum 9. Monat werden immer neue Silbenketten entwickelt. Das Baby hat sein eigenes Wortverständnis. Das erste „Mama“ oder „Papa“ kann auch eine zufällige Doppelsilbe sein. Allerdings wird das Kind es merken, wenn sich die Eltern darüber freuen und die Doppelsilbe wiederholen. In der Zeit um den 1. Geburtstag herum werden manchmal bereits die ersten Wörter gesprochen. Das unterscheidet sich aber häufig je nach Kind und scheint mit dem Erlernen vom Laufen zu tun zu haben. Wer eher spricht, läuft später und umgekehrt. Die Eltern gehen von der Babysprache zur sog. stützenden Sprache über. Im 15. Monat hat sich der Wortschatz um einige wenige Wörter erweitert. Einfache Aufforderungen und deren Zusammenhänge werden verstanden. Das Interesse an Gesprächen mit den Eltern steigt weiter an. Im 18. Monat können die meisten Kinder schon ihre ersten 5 Wörter (inklusive Mama und Papa) sprechen. Dabei werden noch viel mehr Wörter verstanden, als selbst gesprochen werden können.

 

Vom 2. bis zum 5. Lebensjahr

Zu diesem Zeitpunkt beginnt die eigentliche Sprachentwicklung. Kinder fangen an, ihnen bekannte Wörter zu kombinieren. Zwei-Wort-Sätze und das Nein-Sagen bieten mehr Möglichkeiten, sich auszudrücken. Die Fähigkeit, zu fragen, unterstützt den Lernprozess. Bei der Wortschatzexplosion steigt der Wortschatz rasant an. Die Wörter werden dabei jedoch nicht immer korrekt ausgesprochen. Gesprochenes wird verstanden und kann in gedankliche Abläufe konstruiert werden. Während des 2. Lebensjahr werden die Sätze immer länger und beziehen Verben mit ein. Durch die Beherrschung der eigenen Zunge werden Laute gelernt. Die Eltern üben durch das Korrigieren falsch ausgesprochener Wörter die Sprache mit dem Kind. Im 3. Lebensjahr werden die Sätze länger (manchmal enthalten sie schon Nebensätze) und es wird mehr gefragt. Komplexere Zusammenhänge werden bereits gut verstanden. Ab dem 4. Lebensjahr sind Satzbau und Grammatik schon deutlich besser geworden und es kommen Fürwörter hinzu. Neben der Gegenwart existieren Vergangenheit und Zukunft. Der Passiv-Fall wird verstanden. Im 5. Lebensjahr können Farben zugeordnet werden. Die Zischlaute werden zuletzt erlernt. Das Kind beherrscht den Satzbau schon fast vollständig und kann Geschichten erzählen, bei denen oft aber nachgefragt werden muss, weil sie nur das enthalten, was das Kind für wichtig hält.

 

Beeinträchtigungen in der Sprachentwicklung

Beeinträchtigungen in der Sprachentwicklung können unterschiedliche Ursachen haben. Dazu gehören organisch-somatische Ursachen (z.B. Auffälligkeiten im Bereich der Lippen, der Zunge, des Gaumens oder Kiefers), Hörstörungen (z.B. unerkannte Schwerhörigkeit), neurologische Störungen (z.B. durch Erkrankungen des zentralen Nervensystems), kognitive Beeinträchtigung, der Erwerb einer Zweitsprache (z.B. Deutsch sprechen bei Migranten oder mehrsprachige Erziehung), soziale Beeinträchtigungen (z.B. Familien, in denen wenig gesprochen wird) und Bewegungsmangel.
Je eher sprachliche Beeinträchtigungen erkannt werden, umso schneller lassen sie sich korrigieren. Betroffene Eltern sollten dazu umgehend den Kinderarzt aufsuchen.

 

Sprachstörungen

Zu den Sprachstörungen gehören das Stottern (sobald es über ein halbes Jahr andauert), Sprachentwicklungsstörungen (Stammeln, Dysgrammatismus und Poltern), Stimmstörungen, Näseln und auditive Wahrnehmungsstörungen. Sollten Sprachstörungen auffallen, wird ebenfalls zu einem Gespräch mit dem Kinderarzt geraten. Je nach Sprachstörung verweist dieser an einen HNO-Arzt, einen Logopäden oder sonstigen Facharzt.

 

Die Förderung der Sprachentwicklung

Um die Sprachentwicklung des Kindes zu fördern, sollten Eltern langsam und deutlich mit dem Kind sprechen und im Gespräch nach und nach den Wortschatz ausbauen. Rollenspiele, Telefonieren, Fragen, wie es im Kindergarten war und andere Anregungen zum Gespräch, wecken die Freude am Sprechen. Vorlesen und gemeinsames Singen unterstützen den Lernprozess und machen viel Spaß. Auch zur Unterstützung der Sprachentwicklung entwickelte Spiele dienen auf eine angenehme Weise der Sprachförderung. Wie bei jedem Lernprozess gilt es dabei, viel Geduld zu haben. Es gibt jedoch auch einige Dinge, die man lieber unterlassen sollte. Zu schnelles Korrigieren während des Sprechens kann das Kind entmutigen. Es sollte außerdem am besten nicht vor anderen Kindern ermahnt werden.

 

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