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HELLP Syndrom – Schnelle Hilfe für Mutter und Kind

Nadine Scheiner
27 Jan 2022
4 min
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Vielen Frauen geht es in der Schwangerschaft sehr gut. Einige Schwangere können aber Schwangerschaftserkrankungen entwickeln. Eine der schwersten Schwangerschaftskomplikationen im letzten Schwangerschaftsdrittel ist das HELLP Syndrom. Es entwickelt sich plötzlich und kann für Mutter und Kind lebensgefährlich verlaufen.

Was ist das HELLP Syndrom?

Das HELLP Syndrom ist eine besonders schwere Erkrankung in der Schwangerschaft. Sie gilt als besonders schwere Variante der Präeklampsie und gehört daher zu den hypertensiven Erkrankungen. Diese sind vor allem durch einen hohen Blutdruck gekennzeichnet.

 

Die Bezeichnung HELLP ist eine Abkürzung, die für folgendes steht:

 

  • H – Haemolysis
  • EL – Elevated Liver enzymes
  • LP – Low Platelet count

 

Der Fachbegriff Hämolyse, im englischen Haemolysis, bezeichnet den Zerfall von Blutbestandteilen, vor allem der roten Blutkörperchen. Alle Teile der Abkürzung stehen zusammen für die kennzeichnenden Laborwerte der Erkrankung. Bei einer Untersuchung des Blutes finden Ärzte daher die folgenden Befunde:

 

  • Anstieg der Leberwerte (Transaminasen)
  • Abfall des Hämoglobin- und Hämatokritwertes
  • Schneller Abfall der Blutplättchen

 

Der Abfall der Blutplättchen wird in der medizinischen Fachsprache als Thrombozytopenie bezeichnet. Der Fachbegriff für die Blutplättchen lautet Thrombozyten.

 

Ein HELLP Syndrom kann plötzlich und ohne Vorzeichen auftreten. Sie kann aber auch nach einer länger bestehenden Präeklampsie entstehen. Ein HELLP Syndrom ist eine lebensgefährliche Erkrankung und sollte rasch behandelt werden. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Schocksyndrom aufgrund der folgenden Komplikationen kommen:

 

  • Disseminierte intravasale Koagulopathie (übermäßig starke Blutgerinnung)
  • Akutes Nierenversagen
  • Lungenödem
  • Hirnblutung
  • Ruptur eines subkapsulären Leberhämatoms (Leberruptur)
  • Innere Blutungen
  • Vorzeitige Plazentaablösung

 

Durch die vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens ist auch das Kind in Gefahr.

 

Die genaue Ursache des HELLP Syndroms ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass eine Störung der Plazenta der Grund für das Geschehen ist.

Auch der Verlauf der schwangerschaftsbedingten Erkrankung lässt sich kaum vorhersagen. In einigen Fällen kann die Erkrankung schubartig verlaufen oder sie kann sich wieder zurückbilden.

 

Das HELLP Syndrom tritt am häufigsten zwischen der 32. Und 34. Schwangerschaftswoche (Abkürzung: SSW) auf. Am häufigsten sind Erstgebärende betroffen. Es kann auch erst nach der Geburt zu dem Syndrom kommen. Etwa 31 Prozent der Fälle treten postnatal auf.

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VectorMine via Shutterstock

Welche Symptome verursacht das HELLP Syndrom?

Weil das HELLP Syndrom eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung ist, solltet ihr die dabei auftretenden Symptome kennen:

 

  • Schmerzen im rechten Oberbauch
  • Plötzliche starke Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Starke Wassereinlagerungen
  • Nasenbluten

 

Die am häufigsten auftretenden Symptome ähneln denen einer Magen-Darm-Erkrankung. Ein HELLP Syndrom kann sich im Gegensatz zu solchen Problematiken schnell zu einem lebensbedrohlichen Zustand entwickeln. Daher ist eine Abgrenzung wichtig.

 

Wenn ihr entsprechende Anzeichen bei euch bemerkt, solltet ihr in jedem Fall den Rat von Fachpersonen einholen. Vor allem das Hauptsymptom, die starken Oberbauchschmerzen, sind ein Grund für eine schnelle Abklärung. Die erste Anlaufstelle kann euer Gynäkologe sein, aber auch die Hebamme. Solltet ihr aber keine dieser Personen kurzfristig erreichen, ist auch die Fahrt in eine Notaufnahme durchaus gerechtfertigt.

 

Zusätzlich kann der Arzt folgende Symptome in die Diagnostik einbeziehen:

 

  • Erhöhte Blutdruckwerte (über 140/90 mmHg, Hypertonie)
  • Erhöhte Eiweißausscheidung im Urin (über 0,3 g/l, Proteinurie)

 

Die Blutdruckerhöhung und die Proteinurie liegen jedoch nicht in allen Fällen vor. Zum abschließenden Stellen der Diagnose müssen die Blutwerte laborchemisch überprüft werden.

Wie wird das HELLP Syndrom behandelt?

 

Um dem Geschehen bei einem HELLP Syndrom Herr zu werden, können Ärzte Mittel zur Blutdrucksenkung, Magnesium und Medikamente zum Verhindern von Krampfanfällen geben. Die Gabe von Medikamenten dient aber immer nur der Verzögerung der Erkrankung. Diese wird genutzt, um die Organreife des Kindes zu erreichen. Oft werden auch Mittel zur Unterstützung der Lungenreife gegeben.

 

Letztendlich kann ein HELLP Syndrom aber nur durch eine schnelle Entbindung behandelt werden. Oft wird auch ein Kaiserschnitt durchgeführt. Schwangere mit einem HELLP Syndrom müssen immer intensivmedizinisch überwacht werden.

 

Wenn das HELLP Syndrom günstig verlauft, normalisieren sich die Blutwerte schon wenige Tage nach der Geburt. Trotzdem muss der Verlauf der Erkrankung so lange überwacht werden, bis alle Werte wieder im normalen Bereich sind.

Welche Risikofaktoren gibt es für die Entstehung eines HELLP Syndroms?

Auch wenn die genauen Ursachen noch unbekannt sind, können Ärzte doch eine Reihe von Risikofaktoren ausmachen. Ebenso wie bei der Gestose, auch Schwangerschaftsvergiftung genannt, gelten die folgenden Punkte als Risiko:

 

  • Vorerkrankungen, vor allem Bluthochdruck, aber auch Diabetes und Gerinnungsstörungen
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Übergewicht
  • Immunerkrankungen
  • Zustand nach einer künstlichen Befruchtung

 

Auch ein bereits aufgetretenes HELLP Syndrom gilt als Risikofaktor. Das Wiederholungsrisiko liegt bei etwa 3 bis 24 Prozent. Dabei gilt, dass ein frühes Auftreten im Verlauf der Schwangerschaft auch ein höheres Risiko für eine Folgeschwangerschaft bedeutet. Daher gilt jede weitere Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft, in der zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden.

Könnt ihr dem HELLP Syndrom vorbeugen?

Da die genaue Ursache nicht bekannt ist, kann kein eindeutiger Rat zur Vermeidung des HELLP Syndroms gegeben werden. Allerdings solltet ihr die Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, damit die Erkrankung schnell entdeckt werden kann.

 

Bei der Vorsorge sind vor allem diese Untersuchungen wichtig:

 

  • Dokumentation des Gewichtsverlaufs
  • Messung des Blutdrucks
  • Urindiagnostik
  • Blutbild

 

Grundsätzlich machen auch die folgenden Vorbeugungsmaßnahmen Sinn:

 

  • Vermeidet Stress
  • Ernährt euch gesund
  • Nehmt Blutdrucksenkende Medikamente, wenn ihr unter Bluthochdruck leidet.

 

Fazit – Das HELLP Syndrom ernst nehmen

Das HELLP Syndrom ist eine ernste Erkrankung und kann lebensbedrohlich sein. Daher ist es wichtig, dass ihr die Symptome kennt und jegliche Probleme in der Schwangerschaft ernst nehmt. Eine schnelle Abklärung von möglichen Anzeichen kann euer Leben und das eures Babys retten.

FAQ

Ab wann kann das HELLP Syndrom auftreten?

 

Die Erkrankung tritt in den meisten Fällen im letzten Schwangerschaftsdrittel auf.

 

Wie gefährlich ist das HELLP Syndrom?

 

In etwa zwei bis fünf Prozent der Fälle endet ein HELLP Syndrom tödlich.

 

Wie kann man das HELLP Syndrom erkennen?

 

Das Leitsymptom bei einem HELLP Syndrom sind die starken Oberbauchschmerzen auf der rechten Seite. Diese entstehen durch eine Dehnung der Leberkapsel.

 

Kann das HELLP Syndrom auch nach der Geburt auftreten?

 

Ja, das HELLP Syndrom kann auch nach der Entbindung (postpartal) auftreten.

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